Kim Jong-un spricht nach Raketentest von "historischem Erfolg" - Seoul fordert weitere Sanktionen

Kim Jong-un spricht nach Raketentest von "historischem Erfolg" - Seoul fordert weitere Sanktionen
Der Staatschef Nordkoreas, Kim Jong-un, verfolgt den Start einer ballistischen Rakete am 16. September 2017. Dies war der letzte Test vor jenem am heutigen Tag.
Nordkorea hat eigenen Angaben zufolge eine Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-15 erfolgreich getestet, die das gesamte US-Festland erreichen kann. Die USA und Südkorea haben das bestätigt und fordern weitere Sanktionen.

Pjöngjang habe damit sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden, hieß es aus Nordkorea. Der Test der Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-15, die mit einem großen Sprengkopf bestückt werden könne, sei erfolgreich verlaufen.

Hwasong-14 im Test, Pjöngjang, Nordkorea.

Dabei handelt es sich laut der Zentralen Koreanischen Nachrichtenagentur (KCNA) um die "stärkste Interkontinentalrakete". Es befände sich nun "das gesamte Festland der USA" in der Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer am Mittwoch in staatlichen Medien verbreiteten Erklärung.

Der US-amerikanische Physiker David Wright, den mehrere weltweite Medien zitieren, bestätigt diese Einschätzung auf seinem Blog. Seinen Berechnungen zufolge sei davon auszugehen, dass die Reichweite der Rakete mittlerweile auch Washington, D.C. umfassen würde. Zuvor wären nordkoreanische Raketen lediglich in der Lage gewesen, die US-amerikanische Westküste zu erreichen. 

Die Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-15 wurde nach Angaben der südkoreanischen Agentur Yonhap in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit 3:17) von der Stadt Sain Ni nahe Pjöngjang aus abgefeuert. Nur zehn Minuten nach dem Start der nordkoreanischen Rakete hat Südkorea eine große Militärübung begonnen und ebenfalls mehrere Raketentests durchgeführt.

Start der südkoreanischen Interkontinentalrakete Hyunmoo II an einem unbekannten Ort entlang der südöstlichen Küste der koreanischen Halbinsel am 29. November 2017.

Aufklärungsdaten bestätigen nordkoreanische Angaben

Laut nordkoreanischen staatlichen Medien ist die Rakete Hwasong-15 bis zu 4.475 Kilometer hoch geflogen und hat in 53 Minuten eine Distanz von 950 Kilometern zurückgelegt. Sie ist vor der Westküste Japans ins Meer gestürzt. Diese Angaben decken sich mit Aufklärungsdaten des südkoreanischen und japanischen Militärs. Das ist nicht die maximale Trajektorie der Rakete, die reale Reichweite kann nach Expertenschätzungen zwischen 10.500 und 13.000 Kilometer betragen.  

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un vergab eine "hohe Note" an den Raketentest. Er erklärte, dass sein Land damit "einen historischen Erfolg beim Abschluss der Nuklearaufrüstung des Staates" erzielt habe.  

Die nordkoreanische Botschaft in Moskau erklärte, dass der Ausbau strategischer Waffen "auf Verteidigung der Souveränität und territorialen Integrität des Landes gerichtet ist". Dies sei der "Erpressung und Nuklearbedrohung vonseiten der USA" geschuldet. Pjöngjang betonte, dass die Tests die Sicherheit der Nachbarstaaten nicht gefährden.

UN-Sicherheitsrat und USA werden Sanktionen verschärfen

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, Nordkorea habe mit diesem Test demonstriert, dass es "jetzt im Prinzip jeden Punkt der Erde erreichen" könne. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump reagierte verhalten. "Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden", wurde er von den Medien zitiert. Der Raketenstart werde nichts an der Nordkorea-Politik Washingtons ändern.

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Zu erwarten ist nun eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates anlässlich des letzten Tests und Verschärfung der Sanktionen. Auch die mehrfach angedrohten einseitigen US-Sanktionen, die gegen Drittstaaten gerichtet sind, die mit Nordkorea kooperieren, könnten nun auf den Weg gebracht werden.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in forderte bereits härtere Sanktionen gegen Nordkorea, wobei er betonte, dass die nordkoreanischen Tests eine Bedrohung für den Weltfrieden darstellten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warf der nordkoreanischen Regierung nach dem Raketentest vor, die internationale Sicherheit zu gefährden.

​Seit April 2017 testet Pjöngjang regelmäßig ballistische Raketen, zuletzt am 15. September, als eine aus Nordkorea gestartete Rakete sogar Japan überflogen hatte. Danach trat eine zeitweilige Stille ein.