Sprung in die Freiheit? Nordkoreanischem Soldaten gelingt Flucht nach Südkorea

Sprung in die Freiheit? Nordkoreanischem Soldaten gelingt Flucht nach Südkorea
Südkoreanische Soldaten überprüfen Grenzzäune nahe der DMZ, Südkorea, 12. Februar 2013.
Ein nordkoreanischer Soldat flüchtete am Montag über die Sicherheitszone nach Südkorea. Die Flucht über diese Grenze gilt als besonders schwierig. Der Begriff des "Überläufers" ist strittig, denn die Motivation zu fliehen, hat nur selten einen politischen Hintergrund.

Die Schüsse trafen den Deserteur in Schulter und Ellbogen. Die südkoreanische Seite fand den Soldaten auf ihrem Gebiet 25 Minuten nach seiner Flucht. Er war zu diesem Zeitpunkt unbewaffnet und trug die Uniform eines Soldaten niedrigen Ranges. Per Rettungshubschrauber wurde der geflüchtete Soldat in ein Krankenhaus gebracht. 

Ein Sprecher des südkoreanischen Militärs

Ein nordkoreanischer Soldat verließ seinen Wachposten auf nordkoreanischer Seite und desertierte zu unserer Seite gegen 15:31 Uhr."

Die Identität des Soldaten müsste noch festgestellt werden, so die südkoreanischen Nachrichten "Korea Herald" am Montagabend. Die "Joint Security Area" (Militäreinrichtung), wo der Soldat stationiert war, ist eine militärische Siedlung innerhalb der demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea. Hier fanden die Verhandlungen gegen Ende des Koreakrieges statt. Der Koreakrieg endete in keinem Friedensvertrag, sondern nur einem Waffenstillstandsabkommen, welches hier bis heute überwacht wird. 

Der übliche Fluchtweg für Nordkoreaner nach Südkorea führt über die chinesischen Provinzen Jilin und Liaoning. Da aber China trotz Sanktionen gegen Nordkorea als ein enger Verbündeter Pjöngjangs gilt, endet die Flucht in einem dritten Land, bevor die Einreise nach Südkorea möglich wird. Bis heute besteht ein Auslieferungsabkommen zwischen China und Nordkorea. Gefasste nordkoreanische Flüchtlinge werden nach Nordkorea zurückgebracht. Den Geflüchteten drohen in ihrer Heimat hohe Strafen in Umerziehungs- und Internierungslagern, bis hin zur Todesstrafe. 

Im Jahr 2005 entschied das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung, den Flüchtlingen aus dem Norden ihres Landes einen neuen Namen zu geben. Fortan waren sie nicht mehr die "Menschen, die aus dem Norden flüchteten" (talbukja), sondern "Menschen eines neuen Landes" (saeteomin). Die ältere Begrifflichkeit hatte die nordkoreanischen Flüchtlinge verärgert. Der nordkoreanische Experte Andrei Lankov kritisierte die Menschen aus dem Norden nicht als "Überläufer" zu bezeichnen, denn diese flüchteten aus der Motivation heraus, materiell ein besseres Leben führen zu können. 

Der Höchststand nordkoreanischer Flüchtlinge wurde in den Jahren 1998 und 1999 erreicht. Die Menschen flüchteten vor dem Hunger in ihrem Land. Seit 1953 flüchteten zwischen 100.000 und 300.000 aus Nordkorea. In diesem Jahr waren es bisher 31.093 Menschen. 

Trotz Raketentests Nordkoreas hält die südkoreanische Regierung an ihrer humanitären Hilfe für Nordkorea fest. Moon Jae-in, südkoreanischer Präsident, dessen Familie den Schrecken des Koreakrieges im Norden miterlebt hat, befürchtet neues Leid für die Bürger Nordkoreas im Zuge der Sanktionspolitik. Er hofft, dass die koreanischen Winterspiele eine Plattform des Dialogs bieten, um einen neuen Weg für die Diplomatie zu schaffen.