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Hunger als Waffe: Wie die USA Nordkorea belagern

Hunger als Waffe: Wie die USA Nordkorea belagern
Wie ein Dokument des US-Geheimdienstes zeigt, wussten die USA, dass Sanktionen Nordkorea nicht von seinem Atomwaffenprogramm abbringen würden und nur die Bevölkerung leiden würde. Warum beschlossen die USA dennoch Sanktionen gegen das asiatische Land?

von Hasan Posdnjakow

Zu den perfidesten Waffen, über die die USA in ihrem Arsenal zur Unterdrückung anderer Staaten verfügen, zählen die sogenannten Sanktionen, die sie oft im Alleingang verhängen. Ein besonders tragisches Beispiel für die Auswirkungen dieser Sanktionen ist Nordkorea, offiziell die Demokratische Volksrepublik Korea, in den 1990er Jahren.

In den 1990er Jahren hatte Nordkorea große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der größte Handelspartner und Unterstützer, die Sowjetunion, war zusammengebrochen. Auch China, ein weiterer traditioneller Bündnispartner, hatte Anfang der 1990er Jahre eigene wirtschaftliche Schwierigkeiten, konnte also daher nicht die weggebrochene Unterstützung der UdSSR ausgleichen.

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Da die nordkoreanische Wirtschaft verhältnismäßig stark industrialisiert ist, war die Wirtschaft aber auf den Import von Ressourcen wie Erdöl (für die Stromerzeugung) sowie Ersatzteilen und neue Maschinenanlagen angewiesen. Auch eine moderne Landwirtschaft ist auf Erdöl angewiesen. Da der Anteil des anbaubaren Landes in Nordkorea relativ klein ist, ist es zwingend erforderlich, eine intensive, technisch entwickelte Landwirtschaft zu betreiben, um die Bevölkerung adäquat zu ernähren. Zudem importierte das Land einen hohen Anteil seiner Nahrungsmittel – war also darauf angewiesen, Waren zu exportieren, um Devisen für den Nahrungsmittelhandel zu erwirtschaften

Die Vereinigten Staaten beschlossen in eben dieser Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten, im Jahr 1992, Sanktionen gegen Nordkorea einzuführen. Die offizielle Begründung dafür war das Atomwaffenprogramm des asiatischen Staates. Ein US-Geheimdienstdokument aus dem Jahr 1991 zeigt aber, dass das kaum die wahre Motivation für die Sanktionen gewesen sein dürfte. Denn: Die US-Geheimdienste erklären darin klipp und klar, dass Sanktionen Pjöngjang nicht zu einer Aufgabe des Atomwaffenprogramms bewegen würden.

Stattdessen macht der Bericht auf die möglichen verheerenden Auswirkungen von Sanktionen gegen Nordkorea aufmerksam. Die US-Geheimdienstler verweisen darauf, dass die nordkoreanische Wirtschaft in den Schlüsselbereichen auf den internationalen Handel angewiesen ist. Sanktionen würden, stellt der Bericht fest, die Bevölkerung in ein schweres Elend stürzen. Der Bericht erwähnt ausführlich mögliche Effekte von Wirtschaftssanktionen, von denen tatsächlich mehr oder weniger alle eintrafen. Im Bereich des Transports wäre das Land auf ineffiziente und/oder veraltete Mittel wie Ochsenkarren und Fahrräder angewiesen. Außerdem wird auf die negativen Wirkungen von Sanktionen auf die Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft und in der Fischerei (in Nordkorea und auch in andere küstennahen ostasiatischen Staaten eine wichtige Proteinquelle für die Bevölkerung) aufmerksam gemacht.

Die US-Geheimdienstler verweisen indirekt auf die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sanktionen die ohnehin schwierige Versorgungslage der nordkoreanischen Bevölkerung noch weiter verschlechtern würden und somit eine Hungersnot auslösen könnten. Nachdem in Nordkorea Mitte der 1990er Jahre extreme Wetterbedingungen zu einem enormen Ernteausfall führten, setzte tatsächlich eine Hungersnot ein. 

Stattdessen geht es den Vereinigten Staaten bei solchen Sanktionen darum, durch die Sabotage der Wirtschaft die Regierungen anderer Staaten unbeliebt zu machen. Es handelt sich um ein weiteres Instrument der Weltmacht, Regime-Change zu betreiben. Während der 1990er Jahren beschlossen die USA eine weite Palette von Sanktionen gegen Nordkorea, die, wie der Bericht vorausgesagt hatte, zu enormen wirtschaftlichen Schäden führten.

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Die Macht der US-Sanktion erklärt sich nicht nur an dem Anteil der USA an der Weltwirtschaft per se, sondern ist auch strukturell durch die Vormacht des US-Dollars und finanzieller Netzwerke, die letztendlich die USA kontrollieren, bedingt. US-Sanktionen unterbinden somit nicht nur den Handel des betroffenen Landes mit den USA – sämtliche internationalen wirtschaftlichen Transaktionen werden sabotiert. Es handelt sich eigentlich um eine Form der Blockade und somit um einen kriegerischen Akt.

Patrick Cockburn, ein irischer Journalist, kommentierte die Sanktionen gegen Nordkorea:

Wirtschaftliche Sanktionen sind wie eine mittelalterliche Belagerung, nur mit einem modernen PR-Apparat, um das, was getan wird, zu rechtfertigen. Der Unterschied ist, dass solche Belagerungen darauf abzielten, einzelne Städte auszuhungern, während sie sich jetzt darauf richten, ganze Länder auszuquetschen."

Aktuell hat die USA die Einfuhr sämtlicher Güter, Dienstleistungen und Technologien aus Nordkorea verboten. Ausnahmen sind nur mit einem besonderen Antrag möglich. Auch die Ausfuhr von US-amerikanischen Waren nach Nordkorea ist stark eingeschränkt. Zudem benötigen US-Firmen eine besondere Erlaubnis von den Behörden in Washington, um Investitionen in Nordkorea zu tätigen. Ähnliche Sanktionen verhängen die USA gegen Kuba schon seit 60 Jahren. Angeblich, um dem kubanischen Volk zur Demokratie zu verhelfen. Ein ähnliches Muster vollzieht sich gerade vor unseren Augen in Venezuela.

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