"Wie in Auschwitz": Bericht macht 40 Jahre lange Gewalt gegen Kinder in Südkorea öffentlich

"Wie in Auschwitz": Bericht macht 40 Jahre lange Gewalt gegen Kinder in Südkorea öffentlich
Symbolbild: Seoul, Südkorea, 16. Dezember 2015.
Ein Bericht der Menschenrechtskommission gibt Einblick in eine dunkle Historie Südkoreas: 40 Jahre lang machte sich der Staat der Gewalt an schätzungsweise 4.691 Kindern schuldig. Diese wurden entführt, misshandelt und mussten Zwangsarbeit verrichten.

In dem Bericht der Menschenrechtskommission geht es nicht um Verbrechen der Nordkoreaner gegen die Bevölkerung, sondern um die südkoreanische Regierung. Die Verbrechen trugen sich in einer staatlichen Einrichtung in der Provinz Gyeonggi zu. Die Menschenrechtskommission kommt zu dem Schluss, dass diese 1942 begannen und bis zum Jahr 1982 andauerten.

Die Zahl der Geschädigten wird auf 4.691 Kinder geschätzt, die als sogenannte "Landstreicher" bezeichnet wurden. Die Kinder wurden entführt, misshandelt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Untergebracht wurden sie in einer Institution für Waisen- und streunende Kinder namens "Saeongsam Hagwon". Die Kinder aber sollen größtenteils Eltern gehabt haben, denen sie geraubt wurden. Viele der Kinder starben an Mangelernährung und aufgrund von Folter.

Die USA sind vielleicht nicht in der besten Situation, um sich als Verteidiger von Menschenrechten zu präsentieren. Im Bild:  Das verrufene US-Gefangenenlager Guantanamo:

Die Kinder sollen gewaltsam in der Institution untergebracht worden sein, nachdem diese sich die Heimatadresse nicht haben merken können. Zu 75 Prozent waren es Beamte und Polizisten, welche die Minderjährigen zwischen neun und zehn Jahren dorthin brachten. Die Anstalt verlassen durften sie nicht. Es blieb allein die Flucht als Ausweg. Der Bericht basiert auf Aussagen von 28 Überlebenden. Die meisten, die überlebten, wurden zu obdachlosen Bettlern, denn eine Schul- und Ausbildung blieb ihnen verwehrt. 81 Prozent hatten lediglich die Grundschule besucht. 18 Prozent waren Analphabeten, und 25 Prozent konnten nur lesen, nicht aber schreiben.

Ein Vergleich mit Auschwitz

Einer der Überlebenden, Lee Dae-jun, verglich die Zustände mit Auschwitz:

Wir lebten in einer Anstalt, die nicht anders war als Auschwitz. Beamte, die von Steuergeldern bezahlt wurden, steckten dahinter. Und sie taten dies Kindern an, die nicht älter als neun und zehn Jahren alt waren. Viele meiner Kollegen starben nach Jahren des Leidens an Alkoholsucht, nachdem sie die Institution verließen. Einige können wegen des Traumas noch immer nicht ohne Medizin leben. Als Kinder, was haben wir getan, um das zu verdienen?

Die südkoreanische Zeitung Korea Herald berichtet von den Erfahrungen eines weiteren Überlebenden des Martyriums. Kim Young-bae war neun Jahre alt, als er im Jahr 1963 von Polizisten an einem Bahnhof von Seoul geschnappt wurde. An diesem Tag hatte er vor, seine Schwester in Seoul zu besuchen. Man sperrte ihn in der Unterkunft Saongam Hangwon ein, obwohl er die Beamten informierte, dass er Familie in der Provinz Gyeonggi habe.

Symbolbild: Gebet im Gedenken an die Opfer der gesungen Fähre Sewol, Südkorea, 30. April 2014.

Er berichtet davon, dass von den Kindern totaler Gehorsam erwartet wurde. Jedes Vergehen wurde mit Prügeln oder mit dem Entfernen der Fingernägel mithilfe eines Bleistifts bestraft. Die Kinder waren gezwungen, auf Salzfarmen zu schuften, Viehzucht zu betreiben, Seidenraupen zu züchten und schwere Güter zu transportieren. Die hygienischen Zustände waren katastrophal. Die Kinder plagten Läuse, es gab zu wenig zu essen:

Wir haben uns mit Sand die Zähne geputzt und sind durch den Müll gegangen, um Nahrung zu finden. Die Decken wurden nie gewaschen, rochen schrecklich und waren voller Läuse. Meine Kollegen und ich mussten jeden Winter schreckliche Erfrierungen ertragen, weil wir keine Socken und Handschuhe hatten und wir draußen arbeiten mussten. Ich leide immer noch unter der Erfahrung. Jeden Winter brauche ich Socken und Handschuhe, sonst kann meine Haut das nicht ertragen.

Jin Seon-mee, Repräsentant der Demokratischen Partei Koreas am Donnerstag in Seoul, fordert eine Entschuldigung des Staates: 

Es ist 36 Jahre her, seit der Seongam Hagwon geschlossen wurde, und die Opfer sind heute zwischen 50 und 60 Jahren alt. Sie leiden noch immer unter den Traumata, die ihnen durch diese Anstalt zugefügt wurden. Wenn der Staat sich nicht entschuldigt und sie entschädigt, wird Korea nur Angst und Trauma unter den Opfern verursachen.

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