Britische Militärübung im Nahen Osten als Simulation eines Krieges gegen Russland

Britische Soldaten bei der Militärübung "Wind Spring 15" im April 2015 in Smardan, Rumänien.
Britische Soldaten bei der Militärübung "Wind Spring 15" im April 2015 in Smardan, Rumänien.
Die britische Armee wird 1.600 Soldaten nach Jordanien entsenden. Dort sollen sie an militärischen Übungen teilnehmen, die als Probelauf für eine 'Konfrontation' der NATO-Mitgliedstaaten mit Russland angesehen werden. Die Britische Armee dementiert den Zusammenhang mit einem möglichen Angriff der sunnitischen Allianz auf Syrien. Der Pentagon kündigt zudem eine drastische Erhöhung der Mittel gegen Russland an.

Quellen aus der britischen Armee sagten dem britischen Daily Telegraph, dass die Übung, bei der zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt eine Invasion in den Irak simuliert wird, kein Vorspiel zur Entsendung von Bodentruppen zur Bekämpfung des Islamischen Staates (Daesh) auf syrischem Staatsgebiet ist. Vielmehr solle die Übung 'Shamal Sturm' eine Routine zur Abwehr einer potenziellen russischen Invasion in der Ukraine oder in einem anderen osteuropäischen Land angesehen werden.

"Dies ist keine Anti-IS-Übung. Wenn überhaupt, ist das vielmehr eine Vorbereitung für uns, uns den USA in der Ukraine anzuschließen, als in Syrien", wird eine Quelle vom Daily Telegraph zitiert. Sie fügte hinzu, dass "Dies ist nicht die Art von Truppen, die Sie erwarten würden, um in Aleppo einzurollen, oder um ein paar Dschihadisten auszuheben."

Die paramilitärische Freiwilligenmiliz „Estonian Defence League

Ziel der Übung ist es zu zeigen, dass die britische Armee trotz der Einsparungen beim Verteidigungsbudget immer noch in der Lage ist, 30.000 Truppen und militärisches Gerät in jeglichem globalen Krisengebieten bereitzustellen.

Im Januar wurden rund 80 Militärfahrzeuge aus dem Vereinigten Königreich zum jordanischen Hafen von Aqaba verschickt. Insgesamt werden mehr als 300 Fahrzeuge bei der Übung verwendet. Sie findet in einer Wüstengegend im Südwesten des Landes statt. Truppen aus drei britischen Divisionen werden daran teilnehmen.

Die Operation wird "Theater-Eingangs-Taktiken" simulieren. Dabei sollen auch ein Feldlazarett eingerichtet und der Umgang mit chemischen und biologischen Waffen geübt werden. Es handelt sich um die größte Übung seit dem Jahr 2001, als die britische Armee eine groß angelegte Operation in Oman abgehalten hatte.

Ein Sprecher der britischen Armee sagte dem Daily Telegraph:

"Die Übung testet wichtige Konzepte wie die Luft-Bereitstellung von einem sehr schnell aufzubauenden Feldlazarett und die neuesten Möglichkeiten, Bomben zu entschärfen und zu suchen. Sie werden es uns ermöglichen, in der Abwehr von Gefahren für das Vereinigte Königreich und dessen Interessen agiler zu werden."

Die russische Regierung hat dem Westen schon des öfteren Panikmache vorgeworfen. Im Juli sagte Präsident Wladimir Putin der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera, dass ein potentieller russischer Angriff auf die NATO "wahnsinnig" wäre, und er fügte hinzu, dass der Verteidigungshaushalt des Bündnisses 10mal höher als das von Moskau ist.

"Ich denke, dass sich nur ein Verrückter, auch nur im Traum vorstellen könnte, dass Russland die NATO plötzlich angreift. Ich denke, dass einige Länder einfach die Ängste der Menschen in Bezug auf Russland nutzen. Sie wollen einfach nur die Rolle der Front-Länder spielen, die einige zusätzliche militärische, wirtschaftliche, finanzielle oder einige andere Hilfen erhalten sollten," sagte Putin.

Putin erklärte, dass die USA wahrscheinlich versuchen, eine hypothetische äußere Bedrohung aufrechtzuerhalten, um die Führung der NATO-Gemeinschaft zu behalten.

"Neue #NATO-Einheiten in Osteuropa legen einen höheren Gang ein, um Übungen & militärische Planung zu unterstützen."

Am 2. Februar kündigte das Pentagon an, man wolle das Budget für Europa von 789 Millionen US-Dollar auf 3,4 Milliarden Dollar im Jahr 2017 vervierfachen, um die "russische Aggression" abzuschrecken.

Diese Budget-Erhöhung soll es ermöglichen, dass mehr US-Streitkräfte in Europa stationiert werden und diese an mehr Ausbildungs- und Übungsroutinen mit lokalen Truppen in Mittel- und Osteuropa teilnehmen können.

"Während wir keinen Konflikt jeglicher Art mit keiner dieser Nationen wünschen – und nur um klar zu sein, obwohl sie einige ähnliche Herausforderungen bei der Verteidigung darstellen, sind sie sehr unterschiedliche Nationen und Situationen - können wir auch nicht die Augen davor verschließen, welche Aktionen sie scheinbar verfolgen möchten", sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

Die NATO hat ihre Militärpräsenz an Russlands Grenzen, auch im Baltikum und Osteuropa, seit Russlands Wiedervereinigung mit der Krim 2014 und dem Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine deutlich erhöht. Das Bündnis wirft Moskau die Unterstützung der ukrainischen Rebellen vor, die den bewaffneten Staatsstreich in Kiew abgelehnt hatten.

Ende August und September 2015 führte die NATO die größten Flugübungen in Europa seit dem Ende des Kalten Krieges durch. Etwa 5.000 Soldaten aus 11 NATO-Staaten nahmen an den "gleichzeitigen multinationalen luftgestützten Operationen" teil.

Der Nationale Sicherheitschef Russlands, Nikolai Patruschew, beschuldigt Washington, zu versuchen, Russland zu schwächen und schloss nicht aus, dass die USA das Land "zerbrechen" wollen.

"Die US-Führung hat sich ein Ziel gesetzt – die Weltherrschaft. Deshalb brauchen sie kein starkes Russland. Im Gegenteil, sie wollen unser Land so weit wie möglich schwächen", so Patruschew im Januar.

Er fügte hinzu, dass die NATO-Erweiterung in Richtung Russlands Grenzen Moskaus nationale Sicherheit bedroht.

"Um die Ziele der NATO zu verstehen, muss man erkennen, dass die NATO-Führung strikt zu der US-Agenda steht. Washington nutzt gekonnt die Anti-russische Haltung seiner östlichen Mitglieder aus, um 'übermäßig unabhängige' Mitgliedern der Allianz (Frankreich, Deutschland und Italien) zu neutralisieren."

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