Gegen Nordkoreas Raketen: Japan sensibilisiert Bevölkerung mit Katastrophenübungen

Gegen Nordkoreas Raketen: Japan sensibilisiert Bevölkerung mit Katastrophenübungen
Demonstriert gegen die Zivilschutzübungen in Tokio, Japan, 22. Januar 2018.
Die heutigen Katastrophenübungen in Tokio galten dem Schutz der Zivilbevölkerung im Falle eines Raketenangriffs aus Nordkorea. Diese sind Teil einer Sensibilisierungskampagne, die den Weg für den Premier bereitet, sein Land weg von der pazifistischen Verfassung zu führen.

Zum 26. Mal finden in Japan Katastrophenübungen statt, die das Verhalten im Kriegsfall erproben und der Bevölkerung einmal mehr vor Augen führen sollen, dass eine Verfassungsänderung notwendig ist, um der nordkoreanischen Gefahr militärisch begegnen zu können. Das Verteidigungsbudget für dieses Jahr wurde bereits erhöht. Zum ersten Mal wurden die Übungen auch in U-Bahnstationen Tokios und einem Freizeitpark abgehalten. 

Übungen in der U-Bahn: 

Nicht bei allen Menschen fanden die Übungen Zuspruch. Demonstranten versammelten sich und sprachen sich gegen die geplante Änderung der Verfassung aus. Sie sprachen von Kriegstreiberei. Die Japan Times zitiert eine ältere Japanerin: 

Wenn eine Atomrakete Richtung Tokio flöge, dann könnten wir uns nirgends verstecken. Aber bisher ist Nordkorea nicht dumm genug, um auf den Knopf zu drücken." 

Hiroyuki Suenaga, Repräsentant des Kabinettsbüros, der die Übungen überwachte, erklärte auf die Nachfrage von Japan Times, was denn das Ziel der Übungen sei, es gehe einerseits um die Erziehung der Öffentlichkeit, wie man sich im Notfall zu verhalten habe, und andererseits um die Evakuierung der Bevölkerung innerhalb von fünf Minuten. Zwischen dem Start- und Einschlagszeitpunkt einer Rakete aus Nordkorea würden nur zehn Minuten vergehen. 

Narushige Michishita, Professor des Nationalen Graduierteninstituts für politische Studien, sagte dazu: 

Wenn die Menschen mental vorbereitet sind, ist es einfacher für die Regierung zu sagen: 'Wir werden uns nicht der nordkoreanischen Bedrohung ergeben.' Dies gibt dem Ganzen einen diplomatischen Vorteil.

Es gäbe laut Michishita drei Szenarien, in denen Nordkorea eine Rakete starten würde: Beim Versuch, Japan diplomatisch unter Druck zu setzen, bei einem Kriegsausbruch auf der koreanischen Halbinsel und bei einer Ausweglosigkeit für das "kommunistische Regime". 

Um 10 Uhr Ortszeit wurde im Freizeitpark Tokio Dome unter der Aufsicht von zahlreichen Journalisten eine Übung zur Evakuierung abgehalten. Aus den Lautsprechern tönte eine weibliche, automatisierte Stimme: 

Hier ist Tokio Dome Stadt. Eine Rakete wurde abgefeuert. Alle, die sich draußen befinden, begeben sich bitte ruhig in nahe gelegene Gebäude und Tunnel. Diejenigen, die sich drinnen befinden, bleiben bitte dort. 

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