Nach Singapur-Gipfel: Anti-Amerikanismus wird in Nordkorea zum Auslaufmodell

Nach Singapur-Gipfel: Anti-Amerikanismus wird in Nordkorea zum Auslaufmodell
Propagandabilder gehören in Nordkorea zum Alltag. Doch nach dem Singapur-Gipfel lässt sich ein Wandel feststellen.
Das Tauwetter zwischen den USA und Nordkorea macht sich offenbar auch in Pjöngjangs Straßenbild und in den Souvenirläden der Demilitarisierten Zone (DMZ) bemerkbar. Reiseveranstalter mit langjähriger Nordkorea-Erfahrung sprechen von einem abrupten Wandel.

Über Jahrzehnte hinweg waren neben Südkorea die USA das zentrale Feindbild in der Agitation staatlicher Medien und anderer Multiplikatoren. Die anti-amerikanische Propaganda richtete sich dabei nicht nur an die eigene Bevölkerung, sondern auch an die wenigen Touristen, die Jahr für Jahr die Möglichkeit hatten, unter engmaschiger staatlicher Begleitung das isolierte Land zu besuchen.

Nordkorea übergibt den USA sterbliche Überreste von 200 Gefallenen im Koreakrieg (Symbolbild)

Mehrere Berichte aus jüngster Zeit lassen diesbezüglich nun eine deutliche Veränderung erkennen. Anti-amerikanische Propaganda sei demzufolge spätestens seit dem Gipfel zwischen den Staatsoberhäuptern Kim Jong-un und Donald Trump in Singapur weitgehend aus dem Straßenbild verschwunden. Die staatliche Agitation stellt stattdessen die Aussicht auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Mittelpunkt ihrer Botschaften.

Erfahrene Reiseanbieter bemerken bedeutsame Veränderungen

Westliche Reiseanbieter schildern etwa gegenüber Reuters, dass anti-amerikanische Souvenirs aus den Geschenkstuben auf der nordkoreanischen Seite der Demilitarisierten Zone (DMZ) verschwunden seien. Simon Cockerell, Geschäftsführer des seit 25 Jahren operierenden Nordkorea-Spezialisten Koryo Tours, erklärte, Briefmarken oder Postkarten mit feindseligen Botschaften gegen die Vereinigten Staaten von Amerika wären nicht länger zu haben:

Sie waren immer sehr gefragt, nicht sehr subtil, aber jetzt auf einmal sind sie alle weg.

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Rowan Beard, Reiseleiter von Young Pioneer Tours, sprach in seiner Schilderung von der "bedeutsamsten Veränderung", die er je an der Grenze gesehen habe.

In all den fünf Jahren, die ich jetzt in Nordkorea arbeite, habe ich sie [die US-feindlichen Souvenirs] nie vollständig verschwinden sehen.

Bessere Landwirtschaft und Sportgrößen statt Atomwaffen und Kampfansagen

Dieser Wechsel sei nach dem Gipfel von Singapur sehr abrupt erfolgt, so Beard:

Noch im April hielten die Marine der USA und Südkorea ein gemeinsames Manöver ab. Damit soll nach dem Willen des US-Präsidenten vorerst Schluss sein.

Wir hatten eine Gruppe, die drei Tage nach dem Gipfel von Pjöngjang aus in die DMZ reiste, und da bemerkten wir, wie sehr sich das Sortiment, das an die Touristen verkauft wird, verändert hat. Sie haben den Fokus weg vom Anti-Amerikanismus hin zur Verbesserung der Landwirtschaft, zum Sport und zur Stärkung der lokalen Wirtschaft verlagert.

Nicht nur an der Grenze, auch in der Hauptstadt sind die einst prominent vertretenen Anti-US-Poster verschwunden, dazu auch diejenigen, die für die nukleare Aufrüstung eintraten. NK Newsschrieb dazu:

Von 103 Fotos von Propagandabotschaften, die wir in ganz Pjöngjang und den Nachbarprovinzen angefertigt haben, waren nur zwei ihrer Natur nach gegen die USA gerichtet und zwei weitere hatten Nuklearwaffen oder Raketenstärken angepriesen.

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Eine Aussage, die Beards Einschätzungen bestätigt. Die Gespräche über die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel haben bezüglich dieses Trends den Ausschlag gegeben. Gelingt der von Trump und Kim in die Wege geleitete Prozess, kann Nordkorea auf ein Ende der Sanktionen und einen Anschluss an globale Wirtschaftsprozesse hoffen.

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