Die größten Nutznießer des IS-Ölschmuggels? Türkei und...Israel

Die größten Nutznießer des IS-Ölschmuggels? Türkei und...Israel
Das Nachrichtenportal Zerohedge berichtet unter Berufung auf mehrere Quellen und Eigenrecherchen, dass der „Islamischer Staat“ (IS) vor allem Schlupflöcher und Umgehungskonstruktionen für ihren Öl-Schmuggel nutzt, die seit knapp zwei Jahren von der Kurdischen Regionalregierung (KRG) im Nordirak unter Umgehung der irakischen Zentralregierung in Bagdad etabliert wurden. Eine zentrale Rolle bei diesem Schmuggelkonstrukt spielt auch der israelische Hafen Aschkelon.

Eine Schlüsselrolle spiele dabei der türkische Hafen Ceyhan, von wo aus die kurdischen Öl-Lieferungen über Mittelsmänner, Schein- und Tarnfirmen, mithilfe zusätzlicher Leerfahrten oder über Umwege – beispielsweise über Malta oder israelische Häfen wie Aschkelon oder Aschdod – vonstattengehen.

Der irakische Geheimdienst und mit diesem kooperierende private Ermittler seien dem in London ansässigen Newsportal Al-Araby al-Jadeed zufolge einigen schwarzen Kanälen auf die Spur gekommen, als diese im Auftrag der irakischen Regierung Kunden ermitteln sollten.

Quelle: DVIDSHUB/CC BY 2.0

Da es einen anhaltenden Streit zwischen Bagdad und der Kurdischen Autonomieregion über die auf eigene Faust stattfindenden Verkäufe des Öls aus den Kurdengebieten gibt, die seitens der Zentralregierung als illegal betrachtet werden, will diese nun mit Schadensersatzklagen auf internationaler Ebene gegen die Abnehmer vorgehen.

Den Aufzeichnungen der Quellen über die Entwicklung der Hafenauslastung in Ceyhan zufolge soll die Zahl der den Hafen verlassenden Tankschiffe immer dann einen Höchststand erreichen, wenn der IS in der Nähe ölreicher Regionen in Kämpfe involviert ist.

Geht man davon aus, dass die Kurdische Regionalregierung täglich etwa eine Million Barrel Rohöl über Ceyhan verschiffen lässt, sei dem Internetportal zufolge davon auszugehen, dass der teilweise über die gleichen Mittelsmänner agierende IS in der Lage ist, im gleichen Zeitraum mehr als 45.000 Barrel an seine Käufer zu bringen. Auf Grund der ausgefeilten Schmuggelmethoden, die bereits im Zusammenhang mit Öl aus den nordirakischen Gebieten angewandt werden, soll es auch dem IS möglich sein, das Öl über Ceyhan praktisch unerkannt zu verschiffen.

Ein nicht unerheblicher Teil des Öls soll anschließend in Lagerräumen des Hafens Aschkelon zwischengelagert werden, ehe es an die meist europäischen Abnehmer weiterverkauft werde. Auch soll kurdisches Öl via Malta auf dem Wege diverser Schiff-zu-Schiff-Transfers an seine Endabnehmer gebracht worden sein, um die Spuren zu verwischen, die insbesondere die irakische staatliche Ölverwertungsgesellschaft SOMO nachzuzeichnen versucht.  

Von Malta aus soll ein nicht unerheblicher Teil des nach Malta verschifften Öls nach Israel gehen. Den Daten mehrerer Quellen zufolge, die auch kürzlich in der Financial Times zur Sprache gekommen waren, sollen zwischen Anfang Mai und dem 11. August mehr als 19 Millionen Barrel kurdischen Öls nach Israel gelangt sein, dies würde 77 Prozent des durchschnittlichen Ölbedarfs des Landes entsprechen, der bei 240.000 Barrel pro Tag liegt. Mehr als ein Drittel aller nordirakischen Exporte, die über Ceyhan verschifft wurden, landeten im Beobachtungszeitraum insgesamt in Israel.

Exportziele der türkischen Häfen von Ceyhan, Dortoyl und Mersin
Exportziele der türkischen Häfen von Ceyhan, Dortoyl und Mersin

Da Ceyhan auf diese Weise bereits Erfahrung im Handling suspekter Öltransfers entwickelt hat, schließen Beobachter nun, dass auch der IS, der regelmäßig ganze Kolonnen an voll beladenen Tanklastern in Richtung türkische Grenze schickt, diese Abläufe durchschaut und sie sich zunutze macht. Ein Oberst des irakischen Geheimdienstes, der anonym bleiben wollte, gibt Al-Araby al-Jadeed gegenüber sogar an, die vom IS bevorzugte Versorgungsroute zu kennen. 

Quelle: Islamic State

Der syrische Informationsminister Omran al-Zoubi behauptete am Freitag, es würde sich unter anderem eine Firma, die Bilal Erdoğan, dem Sohn des türkischen Präsidenten gehöre, unter den Abnehmern auf Malta befinden. Diese würde nicht nur mit Öl, sondern auch mit Artefakten handeln. Der IS würde das Öl für 20 US-Dollar pro Barrel verkaufen, durch Weiterverkäufe für 30 bis 35 Dollar pro Barrel nach Europa würde es zurück in den legalen Kreislauf gelangen. Von dem Erlös würde die Türkei Waffen und Ausrüstung für FSA und Al Nusra erwerben. Der IS wiederum würde jährlich mehr als 400 Millionen US-Dollar aus Ölgeschäften einnehmen.

Neben der Türkei würde jedoch Israel am meisten Nutzen aus den Schwarzmarktverkäufen ziehen. In Europa selbst handelten anschließend, so hieß es bei Reuters, namhafte Firmen wie Glencore, Trafigura, Nobel oder Vitol mit dem Öl aus den Kurdengebieten. Möglicherweise sei dann auch welches aus IS-Beständen dabei, heißt es seitens des irakischen Geheimdienstes.