Menschenrechtsgruppe: Niederlande beliefern Israel mit Kampfhunden zum Einsatz gegen Palästinenser

Quelle: U.S. Embassy Tel Aviv / CC BY-SA 2.0
Quelle: U.S. Embassy Tel Aviv / CC BY-SA 2.0
Israel bezieht 90 Prozent seiner Militär- und Polizeihunde aus den Niederlanden. Diese Hunde sollen nach Darstellung palästinensischer Menschenrechtsgruppen und niederländischer Parlamentarier regelmäßig gegen palästinensische Zivilisten – auch Kinder – eingesetzt werden. Die Polizeihunde würden, so die Aktivisten mit Verweis auf Videoaufnahmen, in einer Weise gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt, die den Genfer Konventionen widersprechen.

Ein Video zeigt den palästinensischen Aktivisten Ahmed Schteiwi. Er nahm im März 2012 an einer „Anti-Okkupations-Demonstration“ im palästinensischen Dorf Kufr Qaddum in der Westbank teil. Ein Kampfhund der IDF griff dabei den Aktivisten an und verbiss sich für Minuten in den Arm des Palästinensers. Weitere ähnliche Videos erschienen in den Folgejahren und zeigten den palästinensischen Aktivisten zufolge Situationen, die alles andere als eine Ausnahme in den besetzen Gebieten darstellen würden.

Immer wieder, so die Aktivisten, setzten israelische Sicherheitskräfte Kampfhunde auf unbewaffnete palästinensische Zivilisten an – dies sei eine menschenverachtende Taktik, die an vergangene US-Polizei-Praktiken gegen schwarze Mitbürger erinnere.

Die palästinensische Menschenrechtsgruppe Al-Haq und niederländische Parlamentarier haben inzwischen reagiert und fordern nun die Regierung der Niederlande auf, den jährlichen Export von Polizei- und Militärhunden nach Israel einzustellen.

Solche Hunde „werden mit Absicht von der israelischen Besatzungsmacht genutzt, um palästinensische Zivilisten zu terrorisieren, insbesondere bei Protesten oder nächtlichen Razzien von Häusern“, schrieb der Direktor von Al-Haq, Schawan Dschabarin, in einem offenen Brief an den niederländischen Premierminister Bert Koenders und die Handelsministerin Lilianne Ploumen Anfang dieses Monats.

Tonny Boeijen, Besitzer der Polizei- und Militärhunde-Ausbildungsschule „Four Winds K9“, räumte auf Anfrage ein, dass 90 Prozent der Hunde, die von der israelischen Armee genutzt werden, von seiner Ausbildungsschule, die unweit der Stadt Nijmegen liegt, kommen würden. Der Zeitung NRC sagte er, dass er seit 23 Jahren Jahr für Jahr Dutzende Hunde nach Israel entsende.

Weitere 15 bis 30 Hunde kämen vom deutschen Hundetrainer Engelber Uphues aus Ramsdorf, berichtete NRC.

Der Gebrauch von Polizei- und Militärhunden gegen Zivilisten ist der vierten Genfer Konvention zufolge verboten. Nach dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs könnten Israels Handlungen in den besetzten Gebieten der Westbank und des Gazastreifens auch als Kriegsverbrechen betrachtet werden, schrieb Schawan Dschabarin.

Die niederländische Menschenrechtsanwältin Liesbeth Zegveld gab dem Nachrichtenportal „World Bulletin“ zufolge an, dass sie im Namen der betroffenen palästinensischen Opfer eine Klage gegen Four Winds K9 und den niederländischen Staat einleiten wolle.

 

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