Syrische Armee schneidet Rebellen von strategischer Versorgungslinie in die Türkei ab

Twitter/ Peto Lucem
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Regierungstruppen in Nord-Aleppo haben erfolgreich die zumeist dschihadistisch geprägten Rebellen von ihrer überlebenswichtigen Versorgungsroute in die Türkei abgeschnitten. Militäranalysten sprechen von einem entscheidenden Durchbruch. An einem anderen Frontverlauf in Selma ist ein russischer Militärberater getötet worden, als die syrische Militäreinheit, die er begleitete, unter Mörserfeuer gelangte. Er ist damit offiziell der dritte russische Soldat, der in Syrien sein Leben ließ.

Der Berater, dessen Name und Militärrang vom russischen Verteidigungsministerium bisher nicht bekannt gegeben wurde, soll am vergangenen Montag getötet worden sein, teilte Moskau in einer Stellungnahme mit. Seine Aufgabe war es, syrische Einheiten im Umgang mit fortgeschrittenen Waffensystemen auszubilden, die Russland im Rahmen des Anti-Terrorkampfes nach Syrien ausliefert.

Der Todesfall markiert offiziell den dritten in Russlands Kampagne in Syrien, welche Ende September vergangenen Jahres begann. Im November 2015 wurden ein SU-24 Kampfpilot sowie ein russischer Marineinfanterist getötet, nachdem die türkische Luftwaffe einen russischen Bomber vom Typ Su-24, der laut Ankara den türkischen Luftraum verletzt habe, abgeschossen hatte.

Einer der zwei Kampfpiloten der Su-24 wurde von turkmenischen Rebellen, die in Latakia operieren, getötet, nachdem er sich zuvor noch mit einem Fallschirm aus der explodierenden Su-24 retten konnte. Ein weiterer Marineinfanterist starb Stunden später bei einer Rettungsaktion in den Turkmenen-Bergen, wo Turkmenen nach dem zweiten Kampfpiloten gesucht hatten. Die turkmenischen Rebellen schossen mittels einer Panzerabwehrlenkwaffe einen gelandeten russischen Helikopter ab, in dem sich noch ein Marineinfanterist aufhielt. Die beiden russischen Soldaten, Oleg Peskow und Alexander Pozinisch, wurden posthum in Russland für ihren Dienst am Vaterland geehrt.

Der bislang nicht namentlich bekannte Militärberater wurde in der Stadt Selma getötet, die in der Latakia Provinz liegt und mehrheitlich von Turkmenen besiedelt wird. Ende Januar eroberte die syrische Armee mithilfe der russischen Luftwaffe diese strategisch wichtige Stadt, die die Turkmenen- und Kurden-Berge (auf Arabisch: Dschabal al-Turkman und Dschabal al-Akrad) miteinander verbindet. Wenige Tage später wurde weiter westlich die Stadt Rabia eingenommen. Damit wurde praktisch der Widerstand in Latakia endgültig gebrochen. In den bewaldeten Gebieten weiter östlich liefern sich Turkmenen noch immer einen Guerilla-Krieg, doch der Weg über die wichtige M4-Autobahn, die nach Idlib führt, ist nunmehr frei. Es bleibt abzuwarten, wann die syrische Armee eine Großoffensive auf die „Dschaisch il-Fatah“-Hochburg in Dschisr al-Schugur startet. Immer wieder tauchen Berichte von russischen Luftangriffen gegen die Stadt auf.

Eine Karte des Frontverlaufs in der nordwestlichen Provinz Latakia vom 24. Januar 2016:

Twitter/ Peto Lucem
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Andere Medien berichteten unter Berufung auf unbestätigte Meldungen oppositioneller Quellen vom Mittwoch indes, dass bei einem Angriff auf die syrische Armee 15 Soldaten, darunter angeblich vier russische Generäle, gestorben wären.

Das „World Bulletin“ zitierte anonyme Quellen aus Syrien, die behaupteten, dass sich die syrischen und russischen Militäroffiziellen in den Turkmenen-Bergen versammelt hätten, um die jüngsten militärischen Entwicklungen zu diskutieren.

Zeitgleich sind am Montag syrische Truppen mehrere Kilometer nördlich von Aleppo vorgerückt. Die Regierungstruppen in Aleppo richteten eine geografische Verbindung mit den schiitischen Milizen in Zehra ein. Die Versorgungsroute der Rebellen, die im Stadtkern der Millionenstadt Aleppo eingeschlossen sind, in die Türkei wurde damit unterbrochen. Die Regierung in Damaskus hat damit ihr primäres militärisches Ziel, die wohl wichtigste Stadt Syriens von der Türkei abzutrennen, erreicht.

Laut dem renommierten Nahost-Analysten Aaron Stein werde die Türkei ihre Route nunmehr aus Idlib und über die Grenzstadt Bab el-Hawa organisieren müssen.

Der Verlust der wichtigsten Versorgungsroute der Türkei für die mehrheitlich turkmenischen Milizen habe große Implikationen auf die militärische Situation in Aleppo. Zudem sei die türkische Luftwaffe unter dem Eindruck der Verwerfungen mit Russland nach dem Abschuss des russischen Bombers „zumindest gegenwärtig abgeschreckt“ und nicht bereit, einzugreifen. Russische Kampfjets operieren seit Wochen im Norden von Azez. Auch zu Boden ist die Türkei nicht fähig, das Verhältnis "zugunsten eigener Rebellen" zu wenden. Die türkische Panzerhaubitze T-155 Fırtına hat eine effektive Reichweite von etwas mehr als 40 Kilometern mit ERFB/BB-Munition (Base Bleed). Er prognostizierte, dass die Mare-Linie unter diesen Umständen von den Rebellen, die einen Drei-Fronten-Krieg gegen die Armee al-Assads, den selbsternannten „Islamischen Staat“ und die Kurden-Miliz YPG nicht lange aufrecht erhalten werden könne.

 

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