Libyen verweist US-Spezialeinheiten aus Luftwaffenbasis: "Keine Aufenthaltsgenehmigung"

Quelle: Libyan Air Forces / Facebook
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Die libysche Luftwaffe hat bestätigt, dass US-amerikanische Spezialeinheiten, die in der Wattiya-Luftwaffenbasis "kampfbereit" ankamen, dazu aufgefordert wurden, umgehend dass Land zu verlassen, da sie weder über eine "Aufenthaltsgenehmigung" verfügten noch Koordinierungspläne mit libyschen Einheiten vorlegen konnten. Neben den USA soll auch Großbritannien planen, Kampftruppen nach Libyen zu entsenden. Der nordafrikanische Öl-Staat gilt als neue IS-Hochburg.

Die libysche Luftwaffe erklärte, dass insgesamt 20 Soldaten am Montag im Luftwaffenstützpunkt ankamen. Sie waren jedoch gezwungen, den Ort nach kurzer Zeit wieder zu verlassen, als der zuständige libysche Kommandeur die US-Einheiten dazu drängte. Der libysche Offizier argumentierte, dass die US-Truppen keine Aufenthaltserlaubnis besitzen sowie keinerlei Option auf „Koordinierung“ vorweisen können.

بتاريخ 14/12/2015 وعلي تمام الساعة السادسة صباحاً هبطت طائرة عسكرية أمريكية علي متنها 20 جندي أمريكي علي مهبط قاعدة الو...

Posted by ‎رئاسة أركان القوات الجوية Libyan Air Forces‎ on Mittwoch, 16. Dezember 2015

Am Mittwoch veröffentlichte das offizielle Konto der libyschen Luftwaffe einen weiteren Post, der diesmal auch Bilder der Spezialeinheiten aus den Vereinigten Staaten, die auf der Luftwaffenbasis verweilten, zeigt. Im Untertitel wurde notiert, dass die Soldaten „in Kampfmontur mit kugelsicheren Westen, modernen Waffen, Schalldämpfern, Handwaffen, Nachtsicht- und GPS-Geräten“ im Camp ihr Lager aufschlugen.

Auf libysche Anfrage über die Aufgabe und Ziele der US-Amerikaner im bürgerkriegsgeschüttelten nordafrikanischen Land ergab sich die knappe Antwort, die Spezialeinheiten wären „in Koordination mit anderen Mitgliedern der libyschen Armee“ anwesend. Die libysche Seite schien von der unangekündigten Präsenz der US-Amerikaner nicht überzeugt.

Die libysche Luftwaffe kommentierte, „unsere heroische Armee auf der Wattiya-Basis teilte ihnen mit, den Ort unverzüglich zu verlassen, und die Gruppe verließ mit ihrer Ausrüstung den Ort“.

Die verfügbaren Fotografien zeigen mehrere Männer mit Sturmgewehren. In einem der Bilder sind die Soldaten zu sehen, wie sie aus einem Flugzeug aussteigen. Auf einer weiteren Aufnahme sind die Soldaten in einem Wüstenjeep fahrend zu sehen. Auf dem letzten der insgesamt drei Fotografien posen die Kämpfer in einem Gruppenbild.

Quelle: Libyan Air Forces / Facebook
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Quelle: Libyan Air Forces / Facebook
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Das Pentagon bestätigte gegenüber dem US-Fernsehsender NBC News, dass die Spezialeinheiten als Teil einer größeren Mission diese Woche in Libyen eingetroffen sind. Es ist unklar, ob sich die Einheiten noch immer in Libyen aufhalten. Kommandos sind „in und außerhalb von Libyen“ seit „einiger Zeit“ aktiv, räumten namentlich nicht genannte Pentagon-Vertreter ein. NBC News berichtete, die Einheiten würden „ausschließlich dort sein, um libysche Kräfte zu beraten, und werden nicht selbst Kampfmissionen absolvieren“.

Quelle: Islamischer Staat

Laut der Nachrichtenagentur Associated Press stehe die gescheiterte US-Truppenverlegung unter dem Eindruck des jüngst von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensabkommen zwischen den rivalisierenden Regierungen in Tripoli und Tobruk, dem einige Fraktionen zu Boden offen skeptisch gegenüber stehen.

Im entstandenen Machtvakuum in Zentrallibyen, allen voran in der Stadt Sirte, haben sich seit dem vergangenen Jahr Zellen des „Islamischen Staates“ festgesetzt. Unter Berufung auf US-Offizielle berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass der IS unter anderem in Libyen gezielt danach strebe, Erdölquellen einzunehmen.

Die ebenfalls namentlich ungenannte hochrangige US-Quelle sagte:

„Die schauen nach dem Öl in Libyen und andernorts. Wir werden vorbereitet sein.“

Am Freitag berichtete die britische Zeitung Mirror, dass nun auch London überlege, ein Truppenkontingent von 1.000 Soldaten zur Unterstützung von Spezialeinheiten nach Libyen zu entsenden.

Im Jahr 2011 stürzten von der NATO unterstützte Rebellen den jahrelangen Machthaber Muammar Gaddafi.

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