Angst vor Kriegsbeginn: Deutsche Sportler zögern mit Teilnahme an Winterolympiade 2018 in Südkorea

Angst vor Kriegsbeginn: Deutsche Sportler zögern mit Teilnahme an Winterolympiade 2018 in Südkorea
Das Maskottchen der Winterolympiade "Soohorang" neben der Ehrenbotschafterin Kim Yuna in Gangneung, Südkorea, 9. Februar 2017
Im Februar 2018 beginnt die Winterolympiade im südkoreanischen Pyeongchang. Doch deutsche Wintersportler fürchten sich vor der Eskalation des Konflikts und überlegen ernsthaft, der Olympiade fernzubleiben, selbst um den Preis vergeblicher Trainingsvorbereitung.

Die Südkoreaner kennen es nicht anders. Der Konflikt des geteilten Landes endete nach dem Korea-Krieg in einem Waffenstillstand und keinem Friedensschluss. Spannungen sind für sie der Status-quo. Während die Presse den Weltuntergang durch nordkoreanische Raketen propagiert, sorgen sich die Menschen in Südkorea über das Alltägliche: die Sicherung ihres Arbeitsplatzes, die Ausbildung ihrer Kinder und in einer sehr wettbewerbsgeprägten Gesellschaft einen gewissen Grad an Wohlstand zu erreichen. 

Südkorea bewarb sich um die Winterolympiade unter dem Motto: "Neue Horizonte". Der südkoreanische Präsident hatte angekündigt die diesjährigen Winterspiele in PyeongChang zu einer Bühne des Dialogs zwischen Nord- und Südkorea zu machen und neue Wege zu begehen, um der Diplomatie wieder eine Chance zu geben. Denn hier, so der Präsident, liegt der Fokus auf dem sportlichen Wettbewerb, abseits der Politik. Gelegen in der Gangwon-do Provinz zeichnet sich der Austragungsort durch luxuriöse Skiresorts und gute Wintersportmöglichkeiten aus. Die Spiele sind für den 9. bis 25. Februar 2018 angesetzt. Athleten aus 88 Ländern werden gegeneinander antreten. Die paralympischen Spiele finden vom 9. bis 19. März statt. 

Ein Mitglied der 77. Bomberstaffel der US-Airforce bei der Verladung von 82 Bomben in einen B-1B Bomber auf der Luftwaffenbasis Fairford.

Das Maskottchen der Olympiade Soohorang, der weiße Tiger, ist der koreanischen Mythologie entnommen und bedeutet Vertrauen, Stärke und Schutz. In der Nacht zum Mittwoch testete Nordkorea erneut eine Langstreckenrakete, die die vorherige durch ihre Reichweite weit übertraf. 

Unsicherheit bei deutschen Wintersportlern

Für deutsche Wintersportler scheint dennoch die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts dem Sportgeist zu schaden. Der Austragungsort der sportlichen Wettkämpfe liegt rund 80 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Die FAZ zitiert Laura Dahlmeier, eine deutsche Biathletin: 

Ich freue mich auf der einen Seite wahnsinnig auf Olympia. Es ist ein Kindheitstraum. Ich denke, dass es sportlich tolle Wettkämpfe werden, aber natürlich spielt die Sicherheitslage schon eine gewisse Rolle.

Über die Sicherheitslage und eine sorgenfreie Teilnahme informieren die Sportfunktionäre. Den Eisschnellläufern ist die Teilnahme offengestellt. Sportdirektor Robert Bartko:

Wir haben sehr großes Vertrauen in die Bundesregierung und das Auswärtige Amt. So lange diese Institutionen grünes Licht für einen Start bei den Spielen geben, werden wir als Team dort dabei sein.

Anna Seidel, Sporttrackerin will sich nicht vom Wettkampf abhalten lassen: 

Man hat das stets im Hinterkopf. Aber es wird viele Sicherheitsmaßnahmen geben. Ein Nichtstart ist für mich jedenfalls keine Option. Es sei denn, Olympia wird abgesagt. Das wäre ein riesiger Einschnitt.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow am 30. November 2017 in Minsk.

Der deutsche Skirennfahrer Felix Neureuther hatte Kritik am IOC und DOSB geübt, da sie nicht richtig Stellung zur politischen Lage bezogen. Viele hoffen auch auf eine Weisung der Bundesregierung bezüglich der Reise zur Winterolympiade.

Die nordkoreanischen Teilnehmer werden den Weg über die entmilitarisierte Zone wählen, um nach Südkorea zu gelangen. Die südkoreanische Regierung sorgt sich über die gleichzeitige Abhaltung von Manövern mit den Amerikanern während der Winterspiele. Der Minister für Wiedervereinigung Cho Myoung-gyon sagt dazu

Das sich die PyeongChang-Winterolympiade und die südkoreanisch-amerikanischen Militärübungen zeitlich überschneiden, ist es eine wichtige Aufgabe, wie man diese Situation bereinigt. 

Eine Reaktion des Nordens zu dieser Zeit könnte die Stimmung der Winterspiele in Gefahr bringen. Südkorea erwägt, die Amerikaner zu einer Vertagung der Militärmanöver zu bewegen.