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Türkei und Iran: Machtverschiebungen im Mittleren Osten führen zu neuen Allianzen

Türkei und Iran: Machtverschiebungen im Mittleren Osten führen zu neuen Allianzen
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (re.) und der iranische Präsident Hassan Rohani (li.) geben sich vor ihrem Treffen im Präsidentenpalast in Ankara die Hand. 16. September 2019. (Archivbild)
Viele Jahre lang spielte die Türkei für Israel die Rolle als strategisches Gegengewicht zu den arabischen Ländern in der Region. Die durch den Irakkrieg ausgelösten Umwälzungen in der Region führten zu einer völlig veränderten Lage und ließen neue Bündnisse entstehen.

Israel teilte sein Umfeld stets in jeweils einen inneren und äußeren Sicherheitsring auf. In der Mitte des inneren Rings befand sich also Israel selbst, umgeben von seinen unmittelbaren Nachbarn Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und dann noch Irak und Saudi-Arabien. Mit den meisten dieser Länder führte Israel dennoch seit seiner Staatsgründung mehrere Kriege, wobei insbesondere Ägypten, Syrien und der Irak als die größte Bedrohung empfunden wurden. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (R) und der Führer der Hamas in Gaza, Ismail Haniyya (L).14. Dezember 2019

Mit den Ländern des äußeren Rings – der Türkei, Iran (bis 1979) und Äthiopien – unterhielt der von Theodor Herzl erträumte "Judenstaat" zunächst freundschaftliche Beziehungen. Diese Idee einer "Allianz der Peripherie" entwickelte der ehemalige Mossad-Chef Re’uwen Schiloach als Reaktion auf die Strategie der drei Kreise (der arabische, islamische und afrikanische Kreis) von Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser. Diese Länder sollten als Gegengewicht den pan-arabischen Nationalismus der Staaten des inneren Rings in Schach halten und neutralisieren. 

Seit der iranischen Revolution und dem Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlavi, schied der Iran als israelischer Partner aus, ebenso wie schon zuvor Äthiopien nach dem Militärputsch von 1974. Lediglich die Türkei blieb noch übrig, indirekt auch noch Saudi-Arabien, das gegenüber den USA die Stellung Irans übernahm. Solange sich der Irak und Iran in dem ersten Golfkrieg gegenseitig bekämpften, stellten beide Länder für Israel keine Bedrohung dar. Das sollte sich nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait ändern, als es Saddam Hussein geschafft hatte, innerhalb von kürzester Zeit sein Land wieder ausreichend zu bewaffnen.  

Deshalb drängte der damalige Oppositionspolitiker und spätere Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seit Mitte der 1990er Jahre die USA dazu, gegen den Irak und Iran vorzugehen. Die Anschläge vom 11. September 2001 entfesselten schließlich die US-amerikanische Kriegsmaschinerie und führten zum Einmarsch in den Irak im Frühjahr 2003. Der Sturz von Saddam Hussein erwies sich allerdings als eine strategische Fehlkalkulation, die das Zweistromland erst zum Epizentrum eines islamistischen "Erdbebens" werden ließ. 

Noch während die USA in diesem Chaos versanken, kam in der Türkei – dem einzig noch verbliebenen Staat der ursprünglichen israelischen "Allianz der Peripherie" – ein Mann an die Macht, der den Kurs seines Landes vollständig verändern sollte: Recep Tayyip Erdoğan.

Spätestens mit dem Vorfall um das türkische Passagierschiff Mavi Marmara im Mai 2010, als ein israelisches Kommando das mit Hilfsgütern für Gaza beladene Schiff in internationalen Gewässern enterten und dabei neun Menschenrechtsaktivisten tötete, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten zusehends. Ministerpräsident Netanjahu weigerte sich lange Zeit, sich stellvertretend als Staatsmann für die Todesopfer zu entschuldigen. Erst 2016 zeigte sich die israelische Regierung bereit, eine Entschädigungszahlung von 20 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen zu leisten. Im Gegenzug ließ die türkische Regierung die Klagen gegen den Staat Israel und die beteiligten israelischen Soldaten fallen. 

Während eines Staatsbesuches in Rom teilte Netanjahu die in Israel durchaus unpopuläre Entscheidung damit, dass diese Einigung mit Ankara zu einer Beruhigung im Nahen Osten beitragen könne. 

Meine Politik ist es, Zentren der Stabilität zu schaffen.

Zwar tauten die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder auf, aber zu dem freundschaftlichen Status der Zeit vor Erdoğan sollte es nie wieder kommen, ganz im Gegenteil. Der türkische Präsident wurde zu einem lauten Verteidiger der Rechte der Palästinenser und kritisierte immer wieder die israelischen Kriege und die Besetzung des Westjordanlandes. Je mehr sich die Türkei von Israel entfernte, desto näheren Kontakt suchte Netanjahu zu einem potenziell neuen Verbündeten, der den außenpolitischen Blick Jerusalems teilt. In Abu Dhabi sollte er fündig werden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan beim Besuch des Mausoleums von Atatürk am 30. August.

Gleichzeitig sorgte die Entdeckung von enormen Gasvorkommen vor den Küsten Ägyptens, Israels und Zyperns dafür, dass sich im Mittelmeer eine Energieallianz Griechenland-Zypern-Israel bildete, die sich naturgemäß gegen die Interessen der Türkei richtete. Nun folgte unlängst der nächste Coup mit dem Normalisierungsabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), was die Dynamik im einstigen feindlichen inneren Ring entscheidend beeinflussen könnte. Dazu kommt, dass die VAE ein geopolitischer Rivale der Türkei sind, die sich so auch in Libyen einen erbitterten Stellvertreterkrieg liefern. 

Sowohl der Konflikt im östlichen Mittelmeer um Gas und Seegrenzen als auch die Machtverschiebungen im Mittleren Osten, haben zu einer Isolation Ankaras in der Region geführt. Iran als strategischer Herausforderer der von den USA geführten Allianz entwickelt sich deshalb für die Türkei immer mehr zu einem möglichen Partner, um ein Gegengewicht herzustellen. Man teilt ähnliche Sicherheitsbedenken, wie beispielsweise durch radikale Kurden oder die US-Präsenz in Syrien.

Was hingegen fehlt, ist eine Vertrauensbasis zwischen diesen beiden historischen Feinden. Es gab immer wieder Versuche in den vergangenen Jahren, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern strategisch zu vertiefen, aber diese verliefen stets im Sande. Die Differenzen waren bisher stets zu groß, als dass eine tiefere Kooperation möglich gewesen wäre. Aber in den vergangenen Wochen gab es eine erhöhte diplomatische Aktivität zwischen Ankara und Teheran. Außenminister Mohammad Dschawad Sarif besuchte im Juni die türkische Hauptstadt, um über die Wirtschaftsbeziehungen, "Energiekooperation und regionale Angelegenheiten" zu sprechen.

Am Dienstag sprachen nun die beiden Staatsoberhäupter Recep Tayyip Erdoğan und Hassan Rohani in einem Videogespräch zusammen, um eine "starke Grundlage" für die künftigen Beziehungen zwischen Iran und der Türkei zu schaffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim News berichtete. Die geopolitischen Entwicklungen könnten diesem erneuten Versuch zum Erfolg verhelfen.

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