Trump in Zentralasien: USA locken Kasachstan mit milliardenschwerer Energiekooperation

Trump in Zentralasien: USA locken Kasachstan mit milliardenschwerer Energiekooperation
US-Präsident Donald Trump hat den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew am Dienstag im Weißen Haus empfangen. Die USA versuchen mithilfe umfassender Energieprojekte über Kasachstan in Zentralasien Fuß zu fassen.

Im Rahmen des Besuchs einigten sich die USA mit Kasachstan darauf, mehr als 20 Verträge im Wert von mehr als 7,5 Milliarden US-Dollar mit Energiebezug abzuschließen. Laut einem Artikel des Nachrichtenportals New Europe verstärken die USA auf diesem Wege ihre Präsenz in Zentralasien. Noch am gleichen Tag traf sich Nasarbajew auch mit US-Energieminister Rick Perry und dem Präsidenten der Staatlichen Agentur für ausländische Privatinvestitionen, Ray Washburn.

Kasachstan ist für die USA besonders interessant, weil der Turkstaat eines der größten Ölförderländer nicht nur in Zentralasien ist, sondern auch in der Welt. Das Volumen der Ölförderung in Kasachstan betrug im Jahr 2017 über 86 Millionen Tonnen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte Anfang der Woche, dass Washington das Format zur Kooperation mit Zentralasien, auch C5+1 genannt, missbrauchen könnten. Der US-Kooperationsinitiative gehören Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan an.

2017 weiteten die Vereinigten Staaten und Kasachstan ihre bilaterale Energiepartnerschaft auf das Niveau eines Strategischen Energiedialogs aus. Die praktischen Diskussionen im Rahmen dieses Dialogs sollen 2018 beginnen. Das erweiterte Format bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer friedlichen Nuklearindustrie, von Technologien zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von Kohlendioxid, und es dient ferner der Stabilität der Energienetze sowie nuklearer Sicherheit und Nichtverbreitung.

Kasachstan sucht Partner zur Modernisierung des Energiesystems

Während eines Treffens mit Perry lobte Nasarbajew die Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und den USA im Öl- und Gassektor. Die US-Seite gelobte, Investitionen in die zentralasiatische Republik zu intensivieren. Der kasachische Präsident sprach mit den US-Wirtschaftsvertretern über die Umsetzung von neuen Projekten auf den Ölfeldern Tengis und Kaschagan, die zu den größten des Landes gehören.

Die Vereinigten Staaten beabsichtigen zudem, die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie fortzusetzen. Kasachstan eröffnete vergangenes Jahr mit großzügiger Unterstützung aus den USA eine Bank für schwach angereichertes Uran. Kasachstan ist ein führender Uranlieferant und produzierte 2016 mehr als 24.000 Tonnen Kernbrennstoff.

Die Parteien kamen ferner überein, im Bereich der Modernisierung des regionalen Energiesystems zusammenzuarbeiten. Die Vereinigten Staaten setzen dabei gezielt auf eine regionale Agenda für die gesamte Region Zentralasien, die traditionell enge Beziehungen zu Russland pflegt. Washington gewährt der kasachischen Regierung künftig Zugang zu Technologien und Projekten für die Wiedereingliederung des regionalen Energiesystems in Zentralasien. Ziel sei es, die Energiesicherheit und wirtschaftliche Stabilität zu verbessern sowie kommerzielle Investitionen zu fördern, heißt es laut Medienberichten.

Mehr als 50 Milliarden von US-Ölgesellschaften investiert

US-Ölgesellschaften haben seit der Unabhängigkeit Kasachstans mehr als 50 Milliarden US-Dollar in das Land investiert. Das Kabinett Trump hat die Stärkung der internationalen Position der USA im Energiegeschäft ganz weit oben auf die eigene Agenda geschrieben. Dazu zählt auch, die Kooperation mit Kasachstan zu stärken und eine starke Position auf den geografisch geschlossenen Märkten Zentralasiens zu schaffen.

Der Direktor des Zentrums für Zentralasien- und Afghanistan-Studien (CIPACA), Andrej Kasantsew, wies in einem Interview mit dem russischen Nachrichtenportal EA Daily darauf hin, dass bei dem Treffen auch die US-Militärpräsenz in Afghanistan eine erhebliche Rolle spielte.

"Präsident Donald Trump sieht sich mit sehr ernsten Problemen konfrontiert, die mit der Lage in Afghanistan zusammenhängen. Tatsächlich gibt es keine US-Politik in Bezug auf Afghanistan mehr", sagte Kasantsew und fügte hinzu:

Es gibt allerhöchstens eine Politik des Militärs, die darauf abzielt, eine militärische Präsenz aufrechtzuerhalten. Andernfalls wird alles, was sie dort in den letzten Jahren aufgebaut haben, zusammenbrechen. Deshalb ist USA natürlich an Kontakten mit Kasachstan interessiert.

Chevron und ExxonMobil traten 1993 in den kasachischen Markt ein und waren die ersten großen Ölgesellschaften, die in der ehemaligen Sowjet-Republik investierten.

Felder Tengiz und Kashagan von Interesse für US-Großunternehmen

Chevron unterzeichnete einen richtungsweisenden Vertrag über einen Zeitraum von 40 Jahren zur Erschließung eines großen Tengiz-Feldes, und im Laufe der Jahre hat das Unternehmen Dutzende Milliarden US-Dollar in die Öl- und Gasförderung in Kasachstan investiert.

Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 20,2 Milliarden US-Dollar weitet ExxonMobil stetig seinen Einfluss auf die kasachische Energieproduktion aus. Dabei liegt der Fokus auf der Offshore-Exploration des Kashagan-Feldes sowie in der Entwicklung, der Produktion und dem Transport von Öl und Gas.

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