Indien: Regionalparlament ermöglicht Todesstrafe für Vergewaltiger junger Mädchen

Indien: Regionalparlament ermöglicht Todesstrafe für Vergewaltiger junger Mädchen
Die parlamentarische Versammlung des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh hat am Montag ein Gesetz verabschiedet, das Personen, die sich der Vergewaltigung eines Mädchens im Alter von bis zu 12 Jahren schuldig gemacht haben, mit der Todesstrafe bedroht.

Dand Vidhi (Madhya Pradesh Sansodhan) Vidheyak, 2017: Das ist der Name des Gesetzesentwurfs, den das Parlament der Region nun der indischen Zentralregierung und dem Präsidenten zur Genehmigung vorgelegt hat. Das berichtet das Portal International Business Times (IBTimes).

Indisches Gericht stuft Sex mit minderjähriger Gattin als Vergewaltigung ein (Symbolbild)

Sobald der Entwurf unterzeichnet und kundgemacht ist, wird die Regelung in dem Bundesstaat, den die konservative Bharatiya Janata Party (BJP) regiert, zum Gesetz. Die Bestätigung des Gesetzes wird wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen, so IBTimes, da die Zentralregierung von der National Democratic Alliance gestellt wird, innerhalb derer die BJP ebenfalls die treibende Kraft ist. Der amtierende Präsident Indiens, Ram Nath Kovind, gehört ebenso wie Premierminister Narendra Modi den Hindu-Nationalisten an.

Was der Entwurf besagt

Tritt das angestrebte Gesetz tatsächlich in Kraft, würde dies eine extrem strenge Bestrafung für Personen bedeuten, die für schuldig befunden werden, Mädchen im Alter von 12 Jahren oder jünger vergewaltigt zu haben. Als Minimalstrafe für dieses Delikt ist im Entwurf von 14 Jahren strenger Haft die Rede. In Fällen, in denen eine derartige Vergewaltigung durch eine Gruppe geschieht, soll die Mindeststrafe für jeden Beteiligten bis zu 20 Jahre Gefängnis betragen.

Der Gesetzentwurf fordert auch eine strenge Bestrafung für Personen, die für schuldig befunden werden, Mädchen entkleidet, belästigt oder sie im Namen der Ehe sexuell ausgebeutet zu haben. Im Fall wiederholter Tathandlungen im Sinne von Delikten, die nach der Bestimmung ursprünglich mit geringeren Strafen bedroht sind, kann ein Qualifikationstatbestand greifen, der auch die Verhängung einer schwereren Sanktion ermöglicht.

Politische Reaktion auf Vielzahl an Übergriffen

Beobachter gehen davon aus, dass die jüngste Veröffentlichung der Daten über schwere Sexualdelikte im Land durch das National Crime Records Bureau (NCRB) die Einführung strengerer Strafsanktionen nach sich gezogen hat. Aus diesen ging hervor, dass sich in Madhya Pradesh landesweit die meisten Vergewaltigungen ereignen.

Was jedoch nahezu sicher ist, ist die Tatsache, dass der Gesetzentwurf auf die Massenvergewaltigung einer 19-jährigen jungen Frau folgte, der Tochter eines Polizeibeamten, zu der es am 31. Oktober in einem belebten Stadtteil von Bhopal gekommen war.

Der Ministerpräsident des Bundesstaates, Shivraj Singh Chouhan, sagte nach der Verabschiedung des Gesetzes in der Regionalversammlung:

Menschen, die 12-jährige Mädchen vergewaltigen, sind keine Menschen, sondern Dämonen. Sie haben kein Recht zu leben.

Er fügte hinzu, dass sogar wiederholtes Stalking einer strengen Bestrafung unterliegen sollte.

Indische Kung-Fu Nonnen trainieren in Ladakh, Indien, 17. August 2017.

Gesellschaftsexperimente der Vergangenheit als Risikofaktor heute

Seit Jahren erregen in Indien brutale Fälle von Vergewaltigungen, in vielen Fällen in Gruppen begangen und mit Todesfolge, die Gemüter.

Dass Indien besonders stark von diesen Übergriffen heimgesucht wird, erklären manche Beobachter damit, dass insbesondere in der Ära Indira Gandhis forcierte Gesellschaftsexperimente und Geburtenkontrollprogramme, teils in Zusammenarbeit mit der UNO, zu einem eklatanten Missverhältnis zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung geführt hätten.

Auch in Madhya Pradesh ist dieses Phänomen zu beobachten. Dem Zensus 2011 zufolge sind 37,6 Millionen Einwohner des Bundesstaates männlichen Geschlechts, demgegenüber leben dort nur knapp über 35 Millionen Frauen. In entwickelten Industriestaaten leben regelmäßig mehr Frauen als Männer. Die Wahrscheinlichkeit für Inder im heiratsfähigen Alter, eine Ehefrau zu finden, ist dementsprechend geringer.

Einzig unter den Christen, wo der Schwangerschaftsabbruch am stärksten verpönt ist, ist auch im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh die Anzahl der Frauen höher als jene der Männer.

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