Afghanistan: Präsident Ghani macht Taliban Friedensangebot und bietet politische Anerkennung an

Afghanistan: Präsident Ghani macht Taliban Friedensangebot und bietet politische Anerkennung an
Der afghanische Präsident Aschraf Ghani, der indonesische Vize-Präsident Muhammad Jusuf Kalla and die afghanische First Lady Rula Ghani bei der Sicherheitskonferenz in Kabul, Afghanistan, 28. Februar 2018.
Aschraf Ghani will den seit mehr als 16 Jahren tobenden Krieg in seinem Land beenden. Als Weg zum Dialog bietet er den Taliban die politische Anerkennung im Land an. Dieses Vorhaben gab er zum Auftakt der internationalen Sicherheitskonferenz in Kabul bekannt.

Bislang bezeichnete der afghanische Präsident die Taliban stets als "Terroristen" und "Rebellen". Die Zahl der Opfer von Anschlägen, die den radikalen Islamisten zugeordnet werden, erreichte im vergangenen Jahr einen Höchstwert. Die afghanische internationale Sicherheitskonferenz mit Vertretern aus 25 Ländern, darunter auch Deutschland, die derzeit stattfindet, befasst sich nun mit Möglichkeiten zu einer friedlichen Zukunft für Afghanistan. Der afghanische Präsident scheint, um diese zu erreichen, keine andere Möglichkeit mehr zu sehen, als die Taliban anzuerkennen.

Weitreichende Zugeständnisse aus Kabul

Neben der politischen Anerkennung für die radikalislamischen Taliban bietet der afghanische Präsident der Gruppe auch die Freilassung von Gefangenen, eine Waffenruhe, ein Büro in Kabul und die Aufhebung von Sanktionen an, um den Weg für den Dialog frei zu machen. Dies gab der afghanische Präsident zum Auftakt der Sicherheitskonferenz bekannt: 

Wir machen dieses Angebot ohne Vorbedingungen, damit es danach in ein Friedensabkommen mündet. Von den Taliban wird erwartet, zum Friedensprozess beizutragen, das Ziel ist, die Taliban als Organisation zu Friedensgesprächen zu bewegen. 

Der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karzai in Moskau, Russland, 26. April 2017.

Mehr als 10.000 zivile Opfer gab es nach Angaben der "United Nations Assistance Mission in Afghanistan" 2017 infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen im Land, davon waren 3.438 Todesopfer. Die Gesamtopferzahlen gingen damit zurück, gleichzeitig stieg aber der Anteil der Opfer durch terroristische Attentate, diese trafen auch mehr Frauen und Kinder. Etwa 42 Prozent der Attentate gingen auf das Konto der Taliban, zehn Prozent waren IS-Gruppen zuzurechnen und zu 13 Prozent bekannten sich unterschiedliche Anti-Regierungseinheiten.

Taliban bauen Einfluss im Land stetig aus

Im letzten Halbjahr des Jahres 2017 bauten die Taliban ihre Kontrolle über Afghanistan aus. Im vergangenen Oktober kontrollierten die Taliban 17 Prozent des Landes. US-Präsident Donald Trump hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit noch zuversichtlich gezeigt, den Krieg gegen die Taliban zu gewinnen. 

Ghani wandte sich in seiner Rede an die Islamisten: 

Anführer der Taliban und alle Mitglieder: Die Entscheidung ist in euren Händen. Akzeptiert den Frieden. Kommt an den Verhandlungstisch und lasst uns dieses Land gemeinsam aufbauen.

Von den Taliban erwartet Ghani im Gegenzug die Anerkennung der afghanischen Gesetze. Eine Gruppe, die Frieden suche, werde er, so Ghani, nicht "vorverurteilen".