"Russland wird von einem Krieg gegen Nordkorea nicht überrascht sein, da es sich darauf vorbereitet"

"Russland wird von einem Krieg gegen Nordkorea nicht überrascht sein, da es sich darauf vorbereitet"
Moskau bereitet sich auf einen möglichen Kriegsausbruch auf der koreanischen Halbinsel vor, um im Fall der Fälle nicht überrascht zu werden. Das sagte der Chef des russischen Sicherheitsrates, der sich aber für eine diplomatische Lösung der Krise ausspricht.

Der Abschuss der Hwasong-15-Rakete am Mittwoch in Nordkorea hat die Kriegsgefahr noch einmal befördert. Pjöngjang hatte bei dieser Gelegenheit erklärt, die Rakete könne „das gesamte Festland der USA“ treffen. Der Raketentest habe die Welt „näher an einen Krieg“ gebracht, lautete die Reaktion aus Washington. 

Ein Mitglied der 77. Bomberstaffel der US-Airforce bei der Verladung von 82 Bomben in einen B-1B Bomber auf der Luftwaffenbasis Fairford.

Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates Russlands erklärte, Moskau habe seine Optionen abgewogen, sollte der Krieg der Worte in einem bewaffneten Konflikt münden. Gegenüber RIA Novosti sagte Nikolai Patruschew am Freitag: 

Wir führen Berechnungen durch und bereiten uns vor. Es wird für uns keine Überraschung sein."

Während ein Krieg inzwischen nicht mehr auszuschließen sei, müsse er um jeden Preis verhindert werden. Insbesondere Russland habe kein Interesse an einem militärischen Konflikt, da es direkt an Nordkorea angrenzt, so Patruschew.

Wenn es zu militärischen Aktionen kommt, und Sie wissen, dass bestimmte Länder dies nicht ausschließen, dann kann es zu einer Reihe unterschiedlicher Probleme kommen, auch für uns“, sagte er.

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Washington von Kriegsrhetorik erfasst

Patruschew betonte, Moskau sehe einzig in der Diplomatie eine Lösung der Krise. Nach dem jüngsten Raketentest übt sich Washington zunehmend in einer kriegerischen Rhetorik. So sagte der Senator Lindsay Graham, Washington habe keine andere Wahl als eine militärische Option, sollten sich „die Dinge nicht ändern“ – auch wenn dabei „viele Menschen verletzt und getötet werden“.

Im Fall eines Kriegsausbruchs werde „das nordkoreanische Regime völlig zerstört“, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. US-Präsident Donald Trump hatte bereits in seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September damit gedroht, das asiatische Land „völlig zu zerstören“.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow am 30. November 2017 in Minsk.

Russland hat die USA, ihre Verbündeten sowie Nordkorea wiederholt aufgefordert, von der Konfrontation Abstand zu nehmen und Chinas sogenannten „Double Freeze“-Plan zu akzeptieren. Dieser sieht vor, dass die USA und Südkorea von größeren militärischen Übungen absehen. Im Gegenzug soll Pjöngjang sein Atom- und Raketenprogramm aussetzen. Washington lehnt diesen Vorschlag bislang jedoch ab.

Im Vorfeld des jüngsten Raketentests hatte der US-Präsident Nordkorea auf die Liste der Staaten gesetzt, die Terrorismus fördern. Zudem hatte Trump angekündigt, weitere Sanktionen gegen das weitgehend isolierte Land umzusetzen.

Moskau will Beziehungen zu Pjöngjang nicht kappen

Russlands Außenminister Sergei Lawrow warf den USA am Donnerstag vor, nach einem Vorwand für einen Krieg zu suchen. US-Kollegen hätten ihm gesagt, dass die nächsten Militärübungen in der Region erst im kommenden Frühjahr stattfänden. Tatsächlich habe Washington stattdessen zwei Übungen im Oktober und November abgehalten und damit eine Reaktion von Pjöngjang provoziert.

Moskau sprach sich auch gegen die von Washington erhobene Forderung aus, sämtliche Verbindungen zu Nordkorea zu kappen. Eine solche Maßnahme sei zwar „das Einfachste, was man tun kann“, würde die Lage in der Region aber nur verschlimmern.

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