In Reaktion auf NATO-Pläne: Russland verstärkt Militärpräsenz in der Schwarzmeerregion

In Reaktion auf NATO-Pläne: Russland verstärkt Militärpräsenz in der Schwarzmeerregion
Die russische Armee und Marine wird mit zusätzlichen Stationierungen von Truppen und modernem Kriegsgerät in ihrer südwestlichen Peripherie auf NATO-Pläne reagieren, die darauf abzielen, die westliche Präsenz im Schwarzen Meer zu intensivieren. Das berichteten russische Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau.

Das russische Militär plant zudem, die entsprechende militärische Infrastruktur, die am Schwarzen Meer stationiert wird, beim Militärmanöver „Kaukasus-2016“ im kommenden September zu testen. Das gab eine namentlich nicht genannte Quelle laut der russischen Tageszeitung „Nowaja Gazeta“ an. In die Übungen sollen alle Truppenteile vom Schwarzen Meer bis zu jenen, die in den Bergen des Kaukasus stationiert sind, involviert sein.

Die Tageszeitung legt nahe, dass die russischen Pläne im Zusammenhang mit den angekündigten NATO-Maßnahmen zu sehen seien, die vorsehen, die westliche Präsenz insbesondere im Schwarzen Meer zu erhöhen und die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation herauszufordern. „Nowaja Gazeta“ beruft sich auf Informationen, deren Quellen auf das russische Verteidigungsministerium verweisen.

Der russische Marinekapitän Oleg Schwedkow erklärte gegenüber der russischen Zeitung, dass die kombinierte Stärke von NATO-Armeen und ihren Verbündeten im Schwarzen Meer die der russischen Schwarzmeerflotte schließlich überflügeln würde. Durch die Stationierung von zusätzlichen Kampfflugzeugen und Raketen würde der neuen Gefahr wieder begegnet werden können.

Der Pressesprecher der Schwarzmeerflotte, Kapitän Wjatscheslaw Truchatschow, sagte zuvor Reportern, dass allein 2015 nicht weniger als 15 russische Kampfschiffe in die Schwarzmeer-Region verlegt worden wären. Darunter seien zwei Raketenschiffe und zwei U-Boote mit den modernen Marschflugkörpern Kalibr-NK, die eine effektive Reichweite von 3000 Kilometer haben. Zuletzt wurden diese Raketen im Kampf gegen den selbsternannten „Islamischen Staat” und andere Milizen in Syrien verwendet.

Der Pressedienst des Süddistrikts der russischen Armee fügte hinzu, dass jene Einheiten, die im Kaukasus und der Rostow-Region stationiert sind, mit Waffensystemen und Kampfflugzeugen ausgerüstet seien, die es ermöglichen, die gesamte Schwarzmeer-Region zu kontrollieren. Zudem verfüge der Distrikt über zwei Brigaden, die mit ballistischen Raketen des Typs Iskander-M ausgerüstet seien. Diese hätten eine effektive Reichweite von 500 Kilometern und könnten jedes bekannte Raketenabwehrsystem durchbrechen.

Erst im August 2015 hielt die Ukraine gemeinsam mit NATO-Truppen im Schwarzen Meer ein Militärmanöver ab, das nicht weniger als 2.500 Soldaten und 150 Militärgeräte von Kampfschiffen und Helikoptern zu gepanzerten Fahrzeugen umfasste. Russland seinerseits kritisierte die „Kriegsspiele“ unweit seiner eigenen Grenzen aufs Schärfste. Zudem markierten US-amerikanische Soldaten, die in der Ukraine operieren, einen flagranten Bruch der Minsker Abkommen, die dazu beitragen sollen, den Konflikt im Osten der Ukraine friedlich beizulegen.

Im Schwarzen Meer unterhält die russische Armee sechs Angriffs-U-Boote und 45 Kampfschiffe verschiedenster Klassen, darunter einen Lenkflugkörperkreuzer, drei Fregatten und sechs mit Raketensystemen bestückte Korvetten. Spätestens seit dem Abschuss des russischen Bombers vom Typ Su-24 am 24. November im türkisch-syrischen Grenzgebiet könnte sich die Türkei zum neuesten regionalen Widersacher Russlands entwickeln und als NATO-Staat russische Stellungen im Schwarzen Meer zusätzlich in Frage stellen. Die Türkei unterhält 13 U-Boote, 16 Fregatten und acht Korvetten.