Nahost-Experte Landis: „Moderate Opposition in Syrien ist völlig unbedeutend“

Nahost-Experte Landis: „Moderate Opposition in Syrien ist völlig unbedeutend“
Der renommierte Universitätsprofessor und Nahostexperte Joshua Landis von der Universität Oklahoma hat im Interview mit RT zur Syrienpolitik der US-Regierung Stellung genommen. Obama versuche einerseits, seinen Kritikern durch Symbolpolitik entgegenzukommen, auf der anderen Seite sei es ihm jedoch wichtiger, die USA aus einem weiteren Krieg herauszuhalten, als den selbsternannten "Islamischen Staat" tatsächlich zu zerstören.

Der Leiter des Zentrums für Studien zum Mittleren Osten an der Universität von Oklahoma, Professor Joshua Landis, hat sich in einem Interview mit Sophie Schewardnadse von RT skeptisch zur Frage geäußert, ob vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Syrien an eine Aufrechterhaltung der territorialen Integrität des Landes noch zu denken wäre. Zwar würden einer jüngst erhobenen Umfrage zufolge 70 Prozent der syrischen Bürger eine Teilung ihres Landes ablehnen. Faktisch sei die von allen beteiligten Seiten gehegte Hoffnung, den Bürgerkrieg gewinnen zu können, jedoch trügerisch.

Quelle: Mil.ru/ CC BY 4.0

Landis nahm auch zur Syrienpolitik der USA Stellung. Dabei verteidigte er die Überlegung, eine 50 Mann starke Truppe zu trainieren und auszustatten, da Special Operation Forces in kriegerischen Auseinandersetzungen punktuell in der Lage wären, relevante Operationen auszuführen. Eine grundlegende Wende im Kampf gegen den IS könnten diese jedoch nicht bewirken. Dass der Einsatz der US-geführten Anti-IS-Koalition von Kritikern als schleppend und wenig effektiv bezeichnet wird, führt Landis darauf zurück, dass die USA im Zweifel zivile Opfer vermeiden wollten, zumal diese ein weltweites Echo zu Ungunsten der USA zur Folge hätte. Obama wolle auf der einen Seite seinen Kritikern durch die punktuelle Ausbildung von Spezialeinheiten entgegenkommen, auf der anderen Seite jedoch verhindern, dass die Amerikaner in einen weiteren Krieg im Nahen Osten hineingezogen würden. Den IS daran zu hindern, Jordanien oder andere Nachbarländer Syriens zu destabilisieren, sei für die USA vordringlich. Entgegen der Rhetorik des Präsidenten rechne man jedoch nicht damit, die Terrormiliz mit den derzeit angewendeten Mitteln zerstören zu können.

Die Entscheidung, zu den Syriengesprächen in Wien den Iran hinzuzuziehen, sei eine richtige, erklärte Landis. Auch sei es nachvollziehbar, dass ausländische Mächte alleine und ohne syrische Vertreter verhandelten. Assad sei nicht bereit, sich zu beteiligen, solange die USA und einige ihrer Verbündeten auf seiner Ablösung beharrten. Auf der anderen Seite werde die Opposition einerseits von hunderten kleinen und zersplitterten Milizen gebildet, die aus örtlichen Klanschefs bestünden, aber darüber hinaus wenig Bedeutung hätten, auf der anderen Seite einigen Großverbänden, die jedoch jedwedes Gespräch mit Assad verweigerten. Entscheidend sei jedoch, dass jede Seite in Syrien so stark von Waffen- und Geldtransfers aus dem Ausland abhängig wäre, dass eine Einigung, die in Wien gefunden würde, auch tatsächlich zeitnah umgesetzt werden könnte.

Auf die geplanten Wahlen solle man dabei jedoch keine großen Hoffnungen setzen, so Landis. Angesichts der chaotischen Situation und Millionen Menschen auf der Flucht sei an faire Bedingungen dabei nicht zu denken.

Quelle: 50th Munich Security Conference 2014/ CC BY 3.0 de

Die Situation werde durch mehrere Umstände verkompliziert, erklärt Landis. Die FSA und andere Rebellentruppen hätten kein Interesse daran, ihren Kampf gegen Assad nun plötzlich in einen Kampf gegen den Terrorismus umzuwidmen. Die USA hingegen wollten nicht, dass Assad von einem zu entschlossenen Vorgehen gegen den Terror profitiere, deshalb habe man auch nicht verhindert, dass der IS Palmyra einnimmt. Die Auffassung vieler US-Generäle, wonach Assad der eigentlich Magnet sei, der ausländische Terroristen dazu bringe, nach Syrien einzusickern, sei jedoch irrig. Die Wurzel des Aufstiegs von IS und Al-Kaida in Syrien und im Irak sei die chaotische Situation im Irak nach der Invasion 2003 gewesen. Die danach entstandenen konfessionell aufgeheizten Spannungen hätten sich als Faktor erwiesen, der zu einer Stärkung der Terrorgruppen geführt hätte.

Landis widersprach auch der Ansicht, es wäre sinnvoll, so genannte „moderate“ Rebellen bewaffnen und trainieren zu wollen. Sie wären – und dies gelte für alle Krisengebiete Nordafrikas und des Mittleren Ostens – einfach zu schwach, um Bedeutung erlangen zu können. Die erfolgreichen Rebellengruppen seien dschihadistisch, Unterschiede gäbe es lediglich in der Abstufung.

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