Israelischer Verteidigungsminister: "Ich ziehe den IS vor - Iran weit größere Gefahr für uns"

Israelischer Verteidigungsminister: "Ich ziehe den IS vor - Iran weit größere Gefahr für uns"
Der israelische Verteidigungsminister Mosche Yaalon hat verkündet, dass die „iranische Terror-Infrastruktur“ eine größere Gefahr darstellen würde als der „Islamische Staat“. Im Kampf gegen den Iran scheint Israel daher auch bereit zu sein, eher fragwürdige Allianzen einzugehen.

Yaalon nahm diesen Vergleich im Rahmen einer Konferenz der israelischen Denkfabrik Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv am Dienstag auf. Der israelische Verteidigungsminister betonte, dass der „Iran unser Hauptfeind ist“ und wenn er zwischen Iran und dem selbsternannten „Islamischen Staat“ (IS) im Rahmen eines offenen Konflikts entscheiden müsste, würde er „den IS präferieren“.

Die Logik erscheint zunächst simpel, da der IS letztendlich besiegt werden wird, während der Iran auch im Fall einer Annäherung an den Westen eine Gefahr für Israel bleiben könnte.

„Teheran ist ein Schurkenregime mit Motiven, die auf Ambitionen nach regionaler Hegemonie hinweisen. Die Hisbollah ist Irans Stellvertreter, mit der Fähigkeit, Kriege zu erklären. Irans Terrorinfrastruktur findet sich auf fünf Kontinenten, in Asien, Afrika, Europa und in Süd- wie Nord-Amerika wieder“, behauptete Yaalon. Damit widersprach er Vermutungen hochrangiger IDF-Kader, die nahe legten, dass das Atomabkommen, welches im Juli 2015 beschlossen wurde, neuen politischen Möglichkeiten auf friedlicher Basis den Weg bahnen könnte.

Fakt ist, dass Israel in der emotional aufgeheizten Atmosphäre und angesichts der teils auch bewusst suggerierten Gefahr, die vom Iran ausgehen soll, mit dem Gedanken spielt, fragwürdige regionale Allianzen einzugehen.

Während eine Annäherung zum NATO-Staat Türkei noch als verständlich erscheinen mag, gibt es Hinweise darauf, dass Israel auch mit den Golfstaaten verhandelt, allen voran Saudi Arabien, welches Rebellen und Islamisten in Syrien unterstützt sowie im Jemen einen Interventionskrieg gegen die pro-iranischen Huthis führt. In der Vergangenheit berichteten bereits Medien, dass das streng islamisch regierte Saudi Arabien der israelischen Luftwaffe für etwaige Luftschläge gegen den Iran saudischen Luftraum zum Überflug zur Verfügung stellt. Bemerkenswert ist, dass die Golfstaaten ihrer politischen Überzeugung entgegen in Sachen Iran zu radikalen Reaktionen bereit sind und auch nicht zögern, ihre Glaubensbrüder in den palästinensischen Gebieten, die vom militärischen Militär besetzt sind, im Gegenzug fallen zu lassen.

Entgegen den Annahmen innerhalb der IDF ebnet die politische Führung Israels den Weg für eine künftig möglicherweise noch heftigere Konfrontation. Während sich sunnitische Staaten im Nahen Osten gegen den schiitisch regierten Iran aus Enttäuschung über den traditionellen Verbündeten Washington in Eigenregie zusammenschließen, wird Teheran in den kommenden Jahren der fallenden Sanktionen wegen an wirtschaftlichem Ansehen gewinnen und im Zweifel eigene Netzwerke in der Region gegen seine Widersacher nachhaltig stärken.

Auch Israel, das sich den Iran zur Hauptzielscheibe im „Kampf ums Überleben“ erkor, dürfte sich angesichts der unmittelbaren Nähe der Hisbollah im Libanon und einem erbittert ausgefochtenem Bürgerkrieg in Syrien dem Sog aus Riad und Ankara lange nicht entziehen können. Eine Blockverhärtung entlang konfessioneller Linien dürfte zu noch mehr innerstaatlichen Problemen führen, wie sie heute bereits im Jemen, Syrien oder dem Irak zu beobachten sind.

Die militärischen sowie geheimdienstlichen Fähigkeiten Israels, die erwiesenermaßen nicht unerheblich sind, dürften im Kampf um Einfluss und Geltungshoheit im Nahen Osten zusätzlich eskalierend wirken und neues Sprengpotenzial mit sich bringen.

Das „historische Abkommen“, wie es US-Präsident Obama vergangenes Jahr bezeichnete, ist hingegen das diplomatische Ergebnis eines mehr als ein Jahrzehnt alten diplomatischen Tauziehens. Im Ergebnis kam dabei heraus, dass Irans nukleare Ambitionen radikal beschnitten wurden. Im Gegenzug versprachen die Weltmächte, das internationale Sanktionsregime gegen Iran und vor allem dessen Ölindustrie aufzuheben.

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Iran vereinbarte ein 15-jähriges Moratorium für die Anreicherung von Uran. In diesem Zeitraum darf Teheran lediglich Uran in der Natanz-Anlage anreichern, während die Fordo-Anlage künftig eingestellt wird. Der Arak-Reaktor werde dem Deal zufolge seine Plutonium-Herstellung einstellen.

Trotz des offensichtlichen Erfolgs diplomatischer Verhandlungen behauptete Yaalon, dass das Atom-Abkommen „die Uhr von drei auf ein Jahr zurückstellte“ und „sollte sich Iran wirtschaftlich abgesichert fühlen, dann kann er wieder ausbrechen und eine Bombe noch schneller bauen“.

Iran entwickelt sich zu einem Schlüsselakteur in der Region, da Teheran die syrische Regierung al-Assads mit Erfolg gegen einen großen Aufstand verteidige, so Yaalon. Dennoch sei das Land die Hauptquelle für Instabilität in Afghanistan, Irak, Syrien, dem Jemen, Bahrain und dem Gazastreifen.

Russlands bedeutende Rolle in Syrien anerkennend, lobte der Verteidigungsminister auch die von den USA angeführten Erfolge gegen den IS, die dazu geführt hätten, dass dieser „ernsthafte Niederlagen im Irak und Syrien“ erlitten hätte.

„Wir glauben, der IS wird letztendlich besiegt werden, nach den Schlägen, unter anderem gegen seine Ölreserven, die er in letzter Zeit erlitt“, bemerkte Yaalon.

Einen endgültigen Sieg über den IS werde es allerdings nur geben, wenn die Weltmächte eine Bodenoffensive unterstützten, die sich auf die Stärkung „von lokalen Kräften wie den Kurden“ und weiteren fokussierten, schloss der israelische Minister.