Erdoğan stellt USA vor Entscheidung: "Wer ist euer Partner, ich oder die kurdischen Terroristen?"

Erdoğan stellt USA vor Entscheidung: "Wer ist euer Partner, ich oder die kurdischen Terroristen?"
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die USA dazu aufgefordert, eine Grundsatzentscheidung in der Wahl ihrer Partner und Verbündeten im Syrienkonflikt zu treffen. Das Auftauchen von Bildern in sozialen Medien, das den Sondergesandten des US-Präsidenten Barack Obama, Brett McGurk, zusammen mit kurdischen Kämpfern in Kobane zeigte, hat in der Türkei für heftige Kritik gesorgt.

Unter den Verteidigern von Kobane, die der Obama-Vertraute aus Anlass des einjährigen Jubiläums der erfolgreichen Verteidigung der Stadt gegen die Belagerung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) besucht hatte, waren auch Vertreter der PKK anwesend.

So teilte beispielsweise Polat Can, Sprecher und Mitbegründer der „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG), über seinen Twitter-Account ein Bild, auf dem er McGurk eine Auszeichnung überreicht. Umgehend verbreitete sich das nicht datierte, alte Bild über zahlreiche Accounts, das aus einer Zeit stammt, als Can noch PKK-Kommandant war.

Bildquelle: Polat Can
Bildquelle: Polat Can

Am Sonntag hat Erdoğan nun die USA dazu aufgefordert, sich zu entscheiden, ob die Türkei ihr Partner sein soll oder die kurdische „Demokratische Unionspartei“ (PYD). Deren militärischer Flügel, die YPG, waren an der Verteidigung Kobanes in den Monaten der Belagerung beteiligt. Die Türkei betrachtet die PYD und die YPG auf Grund ihrer personellen Verflechtung und ideologischen Nähe zur PKK ebenfalls als terroristische Organisationen, in den USA hingegen ist lediglich die PKK als solche eingestuft.

Erdoğan erklärte in Ankara gegenüber den USA nun:

„Wie können wir Euch vertrauen? Bin ich euer Partner oder sind es die Terroristen in Kobane?“

In Washington betonte unterdessen ein Sprecher des Außenministeriums, wonach die bereits seit langer Zeit von den USA verfochtene Politik weiter betrieben würde, welche die PKK  als „terroristische Organisation“ einordnet.

„Wir fordern die PKK weiterhin auf, umgehend ihre Kampagne der Gewalt zu beenden“, erklärte Sprecher Noel Clay im Namen des US-Außenministeriums und betonte:

Twitter/ Peto Lucem

„Eine Wiederaufnahme des politischen Prozesses bietet am meisten Hoffnung auf besseren Schutz der Bürgerrechte, Sicherheit und Wohlstand für alle Bürger der Türkei.“

Die PYD spekuliert im Zusammenhang mit dem zunehmenden Zurückdrängen des IS, aber auch der so genannten „moderaten“ sunnitischen Opposition im Norden Syriens infolge des Vorrückens der syrischen Armee, unterstützt von russischen Lufteinsätzen, auf eine Gelegenheit, um die „Rojava“ genannten, hauptsächlich von Kurden bewohnten Provinzen entlang der türkischen Grenze, vereinigen zu können.

Für die Türkei stellt dieser Versuch eine „rote Linie“ dar, deren Überschreiten dazu führen könnte, dass Ankara eine eigene Militärintervention im Norden Syriens realisiert.