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Interview mit indischem Generalmajor a.D. - "Es geht Pakistan vor allem um Zugang zu Wasserquellen"

Interview mit indischem Generalmajor a.D. - "Es geht Pakistan vor allem um Zugang zu Wasserquellen"
Indische Grenztruppen im Ranbir Singh Pura Sector
Der ehemalige indische Offizier Harsha Kakar betont im exklusiven RT-Interview, dass ein Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan nicht zu erwarten ist. Doch während Pakistan in Kaschmir vor allem um Wasserzugang kämpft, setzt Indien auf eine Isolierungspolitik seines Erzfeindes.

von Ali Özkök

RT Deutsch hat mit Harsha Kakar gesprochen. Er ist Generalmajor der indischen Armee a. D. und tritt regelmäßig in indischen Medien als Sicherheitsexperte auf.

Hat die derzeitige militärische Entwicklung zwischen Pakistan und Indien das Potenzial, sich zu einem echten Krieg mit einer nuklearen Komponente zu entwickeln?

Die Dynamik der Eskalation, die über einen nuklearen Konflikt hinausgeht, erscheint gering. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Zunächst einmal hat Indien seine Luftangriffe gegen Pakistan nur durchgeführt, um die Weltgemeinschaft über die Entwicklungen im Konflikt zu informieren. Die Regierung will den Druck auf Pakistan damit erhöhen, um es zur Unterlassung von asymmetrischen Angriffen zu zwingen.

Ein weiterer Hinweis, dass Neu-Delhi kein Interesse an einer Eskalationsspirale hat, ist die Auswahl des Ziels. Die Luftwaffe nahm ein terroristisches Lager entfernt von der Zivilbevölkerung und militärischen Einrichtungen ins Visier.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (R) wird vom pakistanischen Premierminister Imran Khan in Islamabad empfangen.

Das pakistanische Militär wiederum antwortete, weil es seiner Öffentlichkeit zeigen musste, dass, wenn Indien die Kontrolllinie (LoC) überschreiten kann, es das auch kann. Fakt ist: Hätte Neu-Delhi militärische Einrichtungen getroffen, dann gäbe es sicherlich eine Eskalation.

Damit haben beide Seiten die Botschaft vermittelt, dass beide Armeen handeln und reagieren können. Abgesehen davon, dass beide Seiten den gleichen Grad der militärischen Reaktion wählten, hat Pakistan den kleinen Vorteil, dass es einen indischen Piloten festgenommen hat. Um das nicht zu sehr auszureizen, entschied Premierminister Imran Khan, den Piloten als Geste wieder an Indien zu übergeben.

Sie sind ein ehemaliger hochrangiger Offizier der indischen Armee. Wie beurteilen Sie die militärischen Fähigkeiten Pakistans?

Pakistans militärische Fähigkeiten sind aufgrund finanzieller Zwänge stark eingeschränkt, sei es in Bezug auf die Qualität, die Menge der Waffen oder den Besitz von Munition. Darüber hinaus ist Pakistan bewusst, dass, wenn es seine Streitkräfte von seinen westlichen Grenzen zurückzieht, die Kampfsituation in Bezug auf militante Bewegungen, in Hinblick auf die Taliban und terroristische Organisationen dort eskalieren könnte. Eine solche Entwicklung könnte die afghanischen Friedensgespräche beeinträchtigen.

Anders als Pakistan ist Indien trotz seiner Mängel besser gerüstet. Deshalb könnte es durchaus problemlos größere Kampfverbände aus dem Osten nach Westen an die pakistanische Grenze verlegen, was Islamabad deutlich unter Druck setzen würde.

Was wären die Optionen und operativen Bewegungen Indiens im Falle eines begrenzten militärischen Konflikts?

Bei einem begrenzten Konflikt würden sich beide Länder auf begrenzte Geländegewinne in den Bergen fokussieren, was bedeuten könnte, dass die Kriegsparteien versuchen würden, militärische Posten oder Enklaven einzunehmen. Solche kriegerischen Auseinandersetzungen würden von der Luftüberlegenheit dominiert, wo Indien einen Vorteil hat. Sollte der limitierte Konflikt eskalieren, könnte Indien seine Cold-Start-Doktrin umsetzen, also mit schwer bewaffneten, mechanisierten Kampfverbänden das pakistanische Kernland penetrieren. Auf diese Weise könnte Neu-Delhi darauf spekulieren, dass es dann zu spät für Pakistan ist, sein Nukleararsenal zu benutzen, wenn feindliche Truppen schon im eigenen Land stehen und die wichtigsten Positionen eingenommen haben.

Welche Rolle spielt der Zugang zu Wasserquellen im Kaschmir-Konflikt? Vor allem der Indus River hat seinen Ursprung im Kaschmir und der weiteren Region Nordiniens.

Pakistans Interesse an der Kaschmir-Region resultiert hauptsächlich aus seiner Verzweiflung über Zugang zu Wasserquellen. Islamabad fürchtet, dass es von der Wasserversorgung abgeschnitten werden könnte.

Der sogenannte Indus-Wasservertrag teilte allerdings die Wasserressourcen zwischen den beiden Ländern gerecht auf. Im Laufe der Jahre hat Indien seinen Anteil an den Ressourcen nicht in vollem Umfang genutzt. Jetzt hat die Regierung gehandelt, um ihre Ressourcen vollständig zu nutzen und auch Dämme zu bauen, die den Wasserfluss nach Pakistan nicht stoppen. Islamabad ist berechtigt, diese Dämme zu inspizieren, die für sie weiterhin Anlass zur Sorge geben.

Da Pakistans wichtigste Wasserquellen aus dem Kaschmir kommen, wird es weiterhin eine wichtige Rolle bei jedem Konflikt zwischen beiden Ländern spielen.

Interview mit indischem Generalmajor a.D. - "Es geht Pakistan vor allem um Zugang zu Wasserquellen"

Indien kritisiert Pakistan für die vermeintliche Unterstützung von Terroristen. Von welchen Organisationen ist konkret die Rede?

Die beiden Hauptorganisationen sind die Dschaisch-e-Mohammed (JeM) und Laschkar-e-Toiba (LeT). Es gibt andere Ableger, die aber von geringerer Bedeutung sind. Im Laufe der Jahre haben diese beiden die Aktivitäten im Kaschmir-Tal in Kooperation mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI dominiert. Derzeit nimmt Dschaisch-e-Mohammed eine größere Rolle im Konflikt ein.

Wie versucht Pakistan, seinen Einfluss im Kaschmir auszubauen?

Im Kaschmir betreibt Pakistan ein mehrstufiges System, um insbesondere die Jugend zu entfremden. Die erste Stufe gilt der Unterstützung von Separatisten. Diese Elemente behaupten, die Stimme der Kaschmirs zu sein, aber sie unterstützen auch Pakistan. Dies wurde von Assad Durrani, dem ehemaligen ISI-Chef Pakistans, in seinem Buch "The Spy Chronicles" zugegeben, das von Ex-RAW-Chef AS Dulat mitverfasst wurde.

Die zweite Stufe umfasst den Aufbau einer starken Bewusstseinskampagne in den sozialen Medien, die versucht, Jugendliche zu gewinnen. Dabei wird in der Regel ein anti-indisches und vor allem ein Anti-Hindu-Image projiziert. Beides dient dazu, den indischen Staat zu diskreditieren.

Und im Rahmen der dritten Stufe, die das pakistanische Einflusssystem komplettiert, werden Kämpfer in Pakistan ausgebildet und in den Kaschmir geschickt, um den Aufstand der Separatisten zu unterstützen.

Die indischen Sicherheitskräfte waren allerdings nicht ganz unerfolgreich in den letzten Jahren bei der Bekämpfung pakistanischer Elemente. So vermochten sie die Zahl der ausländischen Kämpfer im Kaschmir soweit zu reduzieren, dass lokale Kämpfer inzwischen die Mehrheit der Separatisten stellen. In der Vergangenheit führten Ausländer die Operationen gegen das indische Militär an.

Inwieweit ist die Annahme richtig, dass die Muslime im Kaschmir den indischen Staat nicht unterstützen und damit die politische sowie militärische Kontrolle über das Gebiet erschweren?

Pakistanische Marinesoldaten marschieren während der Pakistan-Day-Militärparade in Islamabad am 23. März 2018 an Raketen vorbei.

Diese Frage ist umstritten. Statistisch gesehen haben wir es mit einem eher kleinen Konflikt zu tun. Die Steinewerfer gehen zwar in die Tausende, aber die bewaffneten Kämpfer umfassen nur ein paar hundert Mann. Damit sind die Zahlen nicht besonders alarmierend.

Am Boden, in wenigen Gebieten, in denen die Militanz gedeiht, zeigen jedoch viele Jugendliche eine anti-indische und pro-militante Haltung. Diese Gebiete sind hauptsächlich im Südkaschmir und wenigen Teilen Nordkaschmirs zu finden. Der Rest der Region bleibt neutral und wünscht sich einen gerechten Frieden.

Die gegenteilige Ansicht ist, dass der große Erfolg der Sicherheitskräfte in jüngster Zeit den Einheimischen die Sinnlosigkeit von bewaffneten Auseinandersetzungen vorführte. So liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. In einigen Bereichen ist die Entfremdung stark, in den meisten anderen Regionen ist sie relativ gering.

Welche Auswirkungen könnte der Konflikt im Kaschmir auf den Krieg in Afghanistan haben, wo Pakistan die Taliban unterstützt und Indien auf der Seite der Kabuler Regierung steht?

Die Hauptauswirkung wäre, dass Taliban-Kämpfer quasi nach der Bildung einer neuen Regierung in Afghanistan Kapazitäten frei kriegen würden, um ihre Kämpfer dann für den Kampf im Kaschmir-Gebiet anzubieten. Solche Praktiken sahen wir schon damals, als Afghanistan unter Talibanherrschaft stand. Dies würde das Niveau der Militanz in der Region deutlich erhöhen.

Indien hat dem Iran geholfen, den Hafen von Tschahbahar auszubauen und kann nun auf eine alternative Route nach Afghanistan setzen. Ist das Ziel Indiens, Pakistan von allen Seiten zu isolieren?

Es besteht kein Zweifel, dass es die Absicht Indiens ist, Pakistan zu isolieren. Ob dies möglich ist, ist angesichts der geopolitischen Bedeutung von Pakistan und die Notwendigkeit zahlreicher Großmächte, mit Islamabad zusammenzuarbeiten, fraglich.

Die Eröffnung des Hafens Tschahbahar hat viel mehr Gründe, als nur Pakistan zu treffen. Es reduziert die Abhängigkeit Afghanistans von Karatschi und damit seine Fähigkeit, es zu erwürgen. Es ist auch ein Mittel, um über Afghanistan die Türen nach Zentralasien zu öffnen.

China ist daran interessiert, seinen Verbündeten Pakistan im Kaschmir zu unterstützen, da die Region Pekings CPEC-Projekt beeinflussen kann. Auf der anderen Seite haben die USA Indien in Kaschmir freie Hand gelassen. Stehen wir vor einer Art Stellvertreterkonflikt zwischen Russland und China in der Region?

China hat zwei Hauptgründe für die Unterstützung von Pakistan. Der erste Grund ist, Indien zu schwächen. Mit einem militärisch fähigen Pakistan muss Indien immer an einen Zwei-Fronten-Krieg denken, wenn es China konfrontieren möchte. Das führt zu zusätzlichen Verteidigungsausgaben, die sich Indien nicht leisten kann.

Der zweite Grund sind die enormen Investitionen Chinas. Peking kann sich kein Scheitern von Pakistan mehr leisten, da das chinesischen Investitionen schaden würde. CPEC wiederum hat Pakistan fast zu einer Provinz Chinas gemacht und sorgt auf pakistanischer Seite für Loyalitätsdruck.

Ein MiG-21-Kampfflugzeug der indischen Luftwaffe beim Fliegen am ersten Tag der Flugshow Aero India 2019 auf der Luftwaffenstation Yelahanka, in Bangalore am 20. Februar 2019.

Die USA sind ein indischer Verbündeter und haben Indien diplomatisch unterstützt. Es hat die richtigen Töne und die richtigen Aussagen gemacht. Washington weiß aber auch, dass es nicht mehr weiter gehen kann. Die USA brauchen dringend die Unterstützung von Pakistan, um die Taliban zu Gesprächen zu bewegen und eine Lösung in Afghanistan zu finden.

Dies wird für Trump mit dem Scheitern der Gespräche zwischen den USA und Nordkorea noch kritischer werden. Er braucht außenpolitische Erfolge.

Welche Rolle spielt Russland im Konflikt und wie entwickeln sich die regionalen Interessen Russlands angesichts der wachsenden Zusammenarbeit der USA mit Indien?

Russland ist ein enger Freund Indiens, aber auch ein aufstrebender Freund Pakistans. Gleichzeitig braucht Russland wie die USA die pakistanische Regierung, um mit den Taliban zu interagieren und die Terrororganisation "Islamischer Staat" in Afghanistan zu bekämpfen.

Bis zu einem gewissen Grad schienen die indisch-russischen Beziehungen auf dem Weg zur Anspannung zu sein, da Indien den USA näher kam. Die Unterzeichnung von Verteidigungsabkommen und Diskussionen über einen Logistikpakt, ähnlich dem Indo-US-Pakt, bringt die Beziehung jedoch wieder auf den richtigen Weg.

Hinzu kommt, Russland hat die indische Haltung unterstützt, den Dschaisch-e-Mohammed-Führer Masood Azar als globalen Terroristen zu klassifizieren.

Nichtsdestotrotz braucht Russland aus verschiedenen Gründen ideale Beziehungen sowohl zu Indien als auch zu Pakistan. Zu Indien, weil es ein traditioneller Verbündeter ist. Hinzu kommt Indiens Status als regionale Macht und seine Stellung im Indischen Ozean, die ihm die Vorherrschaft in der Region verleiht. Pakistan braucht Moskau wegen der anhaltenden Krisen in Afghanistan und seiner geopolitischen Lage an der Grenze zu China.

Die gemeinsame Erklärung am Ende des Treffens zwischen den Außenministern Russlands, Indiens und Chinas am Donnerstag war ein wichtiger Hinweis auf die russische Unterstützung zugunsten Indiens. China mag versucht haben, diesen Prozess teilweise zu blockieren, wurde aber von Russland gedrängt, Zurückhaltung walten zu lassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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