Erneute Massenhinrichtung in Saudi-Arabien - Prominenter schiitischer Geistlicher exekutiert

Anhänger des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr protestierten bereits im Oktober 2014 vor der saudischen Botschaft in Sanaa gegen dessen Verhaftung.
Anhänger des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr protestierten bereits im Oktober 2014 vor der saudischen Botschaft in Sanaa gegen dessen Verhaftung.
In Saudi-Arabien beginnt das neue Jahr blutig: Wie das saudische Innenministerium bestätigte, wurden am Samstag 47 Menschen hingerichtet, darunter der prominente schiitische Geistliche Nimr al-Nimr. Dessen Exekution führte zu Empörung in der islamischen Welt. Eine Verschärfung der regionalen Konflikte könnte die Folge sein.

Den meisten Hingerichteten wurde vorgeworfen in eine Serie von Terroranschlägen verwickelt zu sein, die Al-Kaida zwischen 2003 und 2006 in Saudi-Arabien organisiert haben soll. Zu wütenden Reaktionen führte jedoch vor allem die Exekution von Nimr al-Nimr. Der bekannte iranische Geistliche Ahmad Khatami kommentierte die Hinrichtung al-Nimrs als etwas was er vom "kriminellen" Saudi-Arabien nicht anders erwartet habe. Gleichsam warnte der schiitisch geprägte Iran das sunnitisch-wahabitische Königreich, der Schritt werde "zu hohen Kosten" führen. Khatami kündigte sogar an, die Familie der Sauds würde aus den Büchern der Geschichte getilgt werden.

Der neue saudische König Salman während der Zeremonie für seinen verstorbenen Vorgänger , Abdullah bin Abdulaziz, in Rijad im Januar 2015

Ein irakisches Parlamentsmitglied der dort regierenden Koalition aus Schiiten warnte, al-Nimrs Exekution habe das Ziel "die Region in Brand zu setzen". Auch der oberste schiitische Rat des Libanon verurteilte al-Nimrs Hinrichtung und bezeichnete den Schritt als "schweren Fehler".

Dem schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr wurde zuvor vorgeworfen, zusammen mit sechs Mitstreitern zwischen 2011 und 2013 Anti-Regierungsproteste organisiert zu haben, bei denen 20 Menschen starben. Der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens wies eine Anfechtung des Urteils zurück.

Mohammed al-Nimr, der Bruder des Hingerichteten sagte indes gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, er hoffe die Reaktionen auf al-Nimrs Exekution werden friedlich bleiben:

"Scheich al-Nimr genoss ein hohes Ansehen in seiner Gemeinschaft und generell in der Gesellschaft der Muslime. Ohne Zweifel wird es Reaktionen geben. Wir hoffen, dass alle Reaktionen in einem friedlichen Rahmen stattfinden. Niemand sollte außerhalb dieses Rahmens agieren. Genug Blutvergießen."

Unter den am Samstag Hingerichteten befand sich überdies auch Faris al-Zahrani, der mit Al-Kaida in Verbindung gebracht wird, und sich lange auf der saudischen Liste der meist gesuchten Terroristen befand. Auch ein Ägypter und ein Tschader befanden sich unter den Verurteilten.

Aktivisten von Amnesty International stellen eine saudische Hinrichtung nach, um dagegen zu protestieren.

Die absolutistische saudische Monarchie vollzog im Jahr 2015 mindestens 158 Hinrichtungen mit der höchsten Anzahl an öffentlichen Enthauptungen in den vergangenen zwanzig Jahren.

Das saudische Recht erlaubt dabei auch die Todesstrafe für Sexual- und Drogendelikte, Ehebruch und "Hexerei". Zuletzt wurden laut Amnesty International im November 2015 mindestens 63 Menschen, darunter 45 Ausländer, exekutiert.

Trotz der massiven Kritik von Menschenrechtsgruppen, wurde der Saudi Faisal Bin Hassan Trad im Herbst letzten Jahres zum Vorsitzenden einer Beratergruppe des UN-Menschenrechtsrat gewählt. Die Bühne nutzte dieser sogleich um verlautbaren zu lassen, in seinem Land würden lediglich Menschen hingerichtet, die "abscheuliche Verbrechen begehen und die Gesellschaft gefährden".