Nasrallah schwört Rache nach israelischem Luftschlag gegen Hisbollah-Kommandeur in Syrien

Nasrallah schwört Rache nach israelischem Luftschlag gegen Hisbollah-Kommandeur in Syrien
Der Führer der libanesischen Schiiten-Organisation Hisbollah, Said Hassan Nasrallah, hat geschworen, dass seine Miliz den Tod ihres Kommandeurs Samir Kuntar, der einem vermutlich israelischen Luftschlag in Syrien zum Opfer fiel, „angemessen“ rächen werde. Immer wieder nimmt Israel die Hisbollah, welche die al-Assad-Regierung unterstützt, im syrischen Bürgerkriegsland gezielt ins Visier.

„Samir ist einer von uns und ein Kommandeur des Widerstands und es ist unser Recht, sich für seine Ermordung zu rächen, so wie wir es für angemessen halten. Wir werden das Recht ausüben“, warnte Nasrallah, der nur Stunden nach der Todesnachricht Kuntars in der Öffentlichkeit eine Rede hielt. Der Kommandeur wurde am Montag in der libanesischen Hauptstadt Beirut beerdigt.

„Wir haben keinen Zweifel, dass Israel hinter der Ermordung von Samir Kuntar steht, die Flugzeuge feuerten Präzisionsraketen auf ein Wohngebiet, in dem sich Kuntar aufhielt“, fügte Nasrallah hinzu.

Der Hisbollah-Führer informierte, dass „Vergeltung“ zur passenden Zeit erfolgen werde.

Der Luftschlag auf Kuntar ereignete sich am Samstagabend in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Raketen trafen ein sechsstöckiges Wohnhaus im Damaszener Bezirk Dscharamana. Lokale Medien vermuten, dass bei dem Raketenangriff weitere sieben Menschen getötet wurden.

„Zwei israelische Kriegsflugzeuge führten den Angriff aus, die das Gebäude in Dscharamana zum Ziel hatten, und bombardierten den Ort mit vier Langstreckenraketen“, umrissen die syrischen Nationalverteidigungskräfte (NDF) in einem Facebook-Post das Ereignis.

Traditionell bestätigen israelische Offizielle militärische Eingriffe im Ausland nicht. So sagte der israelische Minister für Bauwesen, Yoav Gallant:

„Ich bestätige oder leugne nichts zu diesem Thema.“

Dennoch hieß Gallant den Tod von Kuntar willkommen und fügte hinzu:

„Es ist gut, dass Menschen wie Samir Kuntar nicht Teil unserer Welt sind.“

Im Interview mit dem Fernsehsender der Hisbollah, al-Manar, stellte der syrische Informationsminister Omran al-Zubi klar, dass allein „der zionistische Feind [Israel], den wir [syrische Regierung] schon lange für solch feige Anschläge verantwortlich machen, von der Ermordung Kuntars profitiert“.

In der Zwischenzeit, am Sonntag, reagierte die Hisbollah auf die israelische Exekution mit dem Abschuss von drei Raketen auf Ziele in Israel. Abgefeuert wurden die Raketen vom Libanon. Daraufhin feuerte die israelische Armee mit Artilleriegeschützen über die Grenze. Für Monate galt das Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon als friedlich.

Zuletzt tötete im Januar dieses Jahr ein israelischer Luftschlag sechs hochrangige Hisbollah-Mitglieder in Syrien. Auch damals reagierte die Hisbollah mit zahlreichen Raketenabschüssen auf Israel. Dabei wurde ein Militärkonvoi der IDF unter Beschuss genommen. Zwei Soldaten starben. Die Handlungen sollten weiter eskalieren und zu den intensivsten Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah seit der israelischen Intervention im Libanon 2006 führen.

Auch wenn Tel Aviv jegliche Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg ablehnt, tauchen immer wieder stichhaltige Hinweise auf, die darauf schließen lassen, dass Israel eine weithin unterschätzte Rolle in Syrien spielt.

Israel versucht allen strategischen Überlegungen voran, die Hisbollah von den okkupierten Golanhöhen – vermutlich auch mit Hilfe von FSA-Rebellen – fernzuhalten. Die Golanhöhen sind strategisch bedeutend. Sie gelten als „Einfallstor“ nach Israel, von wo aus das Land günstig unter Beschuss genommen werden kann.

Israelischen Schätzungen zufolge sind im Zuge des syrischen Bürgerkrieges rund 5.000 Milizionäre der Schiiten-Organisation entweder getötet - 1.300 bis 1.500 Kämpfer – oder verletzt worden. Sollten die Einschätzungen stimmen, dann könnte rund ein Drittel der Miliz, die israelischen Vermutungen zufolge insgesamt 15.000 Kämpfer umfasst, durch die Kämpfe im syrischen Nachbarland „neutralisiert“ worden sein, berichtete das Nachrichtenportal „Times of Israel“. Ein Blutzoll in dieser Größenordnung dürfte im Interesse der israelischen Regierung sein, die die Hisbollah als verlängerten Arm ihres regionalen Erzfeindes Iran betrachtet.

Der Nahost-Experte des US-amerikanischen und pro-israelischen Think Tanks „Washington Institute for Near East Policy“ glaubt:

„Die Hisbollah wird auf den Schlag reagieren wollen, aber ihre Antwort genau abwägen müssen, da sie sich zurzeit keine zweite Front gegen Israel leisten kann."

Samir Kunter wurde 1979 für einen Anschlag der Palästinensischen Befreiungsfront, der vier Menschen das Leben kostete, darunter ein vier jähriges Kind, zu einer jahrzehntelangen Gefängnisstrafe verurteilt. Er kam 2008 im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Israel und der Hisbollah frei. 



comments powered by HyperComments