Nanking: 80 Jahre nach dem Massaker an Chinesen, das Peking und Tokio weiter entzweit

Nanking: 80 Jahre nach dem Massaker an Chinesen, das Peking und Tokio weiter entzweit
Ein chinesischer Wachmann vor der Gedenkstätte für die Opfer von Nanking, China, 13. Dezember 2012.
Ab 13. Dezember 1937 verübte Japans Armee ein Massaker an der chinesischen Bevölkerung von Nanking. Die genauen Opferzahlen sind strittig, die Rede ist von mindestens 200.000. Die dort begangenen Gräueltaten belasten weiter das Verhältnis beider Länder.

Den zweiten japanisch-chinesischen Krieg läutete ein Feuergefecht an der Marco-Polo-Brücke in Shanghai ein. Die Japaner versuchten die Stadt einzunehmen und verloren 200.000 Soldaten in den Kämpfen. In Japan führen das Nanking- (oder Nanjing-)Massaker und dessen geschichtliche Aufbereitung immer wieder zu Diskussionen. Es wird auch als der Holocaust Chinas bezeichnet. 

Der damalige japanische Kaiser Hirohito sprach sich gegen das Haager Abkommen aus, Kriegsgefangene nahm die japanische Armee nur selten. Beim Einmarsch der japanischen Soldaten in Nanking flüchteten viele der Einwohner und auch viele der dort lebenden Ausländer. Letztere richteten mehrere Sicherheitszonen ein. Unter den Initiatoren der Sicherheitszonen war auch ein Deutscher, John Rabe, der als "Oskar Schindler Chinas" in die Geschichte einging.

Der japanische Kaiser Akihito (L) an der Seite seiner Frau, Kaiserin Michiko, in Hanoi, Vietnam, 02.März, 2017

Gräueltaten machten vor Frauen und Kindern nicht halt

Am 8. Dezember 1937 trafen die Japaner ein. Flugblätter sollten Bewohner und Soldaten davon überzeugen, die Stadt an die Japaner zu übergeben. Es folgten japanische Bombardierungen und schließlich zogen sich die chinesischen Truppen aus der Stadt zurück. Die Japaner besetzten Nanking vor 80 Jahren, am 13. Dezember 1937. Was folgte, waren Gräueltaten gegen die Bevölkerung, die auch vor Kindern nicht haltmachten. 

Chen Guanyu, Leiter einer juristischen Untersuchungskommission in Nanking: 

Nach deren Aussagen schnitten die marodierenden japanischen Soldaten Frauen die Brüste ab, nagelten Kinder an Wände oder rösteten sie über offenem Feuer. Sie zwangen Väter, ihre eigenen Töchter zu vergewaltigen und kastrierten chinesische Männer. Sie häuteten Gefangene bei lebendigem Leib und hängten Chinesen an ihren Zungen auf.

Ein japanischer Kriegsveteran:

Es war üblich, einer jungen Frau, nachdem sie von der Gruppe vergewaltigt worden war, eine Flasche in die Vagina zu stecken, und die Frau dann, indem man die Flasche in ihr zerstörte, zu töten.

Der Augenzeuge Xia Ruirong:

Eines Tages schleppten sie dort eine etwa 20-jährige, sehr hübsche Frau herein. Zwölf Soldaten brachten sie in ein leeres Zimmer im Keller, belästigten sie mit anzüglichen Bemerkungen, rissen ihr die Kleider vom Leib und vergewaltigten sie. Von morgens um fünf bis sechs Uhr abends.

Rund 80.000 chinesische Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und ermordet, andere wurden zu Zwangsprostituierten gemacht. Der japanische Soldat Tadokoro Kozo in seinen Aufzeichnungen:

Vierer-Handschlag: Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera, Außenminister Tarō Kōno, US-Außenminister Rex Tillerson und US-Verteidigungsminister James Mattis (v.l.n.r.) bei einem Treffen in Washington am 17. August.

Zu dieser Zeit war die Kompanie, zu der ich gehörte, in Xiaguan stationiert. Wir benutzten Stacheldraht, um die gefangenen Chinesen zu Zehnerbündeln zusammenzuschnüren und banden sie an Gestelle. Dann schütteten wir Benzin auf sie und verbrannten sie lebendig. Ich fühlte mich, als würden wir Schweine töten.

China sieht in Japan anhaltende Verharmlosung des Massakers

Anlässlich des 80. Jahrestages produzierten Chinesen und US-Amerikaner gemeinsam ein einstündiges Doku-Drama unter dem Titel "Narben von Nanking". Es ist das erste Mal, dass ein Film zu diesem Thema im westlichen Mainstream-TV gezeigt wird, schreiben chinesische Medien. Im Zentrum der Erzählung stehen die Heldentaten amerikanischer Missionare, die chinesische Zivilisten schützten. Herstellerfirmen waren A+E Networks und die Jiangsu Broadcasting Corporation. Die Premiere findet am 13. Dezember auf dem "History Asia"-Kanal in den USA statt.

Konservative Stimmen in Japan sprechen in Bezug auf Nanking von einer Übertreibung der Ereignisse. Manche leugnen die Geschehnisse gänzlich. Die chinesische Seite hingegen ist der Ansicht, dass Japan sich nicht hinreichend zu den Kriegsverbrechen bekannt hat. Der Besuch des Yasukuni-Tempels in Tokio führt immer wieder zu Protesten in China. Dort werden gefallene Soldaten geehrt, darunter auch mutmaßliche Kriegsverbrecher. Noch 80 Jahre nach den Ereignissen gibt es eine Petition, um die Japaner dazu zu bewegen, sich zu den Verbrechen zu bekennen. Gleichzeitig ergeht die Forderung an die Amerikaner, Druck auf Japan auszuüben. 

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