Saudi-Arabien erklärt sich bereit für Bodeninvasion in Syrien - USA unterstützen Vorhaben

Saudische Artillerieeinheit beim Kampfeinsatz im Jemen - Bald auch in Syrien?
Saudische Artillerieeinheit beim Kampfeinsatz im Jemen - Bald auch in Syrien?
Saudi-Arabien hat seine Bereitschaft signalisiert, Bodentruppen nach Syrien zu entsenden, wenn die US-geführte Anti-IS-Koalition solche nachfragen sollte. Das teilte ein Berater des saudischen Verteidigungsministeriums mit. Riad gehört zu den größten regionalen Gegnern der al-Assad-Regierung in Damaskus. US-Verteidigungsminister Carter reagierte auf die saudische Initiative mit den Worten: "Diese Art von Neuigkeit ist uns sehr willkommen".

„Das Königreich ist bereit, an jedweden Bodenoperationen teilzunehmen, auf die sich die Koalition [gegen den Islamischen Staat] in Syrien einigen kann“, teilte Brigade-General Ahmed Asseri, der Pressesprecher der von Saudi-Arabien angeführten arabischen Koalitionstruppen im Jemen, dem pro-saudischen Nachrichtenportal al-Arabiya mit.

Laut Asseri sei Saudi-Arabien ein aktives Mitglied der US-geführten Anti-IS-Koalition. Kampfflugzeuge der Golfmonarchie hätten seit Gründung der Koalition mehr als 190 Flugmissionen gegen Ziele des „Islamischen Staates“ in Syrien geflogen.

„Wenn es zu einem Konsens in der Führung der Koalition kommen sollte, ist das Königreich bereit, an diesen Anstrengungen zu partizipieren, weil wir glauben, dass Luftoperationen alleine keine ideale Lösung sind und es eine Mischung aus Boden- und Luftoperationen geben müsste“, betonte der Pressesprecher.

Auf Anfrage nach einem Kommentar zu den saudischen Vorschlägen sagte der Pressesprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, dass er von diesen Aussagen noch nicht mitbekommen hätte, die Koalition hingegen unterstütze ihre Partner, die mehr im Kampf gegen den IS tun wollen.

„Ich würde das nicht gerne kommentieren wollen, ehe wir eine Chance bekommen haben, um diese Aussagen zu bewerten“, sagte Kirby bei einer Pressekonferenz.

US-Verteidigungsminister Ash Carter hingegen nahm die Offerte der Saudis bereitwilliger an und teilte mit, dass er Weiteres mit seinem saudischen Amtskollegen bei einem Treffen in Brüssel nächste Woche diskutieren wolle. Auf Anfrage von Reportern sagte er während seines Besuchs auf der US-Luftwaffenbasis Nellis, Nevada:

„Diese Art von Neuigkeit ist uns sehr willkommen. Ich freue mich darauf, diese Angelegenheit nächste Woche mit dem saudischen Verteidigungsminister zu besprechen – das und andere Arten möglicher Beiträge vonseiten Saudi Arabiens.“

Carter ergänzte mit Blick auf Riads Ambitionen, den Anti-IS-Kampf regional anführen zu wollen:

„Ich sollte erwähnen, dass die Saudis darüber hinaus ihre Bereitschaft signalisiert haben, die Führung unter einigen muslimischen Staaten zu übernehmen.“

Er bemerkte, dass auch die Niederlande vergangene Woche versprochen hätten, Anti-IS-Operationen in Syrien neben bereits existierenden Hilfsprogrammen im Irak zu unterstützen.

Türkische Panzer an der türkisch-syrischen Grenze

Laut Einschätzung des russischen Verteidigungsministeriums mehren sich zudem die Hinweise, dass die Türkei in nächster Zeit eine Militärinvasion in Syrien plane. Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, brachte auch den vor zwei Tagen von der Türkei verweigerten Überflug eines russischen Beobachtungsfluges ins Gespräch und betonte:

„Falls Ankara glaubt, mit der Verweigerung eines Überwachungsfluges in der Lage zu sein, irgendetwas zu verstecken, dann sind sie naiv.“

Am Donnerstag forderte der türkische Präsident die Einstellung russischer Luftschläge in Syrien.

Nächste Woche findet in Brüssel ein Treffen von 26 Verteidigungsministern der Anti-IS-Koalition statt. Dort möchte Carter insbesondere ein weiteres Vorgehen gegen die Terrormiliz in Syrien diskutieren.

Ob sich saudische Truppen lediglich auf den Kampf gegen den IS konzentrieren würden, bleibt fraglich. Zwar betrachtet Saudi-Arabien den IS und seine Ideologie, die die Golfmonarchie als Taghut-Staat (Sinnbild des bösen korrupten Systems) denunziert, als Gefahr für den eigenen Machterhalt, doch die al-Assad-Regierung gilt als Vasall Irans, des schiitischen Erzfeindes Riads. Für Saudi-Arabien, das inzwischen enge Bande mit Katar und der Türkei über Syrien geschlossen hat, würde eine Bodenoffensive gegen den IS mit einer Stärkung eigener Interessen einhergehen. In Syrien unterstützt Riad zahlreiche Rebellen-Formationen, darunter die in und rund um Damaskus operierende Organisation Dschaisch il-Islam und Ahrar al-Scham, die in Aleppo, Idlib und Latakia kämpft.

Die US-geführte Koalition gegen den IS fliegt seit Mitte 2014 Luftangriffe gegen Stellungen des IS, bislang, wie die Verbreitung der Terrormiliz unterstreicht, mit mäßigem Erfolg. US-Präsident Obama betonte von Beginn an, dass US-Truppen syrisches Territorien nicht betreten werden. Diese Aussagen des US-Präsidenten sind allerdings in dieser Form nicht ganz zutreffend. Berichte bestätigten, dass die USA zahlreiche Spezialeinheiten in Nordsyrien unterhalten. Auch bauen die US-Amerikaner an einer Luftwaffenbasis in der Nähe der von Kurden-Milizen gehaltenen Stadt Hasaka.