"Ohne uns" - Bahrain dementiert Pläne für die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien

"Ohne uns" - Bahrain dementiert Pläne für die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien
In einem Interview mit RT Arabisch hat der Außenminister von Bahrain, Chalid bin Ahmed el-Chalifa, im Gegensatz zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verneint, dass sein Land plane, Bodentruppen nach Syrien zu entsenden. Laut Berichten aus westlichen und arabischen Quellen soll Saudi-Arabien und seine Golf-Alliierten derzeit ein Heer von 150.000 Kampftruppen für Syrien mobilisieren.

Zuvor berichteten Medien, einschließlich Reuters, unter Berufung auf den Botschafter der Monarchie in Großbritannien, Scheich Fawaz bin Muhammed el-Chalifa, dass Bahrain „in Absprache mit Saudi-Arabien“ Truppen nach Syrien entsenden werde. Vergangene Woche signalisierten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Bereitschaft, Bodentruppen nach Syrien zum Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu entsenden. Dies könne allerdings nur in Koordination mit der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition geschehen.

Finstere Gedanken, finsterer Blick? Der saudische Finanzminister Ibrahim Abdulaziz Al-Assaf auf der Syrien-Konferenz in London, February 2016.

„Die Stellungnahme unseres bahrainischen Botschafters in London wurde missverstanden. Unser Botschafter sagte nicht, dass Bahrain plane oder überhaupt bereit sei, Bodentruppen nach Syrien zu entsenden oder an jedweden anderweitigen Anti-Terroroperationen teilzunehmen“, sagte Chalid el-Chalifa gegenüber RT Arabisch und betonte:

„Dennoch fühlt sich Bahrain der im Oktober 2014 gegründeten internationalen Koalition gegen den Terrorismus verpflichtet.“

Bahrain möchte allerdings nicht Teil einer etwaigen Bodenoperation in Syrien sein. Der Außenminister sagte ergänzend:

„Wir priorisieren die Wahrung von Stabilität in unserem Bruderstaat [Syrien] und daher auch die Vertreibung von Terroristen aus dessen Land. Syrien ist heute aber ein großes Problem und die führenden Mächte müssen eine gemeinsame Grundlage finden, um dieses zu lösen. Wir werden weitermachen, ein Teil der internationalen Anstrengung zur Etablierung von Frieden in der Region zu sein.“

Bahrain ist eine sunnitische Golfmonarchie mit einer schiitisch geprägten Mehrheitsbevölkerung von rund 60 Prozent. Die el-Chalifa-Monarchie fürchtet, dass es bei einer Involvierung in Syrien Vergeltungsmaßnahmen aus dem Iran erwarten könnte, die ähnliche Destabilisierungs- und Aufwiegelungsmaßnahmen beinhalten, die beispielsweise Riad bereits heute in Syrien anwendet.

Ahmet Asiri, Top-Berater des saudischen Verteidigungsministers, sagte am Donnerstag, dass Saudi-Arabien bereit sei, Truppen als Teil einer Bodenoffensive nach Syrien zu entsenden. Er schlug vor, dass diese Erwägung beim kommenden NATO-Treffen in Brüssel nächste Woche erörtert werden könnte. Der US-amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter bestätigte, dass bei dem NATO-Treffen die Initiative Saudi-Arabiens diskutiert werde.

Anonyme saudische Quellen zitierend, berichtete die britische Tageszeitung „The Guardian“, Riad sei bereit, bis zu 150.000 Soldaten in den Kampf gegen den IS in Syrien zu entsenden. Der Veröffentlichung zufolge könnte die Operation in erster Linie in Koordination mit dem NATO-Staat Türkei erfolgen, der türkischen Medienberichten zufolge bereits mehrere tausend Soldaten im Grenzgebiet zwischen den Städten Azez und Dscharablus zusammengezogen habe.

CNN berichtete, dass Saudi-Arabien und seine Golf-Alliierten 150.000 Truppen für Syrien vorbereiten würden. Zahlreiche Analysten hingegen sprechen von einer logistischen Unmöglichkeit, abgesehen von den möglichen militärischen Konsequenzen, die vor allem vonseiten Irans drohen könnten. Laut dem Analysten Aaron Lund sei die saudische Armee zu tief im Jemen gegen die pro-iranischen Huthis involviert, um nun auch noch eine zweite Bodenoperation in Syrien vorbereiten zu können.

Dennoch dürften die Aussagen aus Riad nicht als völlig substanzlos abgetan werden. Im Zuge des erfolgreichen Abschlusses des Atomdeals der Weltmächte mit dem Iran und der russischen Luftkampagne in Syrien, die garantiert, dass Baschar al-Assad, ein enger Verbündeter Teherans, an der Macht bleibt, scheint sich Saudi-Arabien regional in die Enge gedrängt zu fühlen. Riad dürfte versucht sein, die al-Assad-Regierung in Damaskus unter dem Eindruck einer Machtexpansion Irans so stark wie nur möglich, auch unter dem Deckmantel eines Kampfes gegen den IS, zu schwächen. Das geht derzeit nur über die Stärkung der mehrheitlich sunnitisch geprägten Opposition.

In der Zwischenzeit nimmt die russische Luftwaffe jedoch diese Islamisten konzentriert in den Provinzen Latakia, Idlib und insbesondere Aleppo, die allesamt im Grenzgebiet zur Türkei liegen, ins Visier. Im Januar vermochte es die syrische Armee gemeinsam mit Schiiten-Milizen aus dem Iran, Irak und dem Libanon, fast die komplette Provinz Latakia zurückzuerobern. Auch in Südsyrien wurden die strategisch wichtigen Städte Scheich Miskin und Osman wieder eingenommen. Vergangene Woche wurden die Schiiten-Dörfer Nubel und Zahra in Nordwest-Aleppo nach einer vierjährigen Blockade durch Rebellen von Regierungstruppen freigekämpft.

 

 

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