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Unfreiwillige Ausreise: Seoul soll Nordkoreaner 2016 zu einer inszenierten Flucht gezwungen haben

Unfreiwillige Ausreise: Seoul soll Nordkoreaner 2016 zu einer inszenierten Flucht gezwungen haben
Die Flagge Nordkoreas durch ein Fernglas nahe der DMZ; Südkorea, 24. April 2018.
Vor zwei Jahren flüchteten 13 nordkoreanische Restaurantarbeiter von China aus nach Südkorea. Die Flucht jedoch sei, so behauptet eine Gruppe von Anwälten aus Südkorea, erzwungen gewesen. Sie fordern nun Nachforschungen und Zugang zu den Geflüchteten.

Unter der Regierung von Park Geun-hye sollen sich, glaubt man den Vorwürfen einer Gruppe liberaler südkoreanischer Anwälte, der Minister für Wiedervereinigung und ein Geheimdienstchef schuldig gemacht haben, 12 nordkoreanische Arbeiterinnen eines gastronomischen Betriebs in der Volksrepublik China im Jahr 2016 gezwungen zu haben, zusammen mit ihrem Chef in den Süden zu flüchten. Die Anwälte entstammen der Vereinigung "Minbyeon", zu Deutsch: "Anwälte für eine demokratische Gesellschaft". Sie legten Beschwerde beim Zentralgericht in Seoul ein und fordern Nachforschungen gegen den ehemaligen nationalen Geheimdienstdirektor, Lee Byung-ho, den Minister für Wiedervereinigung, Hong Yong-pyo, und einen ehemaligen Geheimdienstler, der nur unter dem Nachnamen Chung bekannt ist.

Angedacht ist auch eine Beschwerde gegen die ihres Amtes enthobene Ex-Präsidentin Park und deren ehemaligen Staatschef Lee. 

Ji Seong-ho hebt seine Krücken unter Applaus in die Luft, Washington, D.C., USA, 30. Januar 2018.

Entführung aus dem Paradies?

Die angeblich erzwungene Flucht der Nordkoreaner hätte dem Wahlkampf gedient. Die 12 Frauen, die in einem nordkoreanischen Restaurant in China tätig waren, flüchteten im April 2016 zusammen mit ihrem Arbeitgeber. Pjöngjang forderte deren Rücktransport und beschuldigte Südkorea des Kidnappings für politische Zwecke. Vermutungen, dass es sich um eine Flucht unter Zwang gehandelt haben könnte, hielten sich hartnäckig, denn diese fiel in eine Zeit des Wahlkampfs.

Der Besitzer des Restaurants, Huh Kang-il, gab letzte Woche ein Fernseh-Interview, im welchen er angab, schon zuvor zusammen mit seiner Frau Fluchtpläne gehabt zu haben. Er wurde aber vom NiS, dem Nationalen Inlandsgeheimdienst Südkoreas, angewiesen, seine Angestellten mitzubringen. Eine der Mitarbeiterinnen Huhs sagte, sie hätte nicht gewusst, wohin die Reise ginge. Huh soll ihnen damit gedroht haben, den nordkoreanischen Behörden gegenüber zu melden, dass sie südkoreanische Seifenopern schauten, sollten sie sich weigern, ihm zu folgen. Die Reise führte zunächst in die südkoreanische Botschaft in Kuala Lumpur. 

Im Zentrum für nordkoreanische Flüchtlinge, welches vom NiS geführt wird, hätten die Geflüchteten keinen Rechtsbeistand erhalten, so die Anwälte Minbyeons.

Südkoreanische Soldaten überprüfen Grenzzäune nahe der DMZ, Südkorea, 12. Februar 2013.

Debatte um semantische Feinheiten

In den 1990er Jahren stieg die Zahl der Flüchtlinge aus Nordkorea mit der damaligen Hungersnot. Die häufigste Fluchtroute führt über den Nordosten Chinas und ein Drittland nach Südkorea. Zwischen der Volksrepublik und Nordkorea gilt ein Auslieferungsabkommen. Die Flucht der Restaurantmitarbeiterinnen aus Ningbo gilt als eine der spektakulärsten Fluchtgeschichten, da es sich um eine Gruppe handelt und keine Einzelfälle.

Jeder Versuch der Minbyeons, ein Interview mit den Geflüchteten zu führen, wurde bislang vereitelt. Alle Nordkoreaner erhielten nach einem Integrationskurs in südkoreanischer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Erlaubnis, sich im August 2016 in Südkorea anzusiedeln.

Es gibt in Südkorea unterschiedliche Bezeichnungen für die nordkoreanischen Migranten. Von dem Terminus "Talbukja" - Menschen, die aus Nordkorea flüchteten - verabschiedete sich die südkoreanische Politik im Jahr 2005 nach Beschwerden aus Pjöngjang. Heute werden diese Menschen oft als "Bukhanitalijumin" bezeichnet - "Bewohner, die auf Nordkorea verzichten". Der Terminus "Überläufer" wird von Nordkorea-Experten häufig kritisiert. Diese meinen, hinter Fluchtversuchen stünden weniger politische Beweggründe als vielmehr wirtschaftliche Not. Bezeichnend hierfür sei die Aussage eines geflüchteten Nordkoreaners in dem Dokumentarfilm "Camp 14". Dieser handelt von einem Jungen, der nichts anderes kannte als das Umerziehungslager, in dem er geboren wurde. Er wollte flüchten, so hieß es dort, um einmal in seinem Leben Fleisch zu essen. 

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