Flug 7K9268 - Was wir bisher über die Hintergründe des Absturzes im Sinai wissen

Flug 7K9268 - Was wir bisher über die Hintergründe des Absturzes im Sinai wissen
Während sich Experten darauf vorbereiten, den Flugschreiber zu analysieren, kursieren zahlreiche Theorien über die Gründe des Absturzes des russischen Flugzeuges über der ägyptischen Sinai-Halbinsel, bei dem 224 Menschen ums Leben kamen. RT trennt die Fakten von den Gerüchten.

Wie ereignete sich die Tragödie?

Das Flugzeug vom Typ Airbus A321-200 startete um 5:51 Uhr lokaler Zeit vom Flughafen des ägyptischen Ferienortes Scharm el-Scheikh aus in Richtung der russischen Metropole Sankt Petersburg. Nur 22 Minuten später, noch im ägyptischen Luftraum, verloren die Luftfahrtbehörden noch im ägyptischen Luftraum, so ägyptische Regierungsbeamte, den Kontakt zu A321-200. Zu diesem Zeitpunkt flog das Flugzeug bereits in einer Höhe von 9450 Metern.

Flight-Tracking-Webseiten berichteten, dass infolge der vorhandenen Aufzeichnungen ein schneller, fast senkrechter Absturz dokumentiert werden konnte. Der Hersteller Airbus informierte, dass das Flugzeug nur drei Minuten später auf dem Boden aufschlug. Alle Insassen starben dabei. Einen Notruf gab es nicht.

Wie genau schlug das Flugzeug auf?

Dem Vorsitzenden der russischen Luftfahrtagentur Rosaviatsia, Alexander Neradko, zufolge „deuten alle Zeichen auf die Tatsache hin, dass das Flugzeug in seiner Struktur bereits in der Luft und in großer Höhe zerbrach“. Der Beweis für diese Annahme ist der Umstand, dass Flugzeugteile und Leichenteile in einer Entfernung von 8 Kilometern voneinander aufgefunden wurden. Eine ägyptische Militärquelle teilte Medien indes mit, dass das Flugzeug entzwei brach und ein Teil gegen einen Felsen schlug.

Warum stürzte der A321-200 ab?

Bislang konnte die Frage noch nicht einwandfrei geklärt werden. Ägyptische Rebellen, die dem Netzwerk des selbsternannten „Islamischen Staates“ in Syrien und Irak nahestehen, auf der Sinai-Halbinsel jedenfalls behaupten ihre Verantwortung für den Absturz. Russische Behörden – gedeckt von ägyptischen – lehnen den IS als Urheber der Tragödie mit der Erklärung, die Gruppierung besitze nicht die entsprechende spezialisierten Waffensysteme, um ein Flugzeug in Reiseflughöhe abzuschießen, als einen reinen Propagandatrick der Extremisten ab. Dennoch haben mehrere große Fluggesellschaften beschlossen, die Flugroute durch den Sinai zumindest im Augenblick zu meiden.

Die Erklärungen schließen allerdings noch immer keinen Terroranschlag aus.

„Erste Berichte besagen, dass das Flugzeug in zwei Teile brach und dass es zu einem Totalausfall kam, also kein mechanisches Versagen. Das führt zum Schluss, dass es vielleicht eine Explosion an Bord selbst gab“, vermutet Michael Clarke, Generaldirektor der britischen Denkfabrik Royal United Services Institute. „Es ist wahrscheinlicher, dass es eine Bombe an Bord war, als dass das Flugzeug mit einer Rakete vom Boden aus abgeschossen wurde“.

Könnte ein Problem mit dem Flugzeug oder der Besatzung den Absturz das Desaster verursacht haben?

In diesem Fall gibt es widersprüchliche Aussagen. Der russische Betreiber Kogalymavia, auch als Metrojet bekannt, gab an, dass technische Störungen, gar solche, die zu einem Triebwerkfeuer führen können, nicht zu einem solch raschen Absturz führen können. Ägyptische Behörden bestätigten, dass das Flugzeug die Sicherheitschecks vor dem Abflug ohne Beanstandung durchlief.

Das Flugzeug war seit 18 Jahren im Betrieb – was in der Flugzeugbranche als nicht besonders alt gilt – und wurde vom weltweit größten Flugzeug-Leasing-Unternehmen Aercap angemietet. Im Jahr 2001 gab es einen kleinen Zwischenfall mit der Maschine.

Nichtsdestotrotz erzählte die Ehefrau eines der Co-Piloten an Bord im russischen Staatsfernsehen, dass sich ihr Ehemann Sergej Truchatschew regelmäßig beklagte, dass „der technische Zustand der Flugzeuge [der Fluggesellschaft] sehr zu wünschen übrig ließ“. Die Piloten-Crew unter Flugkapitän Valeri Nemtsow selbst galt mit 12.000 unfallfreien Flugstunden als erfahren.

Unterdessen hat Metrojet seine Flüge vorerst eingestellt. Russische Behörden haben mit Sicherheitsüberprüfungen in dem kleinen Unternehmen, welches weitere fünf Flugzeuge im Betrieb hat, begonnen.

Ab wann kann man auf weitere Ergebnisse in diesem Fall hoffen?

Die Flugschreiber der A321-200 wurden inzwischen nach Kairo, in die ägyptische Hauptstadt, zur Untersuchung überführt. Dort warten bereits russische Spezialisten, die die ägyptischen Behörden bei der Untersuchung der Absturzursache unterstützen werden. Ebenfalls werden zwei US-Ermittler zugegen sein. Die Motoren des Flugzeuges wurden in den USA hergestellt. Zuletzt müssen die Bruchstücke dieser Tage eingesammelt und dokumentiert werden. Eine definitive Analyse zum Absturz dürfte wahrscheinlich erst in einigen Wochen, wenn nicht Monaten vorliegen.