Mangel an Nachwuchs: Chinas Arbeitsmarkt und Armee steht Rekrutierungskrise bevor

Mangel an Nachwuchs: Chinas Arbeitsmarkt und Armee steht Rekrutierungskrise bevor
Kommunistische Eisenskulptur eines Soldaten und eines Arbeiters, Peking, China.
China spürt die Folgen seiner Ein-Kind-Politik: Die Bevölkerung altert, immer weniger Jugendliche treten in den Arbeitsmarkt ein. Der Volksbefreiungsarmee fehlt es an Rekruten, was Peking dazu bewegen könnte, die Wehrpflicht zu verschärfen.

Symptomatisch eine Begebenheit rund um den taiwanesischen Konzern Foxconn, der unter anderem für den US-Tech-Giganten Apple iPhones anfertigt. Gegen diesen wurden Vorwürfe laut, Schülerpraktikanten an seinem Standort in Zhengzhou - einer Stadt in der zentralchinesischen Provinz Henan - dazu gezwungen zu haben, Überstunden einzulegen. Auf diese Weise habe man versucht, den Output des neuen iPhone X zu erhöhen, da das Unternehmen einen Verkaufsboom während der Weihnachtszeit erwartet.

Lässt man die Arbeitsrechtsfragen außer Acht, kommt eine Tendenz zum Vorschein, die immer mehr Menschen in China beunruhigt: Das Land hat immer weniger Jugendliche, die den Arbeitsmarkt betreten und so die Produktivität aufrechterhalten können. Dieser demografische Einbruch könnte Chinas wirtschaftliche Zukunft gefährden, schreibt die Asia Times.

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Schwangere Frauen in Neu Delhi

Ein Bericht der in Peking ansässigen China Renmin University schlägt diesbezüglich Alarm: Die nationale Erwerbsbevölkerung im Alter von 15 bis 59 Jahren ist innerhalb der letzten fünf Jahre um 20 Millionen Menschen zurückgegangen. Es sei zu erwarten, dass die erwerbstätige Bevölkerung vom einstigen Höchststand von 925 Millionen im Jahr 2011 bis 2050 auf 700 Millionen Menschen schrumpfen wird.

Eine separate Analyse von Nikkei hat ergeben, dass Chinas junge Bevölkerung im Alter von 15 bis 24 Jahren sich bis 2020 auf 60 Millionen halbieren wird. Im Jahr 2006 hatte diese mit 120 Millionen jungen Menschen ihren Höchststand erreicht und weist seitdem eine rückläufige Tendenz auf.

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Das rasche Schrumpfen der Altersgruppe zwischen 15 und 24 ist für die chinesische Produktion ein großes Problem, da immer weniger Jugendliche in den Arbeitsmarkt eintreten. Ein weiterer Grund für den Mangel an werktätigen Jugendlichen ist der zurzeit stattfindende Wandel der Mentalität und der Karriereperspektiven in China. Immer mehr junge Chinesen streben eine Universitätsausbildung an. Vor allem niedrig bezahlte und arbeitsintensive Jobs ziehen parallel dazu immer weniger junge Menschen an.

Trotz Sold-Erhöhung weniger junge Rekruten

Als Folge dieser Entwicklung kommt es zu einer Konkurrenz um den Nachwuchs zwischen der Armee und dem verarbeitenden Gewerbe des Landes, denn das chinesische Militär ist von einer sich abzeichnenden "Rekrutierungskrise" betroffen, die auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Diese reichen von den Folgen der Ein-Kind-Politik bis hin zu einer unattraktiven Besoldung.

Die Volksbefreiungsarmee hat in den letzten Jahren die Gehälter für Frontsoldaten zwar erhöht, doch das Schrumpfen der jungen Altersgruppe bedeutet, dass dem Militär weniger junge Rekruten zur Verfügung stehen werden.

Ein Bericht des chinesischen National-Radios wies zum Beispiel darauf hin, dass in der östlichen Provinz Shandong, in der 98 Millionen Menschen leben, in den Jahren von 2013 bis 2016 ein prozentual zweistelliger Rückgang der Neuzugänge für den Wehrdienst zu verzeichnen war.

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Meldung bei der Armee als Zulassungsvoraussetzung für das Studium?

Chinas Militär unterhält mittlerweile 2,35 Millionen aktive Soldaten, von denen jedes Jahr etwa 150.000 bis 200.000 ausscheiden oder in den Ruhestand gehen. Um eine effektive Verteidigungsmobilisierung aufrechterhalten und die Truppe wiederaufstocken zu können, muss das chinesische Militär jährlich mindestens 250.000 neue Soldaten rekrutieren: eine mühsame Aufgabe, die eine strengere Durchsetzung der Zwangsrekrutierung erfordert.

Ein Vorschlag, der nun diskutiert wird, ist, dass alle neuen Studienanfänger sich als Voraussetzung für die Zulassung an einer Universität erst zur Armee melden müssen. Außerdem hat die Regierung die Rekrutierungsanforderungen mit dem Ziel einer Überprüfung unterzogen, die obere Altersgrenze für die Rekrutierung auf 26 Jahre anzuheben.