Abdankung des Japanischen Kaisers - Ende der Ära "Frieden schaffen"

Abdankung des Japanischen Kaisers - Ende der Ära "Frieden schaffen"
Der japanische Kaiser Akihito (L) an der Seite seiner Frau, Kaiserin Michiko, in Hanoi, Vietnam, 02.März, 2017
Der japanische Kaiser Akihito wird aufgrund seines fortgeschrittenen Alters abdanken. Es ist das erste Mal in 200 Jahren, dass ein japanischer Kaiser abdankt. Seine Regentschaft stand unter dem Namen Heisei (Frieden schaffen), damit endet diese Ära und ist Sinnbild für die Pläne der Regierung.

Den Weg zur Abdankung hatte ein Gesetz des japanischen Parlaments ermöglicht, nachdem der 83-jährige Kaiser Akihito darum gebeten hatte. Der Rücktritt wird voraussichtlich am 30. April erfolgen, Kronprinz Naruhito (57) besteigt am 1. Mai den Thron, so der vorläufige Termin. Seit 1998 war Akihito Kaiser, der im japanischen Tenno genannt wird. Das der Tenno nicht allein seinen Rücktritt festlegen kann, zeigt die formelle Regentschaft. Der Vater Akihitos, Kaiser Hirohito, war ein Symbol der Stärke des japanischen Militärs. Für die Japaner galt er als gottgleiche Figur. 

Da mit dem Ende seiner Amtsjahre auch eine neue Zeitrechnung beginnt, wurde lange um das Abdankungsdatum gerungen. Die Periode "Heisei" (Frieden schaffen) endet hiermit. Die Veränderung einer Ära ist signifikant für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Japan. Dies hat Auswirkungen auf Kalender, offizielle Dokumente und Computerprogramme. Der April schien besonders geeignet, da sich in diesem Monat neue Studenten an Universitäten einschreiben und einen ersten Arbeitsplatz antreten. In Japan gilt er als ein Synonym des Neubeginns. 

Donald Trump inspiziert seine Krawatte, Washington, USA, 17. November 2017

Das besondere Gremium zur Abdankung des japanischen Kaisers wurde von Premierminister Shinzo Abe geleitet. Der Chrysanthementhron ist die weltweit älteste Monarchie. Alle möglichen Erben nach dem Kronprinz sind, bis auf einen, weiblich. Frauen dürfen bisher nicht den Thron erben. Die Verfassung der Nachkriegszeit schreibt vor, dass der Kaiser pazifistisch ist und eine symbolhafte Figur ohne politische Macht. Akihito entsprach dieser Rolle und ist beim japanischen Volk beliebt. 

Der japanische Premierminister Shinzo Abe plant sein Land, in eine neue Zeit zu führen, mit der die pazifistische Ära endet. Er will die Verfassung, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Amerikaner diktiert wurde, abändern. Auch diesmal unterstützen ihn hierbei die USA. Zwar finden in der Bevölkerung Proteste gegen die Aufrüstung statt, aber Abe gelingt es, die Bedrohung durch Nordkorea für seine Zwecke zu nutzen. 

Eine Verfassungsänderung würde Japan erlauben, in den Krieg einzutreten. Schon jetzt wird diskutiert, ob ein Schlag gegen Nordkorea nicht verfassungsgemäß sei, denn es ließe sich argumentieren, dass es sich um eine Gegenwehr handelt. Durch vorgezogene Neuwahlen bestätigte sich Abe im Amt, so lange die Gefahr aus Pjöngjang noch eminent erschien.

Zum 70-jährigen Kriegsende sagte Kaiser Akihito: 

Ein Blick in die Vergangenheit - mit großer Reue über die Vergangenheit - bete ich, dass sich diese Kriegstragödie nicht wiederholt, und gemeinsam mit den Menschen äußere ich mein tiefstes Mitgefühl für diejenigen, die im Kampf und im Zuge der Verwüstung des Krieges umgekommen sind."

Sein Sohn gibt sich in öffentlichen Äußerungen ebenso pazifistisch. Aber Shinzo Abe wird den Machtwechsel auf dem Chrysanthementhron  versuchen zu nutzen.