Gegen US-Militärpräsenz: Okinawa-Gouverneur fordert Kehrtwende japanischer Regierung

Gegen US-Militärpräsenz: Okinawa-Gouverneur fordert Kehrtwende japanischer Regierung
Die Einwohner Okinawas fürchten sich zunehmend vor den dort stationierten US-Soldaten. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit betrunkenen Militärangehörigen. Der Gouverneur der japanischen Insel verlangt von Tokio, etwas dagegen zu unternehmen.

Während eines Treffens zwischen dem japanischen Gouverneur der Insel Okinawa, Takeshi Onaga, und dem Außenminister Taro Kono am Samstag forderte der Gouverneur eine Politikänderung der Regierung in Tokio. Die japanischen Kyodo-Nachrichten zitierten Onaga: 

US-Marinesoldaten auf Okinawa, Japan, 15. September 2010

Die Menschen auf Okinawa sind schockiert und leiden unter erheblichen Angstzuständen.

Das Aufenthaltsrecht des US-Militärs, geregelt durch das SOFA-Abkommen, müsse abgewandelt werden, so Onaga. Das Treffen folgte auf den Urteilsspruch gegen einen US-Marinesoldaten, der nach der Vergewaltigung und dem Mord an einer Japanerin auf Okinawa zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Nach der Tat hatten rund 50.000 Menschen auf der südlichen Insel gegen die Präsenz von US-Soldaten protestiert.

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Letzten Monat kam eine 61 Jahre alte Frau durch einen Autounfall ums Leben, nachdem ein US-Marinesoldat seinen Militärlastwagen in das Fahrzeug der Frau steuerte. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass er unter Alkoholeinfluss stand. Sein Alkoholpegel war dreimal höher als erlaubt. 

Auf die Verstöße folgt gewöhnlich ein zeitlich begrenztes Alkoholverbot für die Soldaten. In einem Interview mit RT Deutsch schilderte der Okinawa-Bewohner Tamio Ota, wie groß die Sorge der Bürger wegen der Soldaten ist. Viele der Soldaten seien traumatisiert durch die Kriege im Nahen Osten und versuchten, ihre Sorgen im Alkohol zu ertränken. Ota kritisierte die japanische Regierung, zu wenig in dieser Angelegenheit zu unternehmen.

Onaga kritisiert "unfaires" Verhältnis zu Washington

Zur Stimmung in der Bevölkerung sagte Gouverneur Onaga: "Wir können unsere Empörung nicht zurückhalten." Die Regionalregierung habe die US-Streitkräfte wiederholt dazu angehalten, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Die Absprache mit Washington bezeichnete er als "unfair". Diese beschütze Bedienstete des Militärs vor Strafverfolgung, so Onaga während seines Treffens mit Außenminister Kono. Dieser entgegnete: 

Wir wollen verbessern, was wir verbessern können.

Der Außenminister bat den Generalleutnant Lawrence Nicholson, Kommandeur der US-Streitkräfte auf Okinawa, auf die jüngsten Vorfälle zu reagieren. Nicholson sagte dazu am Wochenende: 

Wir verstehen unsere Verpflichtung gegenüber der Gemeinde in Okinawa, und wir können es auch besser machen. Wir werden uns weiterhin mit unserem Verhalten, unseren Handlungen und der Art und Weise, wie wir unser Land repräsentieren, auseinandersetzen.

Derzeit befinden sich rund 50.000 Angestellte des US-Militärs auf Okinawa.

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