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Interview: US-Bündnis mit Indien könnte Pakistan von Beteiligung am Frieden mit Taliban abbringen

Interview: US-Bündnis mit Indien könnte Pakistan von Beteiligung am Frieden mit Taliban abbringen
Pakistanisches Sicherheitspersonal nimmt nach einem Angriff von Taliban-Kämpfern in Peshawar am ersten Dezember 2017 vor einem landwirtschaftlichen Ausbildungsinstitut Stellung ein.
Weder Indien noch Pakistan haben die Fähigkeit, die andere Seite militärisch zu dominieren, erklärt der Geopolitikexperte Said Jaffery im RT Deutsch-Interview mit Blick auf den Kaschmir-Konflikt. Dieser könnte jedoch die Friedensverhandlungen in Afghanistan ins Wanken bringen.

von Ali Özkök

Der in Lahore ansässige Politikanalyst Said Ali Zia Jaffery ist Mitherausgeber des Strategie- und Außenpolitikmagazins "Pakistan Politico". Seine akademischen Schwerpunkte liegen auf nuklearer Abschreckung und Strategie sowie damit verbundene Sicherheitsfragen im südasiatischen Raum.

Welche Auswirkungen könnte der Konflikt im Kaschmir auf den Krieg in Afghanistan haben, wo die USA gegenwärtig Friedensverhandlungen mit den Taliban führen?

Zunächst ist der afghanische Friedensprozess vor allem Pakistan zu verdanken. Die Verhandlungen auf diese Stufe zu bringen, wäre ohne Islamabads Hilfe unmöglich gewesen. Zwar sollten die Friedensgespräche von der Krise zwischen Pakistan und Indien abgekoppelt werden. Wenn sich jedoch herausstellt, dass die Vereinigten Staaten die Wahl treffen, das Recht Pakistans auf Selbstverteidigung und staatliche Souveränität abzulehnen, könnte Islamabad gezwungen sein, seine Zusammenarbeit mit den USA in Afghanistan zu überprüfen. Das würde die Lage komplett verändern.

Hat die derzeitige militärische Spannung zwischen Pakistan und Indien das Potenzial, sich zu einem echten Krieg mit einer nuklearen Komponente zu entwickeln?

Führende Persönlichkeiten, die sich auf südasiatische Sicherheits- und Strategiefragen spezialisiert haben, diskutieren ständig über den Pakistan-Indien-Konflikt. In der Regel analysieren sie den Konflikt jedoch unter Berücksichtigung des Worst-Case-Szenarios. Darunter fällt der Einsatz von Kernwaffen. Seit der offensichtlichen Atomisierung Südasiens haben sich Indien und Pakistan jedoch in vier Krisen, zu denen auch die laufende Krise gehört, nicht nuklear auseinandergesetzt.

Indische Grenztruppen im Ranbir Singh Pura Sector

Bei der jüngsten Konfrontation zeigte die zügige und schnelle Reaktion Pakistans auf die Luftraumverletzung Indiens, wie Pakistan seine roten Linien stärken und seine Abschreckung mit konventionellen Mitteln wiederherstellen kann. Es gibt viel Raum für Gewalt auf niedrigeren Konfliktstufen unterhalb der strategischen Ebene. Davon versuchen beide Seiten zu profitieren.

Der nukleare Faktor sollte nicht überbewertet werden. Pakistan war während dieser Krise sogar vorsichtig, das Wort "nuklear" überhaupt zu erwähnen, geschweige denn auf nukleare Signale zurückzugreifen. Außerdem müssen Nadelstiche an den Grenzen oder Luftkämpfe keine Alarmglocken läuten lassen, denn die gegenseitige Verwundbarkeit allein schon auf Luftwaffenebene erzeugt genügend Abschreckung.

Wie sieht das Spannungsverhältnis im Rahmen von nicht-nuklearen Konfrontationen aus, da Indien deutlich größer ist als Pakistan?

Erst wenn die Schwachstellen nicht gegenseitig ausgerichtet sind, kann es zu einer Kriseninstabilität kommen. Der Einsatz von Atomwaffen, ob taktisch oder strategisch, ist vom Tisch, solange beide Kräfte in den substrategischen Bereichen den Anschein von Gleichgewicht wahren.

Sicherlich ist Indien Pakistan in Bezug auf seine militärische Stärke zahlenmäßig überlegen. Allerdings sind Zahlen nicht die einzigen Elemente, die bei einem militärischen Einsatz wichtig sind. Einsatzmuster, Kampfbereitschaft und Waffengattungen sind entscheidend für die Bestimmung des Kriegserfolgs. Es gibt kaum größere Bereiche, wo eine der beiden Nationen einen ganz klaren Vorteil hat oder die Fähigkeit aufweist, den Gegner überlegen und damit empfindlich treffen zu können.

Mit anderen Worten: Beide Länder können eine Eskalationsdominanz, um einen Krieg zu gewinnen, nicht mit konventionellen Mitteln erreichen, was ein gutes Zeichen für Krisenstabilität ist.

Interview: US-Bündnis mit Indien könnte Pakistan von Beteiligung am Frieden mit Taliban abbringen

Pakistan fordert Indien nachdrücklich auf, einen Dialog über den Konflikt im Kaschmir aufzunehmen. Was ist die geopolitische Kalkulation hinter der Dialoginitiative?

Pakistan, das über Atomwaffen und eine ziemlich starke konventionelle Streitmacht verfügt, kann von Indien, das zahlenmäßig deutlich größer ist, nicht ohne zu große Opfer besiegt werden.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (R) wird vom pakistanischen Premierminister Imran Khan in Islamabad empfangen.

Pakistan drängt Indien, in einen Dialog einzutreten, nicht weil es verlieren wird, sondern weil beide Länder bei einem Kriegsausbruch nichts außer Zerstörung gewinnen würden. Vor kurzem haben Pakistans Premierminister Imran Khan und die Militärführung unmissverständlich eingeräumt, welche verheerenden Folgen für beide Länder entstehen werden, wenn der Weg des Krieges gewählt wird.

Indien kritisiert Pakistan wegen seiner vermeintlichen Unterstützung von Terroristen. Wie beurteilen Sie diese Anschuldigungen aus pakistanischer Sicht?

Kein anderes Land weiß mehr über die Schrecken des Terrorismus als Pakistan. Das Land hat 70.000 seiner Bürger durch den Terrorismus verloren. Es muss festgestellt werden, dass Pakistan immer wieder Terrororganisationen bekämpft hat und das noch heute tut. Indiens eiserne Faust in Kaschmir hat sich jedoch nachteilig auf den Frieden ausgewirkt. Heute widersetzen sich Kaschmiris den indischen Streitkräften von selbst. Den Dialog zu meiden und auf militärische Ansätze zurückzugreifen, ist genau das, was die Region nicht braucht.

Während China Pakistan im Kaschmir-Konflikt zur Seite steht, haben die USA Indien freie Hand gegeben. Stehen wir vor einer Art Stellvertreterkonflikt in der Region?

Die Rivalität zwischen den USA und China dürfte sich auf den Subkontinent deutlich auswirken. Die Ausrichtung der USA hin zu ihrem regionalen Sicherheitspartner Indien unter der Schirmherrschaft einer neuen Indo-Pazifik-Strategie ist eine erklärte Bedrohung für China. Da China und Pakistan jedoch in einer strategischen Partnerschaft im Rahmen des China-Pakistan Wirtschaftskorridors (CPEC) stehen, kann auch Islamabad die wachsende Zuneigung zwischen Washington und Neu-Delhi nicht übersehen.

Anstatt bewusst und unbewusst zum Wettrüsten zwischen Indien und Pakistan beizutragen, müssen sich Washington und Peking auf Konfliktlösung und Krisenprävention konzentrieren. Dies wird jedoch unter den gegenwärtigen Bedingungen als nicht denkbar angesehen.

Welche Rolle spielt Russland im Konflikt und wie entwickeln sich die regionalen Interessen Russlands angesichts der wachsenden Zusammenarbeit der USA mit Indien?

Pakistanische Marinesoldaten marschieren während der Pakistan-Day-Militärparade in Islamabad am 23. März 2018 an Raketen vorbei.

Russland hat begonnen, seine Präsenz in der Region zu verstärken. Es hat den kriegsführenden Fraktionen Afghanistans im Rahmen eines Moskauer Friedensprozesses seine Hilfe mit Nachdruck angeboten. Neben der strategischen Partnerschaft mit Indien baut Moskau seine Beziehungen zu Pakistan in den Bereichen Verteidigung und Terrorismusbekämpfung aus.

Vorerst ist die Rolle Russlands in der Dynamik zwischen Indien und Pakistan noch nicht entscheidend, um es vorsichtig auszudrücken. Seine Rolle und sein Einfluss in Zukunft werden davon abhängen, wie stark sich die Beziehungen zwischen Indien und den USA entwickeln. Auch das Schicksal des afghanischen Friedensprozesses wird darüber entscheiden, was in den kommenden Jahren geschieht. Eine Pattsituation in diesem Land wird den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" behindern, Russland näher an Pakistan heranführen und das russische Gewicht bei künftigen indisch-pakistanischen Krisen erhöhen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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