Blutiger Freitag in Saudi-Arabien: Golf-Monarchie kündigt 55 Hinrichtungen an

Aktivisten von Amnesty International stellen eine saudische Hinrichtung nach, um dagegen zu protestieren.
Aktivisten von Amnesty International stellen eine saudische Hinrichtung nach, um dagegen zu protestieren.
Saudi-Arabien hat angekündigt, in den kommenden Tagen 55 Menschen zu köpfen, die von Riad des Terrorismus beschuldigt werden. Amnesty International kritisiert dies scharf. Die Vermutung liegt nahe, das saudische Königshaus nutze lediglich die Anschuldigung des Terrorismus, um innenpolitische Gegner auszuschalten. Die wahhabitischen Golf-Monarchie ist ein wichtiger Verbündeter der USA und Großbritanniens und bedeutender Handelspartner von Deutschland.

Veröffentlicht wurde die Information über die anstehenden 55 Hinrichtungen in saudischen Medien. Dort heißt es "Al-Kaida-Terroristen" und "Kriminelle" aus der Stadt Awamiya werden in den kommenden Tagen exekutiert. Der genaue Ort und die Zeit der Hinrichtungen wurden noch nicht angegeben, doch wird vermutet, dass diese im Anschluss an die heutigen Freitagsgebete durchgeführt werden.

Laut der saudischen Zeitung Okaz wird den 55 Verurteilten vorgeworfen, Polizisten angegriffen, Bombenattentate verübt  und einen Regierungsumsturz angestrebt zu haben. Laut der Zeitung seien dabei über 100 Zivilisten und 71 Sicherheitsbeamte ums Leben gekommen. Einer der Gefangenen soll zudem versucht haben, im Jemen radioaktives Material im Wert von 1,5 Millionen Dollar zu kaufen.

Quelle: SANA

Diese Angaben sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. In der östlichen Provinzstadt Awamiya - aus der die Verurteilten kommen - haben die Behörden 2011 Proteste der dortigen schiitischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt - das saudische Königreich gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an.

Zudem wurde kürzlich auch der palästinensische Dichter Aschraf Fajadh von einem saudischen Gericht zum Tode verurteilt, weil er sich blasphemisch geäußert haben soll. Außerdem habe er "destruktive Gedanken" verbreitet. Zwischen August 2014 und Juni 2015 wurden 175 Menschen in der wahhabitischen Golf-Monarchie exekutiert, unter ihnen auch Minderjährige. Gründe für eine Hinrichtung können zudem auch kleinere Drogendelikte sein.

Die angekündigte Massenhinrichtung wurde umgehend von Amnesty International kritisiert. Die Menschenrechtsorganisation merkte an, selbst für Saudi-Arabien ist eine derartige Zahl von Exekutionen an einem einzigen Tag außergewöhnlich hoch.

Zwar schafft es Kritik an den saudischen Menschenrechtsverletzungen immer mal wieder in den deutschen Medienmainstram, ernsthaften Druck seitens westlicher Regierungen hat das totalitäre Königshaus in Saudi-Arabien jedoch nicht zu befürchten. Zu wichtig ist die Monarchie als Lieferant von Öl und als Abnehmer vor allem auch deutscher Waffen.

Auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Jan van Aken bestätigte die Bundesregierung, dass im ersten Halbjahr 2015 deutsche Rüstungsgüter im Wert von 177 Millionen Euro an Saudi-Arabien geliefert wurden.

Im Juni 2015 deckte Wikileaks auf, dass Saudi-Arabien mit Schmiergeldern enormen Einfluss auf ausländische - auch westliche - Medien nimmt.

Gegenüber RT sagte WikiLeaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson:


„Wir sehen, wie das Geld aus den Ölgeschäften genutzt wird, um Saudi-Arabien Einfluss zu erkaufen. Und das ist substanziell. Das ist ein Verbündeter der USA und Großbritanniens. Und seit dem Frühjahr betätigt das Land sich als Kriegstreiber im Nachbarland Jemen."


Saudi-Arabien ist der zweitgrößte Ölproduzent der Welt und ein einflussreicher Faktor in der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC), die einen starken Einfluss auf Produktion und Weltmarktpreise aufweist.

Es gilt in internationalen Kreisen zudem als offenes Geheimnis, dass einflussreiche Kräfte in Saudi-Arabien, wie auch Katar, zu den frühen Förderern des selbsterklärten "Islamischen Staates" zählen. Derzeit gehen Analysten davon aus, dass die extremistischen Dschihadisten zumindest von saudischen Privatleuten Gelder und Unterstützung erhält, die saudische Regierung hier aber beide Augen zudrückt.

Ganz so wie die Verbündeten des Köngreiches bei Massenhinrichtungen.