Netanjahus Geständnis: „Ja, Israel operiert auch in Syrien“

Netanjahus Geständnis: „Ja, Israel operiert auch in Syrien“
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Dienstag eingeräumt, dass israelische Soldaten in Syrien aktiv seien. Er sagte: „Wir operieren in Syrien von Zeit zu Zeit, um zu verhindern, dass sich Syrien zu einer Front gegen uns entwickelt“. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass Israel von den schwelenden inner-islamischen Spannungen im Nahen Osten als einziger nicht islamischer Staat in der Region profitiert und sich an einer Aufrechterhaltung des Status Quo interessiert zeigt.

Zum ersten Mal gab der israelische Premier auf diese Weise zu, dass Einheiten der israelischen Armee in Syrien operieren, wo die vom schiitischen Iran unterstützte und alawitisch dominierte syrische Regierung  gegen sunnitische Rebellen und den selbsternannten „Islamischen Staat“ kämpfen.

Quelle: Israel Defense Forces  / CC BY 2.0

„Zuweilen führen wir Operationen in Syrien aus, um zu verhindern, dass sich das Land zu einer Frontlinie gegen uns entwickelt“, sagte Netanjahu gegenüber Reportern bei einem Besuch in Nord-Israel.

„Wir tun auch alles, um zu verhindern, dass Waffen, vor allem letale, von Syrien in den Libanon gelangen“, fügte er hinzu.

Weitere Informationen über die Involvierung Israels in Syrien gab Netanjahu nicht bei seiner erstmaligen öffentlichen Bestätigung, dass Israel eine weithin unterschätzte Rolle im syrischen Bürgerkrieg spielt.

Israel setzt in Syrien offensichtlich auf die innerislamischen Spannungen zwischen Schiiten/Alawiten und Sunniten, um von seinen eigenen Aktivitäten abzulenken. In den vergangenen Monaten hat die israelische Luftwaffe immer wieder Angriffe in Syrien geflogen. Dabei wurden unter anderem iranisch-schiitische Ableger ins Visier genommen. Insbesondere die pro-iranische libanesische Hisbollah, welche als weltweit am besten bewaffnete nicht staatliche Organisation gilt, ist ein ausgemachter Erzfeind Israels in dessen unmittelbarer Peripherie.

Die Luftschläge wurden jedoch bislang nie offiziell von israelischen Behörden bestätigt.

Aussagen des israelischen Verteidigungsministers Mosche Yaalon von Anfang November zufolge stehe Israel den Forderungen nach einem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wiederum neutral gegenüber. Tel Aviv befürwortet Analysten zufolge einen schwachen syrischen Staat und damit al-Assad gegenüber einer sunnitischen Achse, die ihre Hände nach den sunnitisch geprägten Palästinensergebieten östlich Israels ausstrecken könnte.

Syrien ist nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg ausgezehrt und aus israelischer Perspektive in optimaler Weise handlungsgeschwächt. Lange war auch die Regierung in Damaskus, welche über Iran stets die libanesische Hisbollah unterstützte, der israelischen Regierung ein geopolitischer Dorn im Auge. Einen völligen Zusammenbruch im Stile Libyens oder des Irak, auch „Somalisierungs-Prozess“ genannt, dürfte Tel Aviv allerdings nicht riskieren wollen, da diese Entwicklung auch dramatische Folgen für die sicherheitspolitischen Interessen des Judenstaates haben würde.

 

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