Istanbul-Selbstmordanschlag: 10 Tote - Türkische Behörden vermuten syrischen IS-Kämpfer als Täter

Istanbul-Selbstmordanschlag: 10 Tote - Türkische Behörden vermuten syrischen IS-Kämpfer als Täter
Ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter hat sich laut lokalen Medien am Vormittag im Istanbuler Touristenviertel in die Luft gesprengt. Bei dem Zwischenfall unweit der historischen Sultanahmet-Moschee wurden bislang zehn Tote und zahlreiche Verletzte dokumentiert. Laut türkischen Medien-und Polizei-Berichten sollen neun von zehn der Todesopfer deutsche Staatsbürger sein.

Auf dem Sultanahmet-Platz ganz in der Nähe der dortigen Tram-Station in der türkischen Metropole Istanbul starben nicht weniger als zehn Menschen. Weitere 15 Menschen wurden verletzt, meldete die staatlich-türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Um 10:15 Uhr lokaler Zeit hatte sich zuvor eine schwere Explosion ereignet, die das türkische Staatsfernsehen auf einen vermutlichen Selbstmordanschlag zurückführt.

Laut der Nachrichtenagentur Doğan wurden Verletzte inzwischen ins Krankenhaus gebracht. Polizeikräfte sicherten den Platz ab. Die Spurensicherung ermittelt bereits, schreibt die Zeitung Hürriyet.

Erdem Köroğlu, der in einem Büro unweit des Ortes des Geschehens arbeitet, erklärte im Fernsehsender NTV, dass zahlreiche Menschen nach der Explosion auf dem Boden lagen. Er sagte:

„Es war schwer zu sagen, wer lebte und wer bereits tot war. Häuser in der Umgebung wackelten wegen der Wucht der Explosion.“

Ein Polizeiauto kippte durch die Wucht der Explosion auf die Seite:

„Ich begann, wegzurennen mit meiner Tochter. Wir gingen in ein Haus in der Nähe und versteckten uns dort für eine halbe Stunde. Ich war wirklich verängstigt", sagte eine deutsche Touristin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Unterdessen berichten Medien, dass Innenminister Efkan Ala zu einer Krisensitzung mit dem türkischen Premierminister Ahmet Davutoğlu einberufen wurde. Ankara verhängte eine allgemeine Nachrichtensperre, die verhindern soll, dass weiter Panik ausbricht.

Ein türkischer Polizist sagte, man treffe „Vorbereitungen für eine mögliche zweite Explosion", berichtet RT International.

Bislang unbestätigten Berichten zufolge könnten sich auch deutsche Touristen unter den Opfern befinden.

Die Türkei findet sich zunehmend in einer feindlichen Umgebung wieder. Während der türkische Staat im Südosten der Republik und im Irak einen Krieg gegen die „Kurdische Arbeiterpartei“, kurz PKK, führt, wütet seit mehr als fünf Jahren der syrische Bürgerkrieg in unmittelbarer Nachbarschaft.

Da Ankara in den vergangenen Monaten zunehmend Organisationsstrukturen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in der Türkei bekämpft hat und syrische Ableger der Türkei in der vergangenen Woche eine Großoffensive auf Stellungen des IS in Nord-Aleppo starteten, ist nicht auszuschließen, dass sich der „Islamische Staat“ am Kurs Ankaras rächen wollte. Zuletzt forderten am 10. Oktober 2015 in der türkischen Hauptstadt zwei Selbstmordattentäter mehr als 100 Tote und 500 Verletzte.

Auch dieser Anschlag wurde angeblich vom IS verübt. Wenige Tage später drohte die Terrormiliz in einer Videobotschaft auf Türkisch mit weiteren Übergriffen.

Allerdings hatte es auch vonseiten linksextremer Gruppierungen wie der verbotenen „Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front“ (DHKP/C) in den letzten Jahren Selbstmordanschläge gegeben, unter anderem 2013 auf die US-Botschaft in Ankara.

Vor etwa einem Jahr hatte sich die Gruppe auch zu einem Anschlag auf eine Polizeistation in der Nähe der Sultanahmet-Moschee bekannt, dieses Bekenntnis jedoch später als auf einem „technischen Fehler“ beruhend zurückgezogen, nachdem Beweise für die Beteiligung tschetschenischer Terroristen gefunden werden konnten.

Update, 15.30 Uhr: Neuesten Meldungen zufolge handle es sich beim Attentäter um einen 28 jährigen syrischen Staatsbürger. Das gab der stellvertretende türkische Premierminister Numan Kurtulmus bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Ankara an. Der Syrer soll den Kriminalermittlern nach 1988 geboren sein.

Türkische Medien indes behaupteten, dass der Selbstmordattentäter in Saudi-Arabien geboren sei und Nabil Fadli hieß.