Nordkorea-Krise: Russische Militärdelegation trifft in Pjöngjang ein

Nordkorea-Krise: Russische Militärdelegation trifft in Pjöngjang ein
In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang traf am Dienstag eine russische Militärdelegation ein, um Wege zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts auszuloten.
Erneut ist eine russische Delegation in Nordkorea eingetroffen. Die Vertreter des Verteidigungsministeriums suchen nach Wegen, die Krise auf dem Weg des Dialoges zu lösen. Nun äußerte auch Washington seine Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit Pjöngjang.
Nordkoreanische Soldaten patrouillieren an der Grenze nahe der nordkoreanischen Stadt Sinuiju, Nordkorea, 31. März 2017.

Abgesandte des russischen Verteidigungsministeriums sind in der nordkoreanischen Hauptstadt eingetroffen. Es ist der zweite Besuch russischer Vertreter innerhalb von zwei Wochen. Die Delegation wird von Viktor Kalganow geführt, dem stellvertretenden Direktor des russischen Kommandozentrums für Nationale Verteidigung. Sie befindet sich seit Dienstag in dem ostasiatischen Land und soll bis Ende der Woche in Pjöngjang bleiben.

Das russische Militär hat sich zu dieser Mission nicht geäußert. Das Außenministerium erklärte jedoch, dass Moskau „jede Gelegenheit zur direkten Kommunikation“ nutze und dies auch weiterhin tun werde, auch mit Hilfe des Verteidigungsministeriums. „Nordkorea ist unser Nachbar, wir müssen die Beziehungen zu diesem Land ausbauen“, sagte der stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow während eines Briefings am Mittwoch. „Der politische Dialog ist äußerst wichtig“, fügte er hinzu.

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Nordkorea-Krise: Russische Militärdelegation trifft in Pjöngjang ein
Die von Viktor Kalganow (zweiter von links) geführte Delegation nach ihrer Ankunft in Pjöngjang.

Das russische Militär sei nach Pjöngjang gereist, um eine Lösung der Krise in der Region in Gang zu setzen, sagte der stellvertretende Leiter des Öffentlichen Rates des Verteidigungsministeriums, Alexander Kanshin, gegenüber Interfax:

Das Ziel der militärischen, politischen und diplomatischen Bemühungen ist klar: Alle Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren, und von einer provokativen und bedrohlichen militärischen Rhetorik sowie Demonstrationen der Stärke Abstand nehmen.

Kanshin wies darauf hin, dass solche Missionen Teil eines von Moskau und Peking vorgeschlagenen Fahrplans sind, der bei der Lösung der angespannten Lage auf Dialog setzt. Der sogenannten „Double Freeze“-Plan sieht vor, dass die USA und Südkorea von größeren militärischen Übungen absehen. Im Gegenzug soll Pjöngjang sein Atom- und Raketenprogramm aussetzen. Washington lehnt diesen Vorschlag bislang jedoch ab.

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Patriot ist ein multifunktionales Waffensystem, das nicht nur gegen mehrere, niedrig und/oder hochfliegende Flugzeuge gleichzeitig eingesetzt werden kann, sondern auch gegen ballistische Raketenangriffe.

Washington setzt trotz Dialogangebot weiter auf militärische Einschüchterung

Moskau hat wiederholt erklärt, dass nur diplomatische Bemühungen die Krise lösen können. Laut russischen Abgeordneten, die jüngst in Nordkorea waren, ist Pjöngjang zu Gesprächen bereit, wenn es als Atommacht anerkannt wird. Nordkorea könne sich demnach vorstellen, mit den USA an einem Verhandlungstisch zu sitzen, wenn Russland als dritte Partei Platz nimmt.

Während die russische Delegation in Pjöngjang weilt, hat Washington eine Kehrtwende bezüglich seiner harten Haltung gegenüber dem Land vollzogen. Außenminister Rex Tillerson kündigte an, die USA seien nun zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit. Russland begrüßte die neue Tonlage, wobei der stellvertretende Außenminister Rjabkow darauf hinwies, dass die Vereinigten Staaten zuvor alle direkten Kontakte mit Pjöngjang als „abnormal“ betrachtet hatten.

Gleichzeitig setzen die USA weiterhin auf eine Demonstration der Stärke und halten an der Fortsetzung von militärischen Übungen in der Nähe der koreanischen Halbinsel fest. Die jüngsten Manöver zählen zu den bisher größten militärischen Übungen, die sich gegen Nordkorea richten.

„Unglücklicherweise setzen die USA ihre nicht-konstruktive Linie fort, die auf den militärischen Aufbau in Nordostasien abzielt“, sagte am Mittwoch die Sprecherin des russischen Außenministeriums Marija Sacharowa. Sie bekräftigte den Aufruf Moskaus an alle involvierten Parteien, von Maßnahmen abzusehen, die zu einer Eskalation der Krise führen.

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