Im Auftrag Pjöngjangs: Australier versuchte, nordkoreanische Raketenteile zu verkaufen

Im Auftrag Pjöngjangs: Australier versuchte, nordkoreanische Raketenteile zu verkaufen
Kim Jong-un inspiziert eine nordkoreanische Rakete vom Typ Hwasong-15, Nordkorea.
Rund 90 Prozent nordkoreanischer Exportgüter sind von Sanktionen betroffen. Ein Australier wurde verhaftet, der als Wirtschaftsvertreter Nordkoreas agierte und im Auftrag der nordkoreanischen Regierung versuchte, Raketenteile und andere Militärtechnik zu veräußern.

Sanktionen gegen die DPRK sollen das Land von dessen Atomwaffenprogramm abbringen. Im Jahr 2003 zog Nordkorea seine Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrags zurück. Als Grund gab die Regierung die US Aggressionen an. Der Vertrag verbietet die Verbreitung von Kernwaffen und verpflichtet, die Kernenergie nur friedlich zu nutzen. Seither wurden Raketentests Nordkoreas mit Sanktionen abgestraft. 

Chan Han Choi (59) wurde am Sonntag in Sydney festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, UN-Sanktionen und das australische Gesetz verletzt zu haben, indem er im Auftrag Nordkoreas Handel betrieb. Der Handel belief sich auf Raketenteile, Software zur Raketensteuerung und weitere nicht spezifizierte Militärtechnik. Choi lebte seit über 30 Jahren in Australien. Sein Geburtsort soll Südkorea sein. Es gäbe Beweise, dass Choi in Kontakt mit hochrangigen Regierungsvertretern Pjöngjangs gestanden habe. Neil Gaughan von der australischen Polizei sagte, Choi "besprach die Lieferung von Massenvernichtungswaffen" im Bezug auf die Raketenteile: 

Wir sind der Meinung, er agierte als Wirtschaftsagent im Auftrag Nordkoreas. Er machte es aus patriotischem Interesse. Ich denke, am Ende des Tages verkaufte er, was er konnte, um für die nordkoreanische Regierung Gelder einzutreiben." 

Nordkoreanische Soldaten patrouillieren an der Grenze nahe der nordkoreanischen Stadt Sinuiju, Nordkorea, 31. März 2017.

Bei einer Schuldigsprechung könnten Choi zehn Jahre Haft drohen. Nordkorea hat keine Botschaft mehr in Australien. Im Jahr 2013 bat Pjöngjang um die Wiedereröffnung einer diplomatischen Vertretung in Australien, aber die australische Regierung kam der Bitte nicht nach. Als 2003 ein nordkoreanisches Frachtschiff vor Australien auf Grund lief, führte dies zu einem Bruch der Beziehungen. An Bord wurden rund 124 Kilogramm Heroin gefunden. Für Australien war dies ein Beweis, wie Nordkorea versucht, im Ausland an Gelder zu gelangen. Fünf Jahre danach musste die Botschaft schließen. 

Die zuletzt erlassenen UN-Sanktionen, die auch den Textilexport Nordkoreas betreffen, der zweitgrößte Exportsektor nach der Kohle, werden das Land 800 Millionen Dollar pro Jahr an Einnahmen einbüßen lassen. Die Sanktionen betreffen jetzt 90 Prozent von Pjöngjangs Exportprodukten. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in erließ im September acht Millionen Dollar an humanitärer Hilfe für nordkoreanische Kinder und schwangere Frauen. Russland und China legten bei der letzten Sanktionsabstimmung ein Veto ein. Sie fürchten diese könnten eine humanitäre Katastrophe auslösen.