Japan plant Stationierung von Seestreitkräften auf US-Militärbasis nahe China

Japan plant Stationierung von Seestreitkräften auf US-Militärbasis nahe China
Amphibisches Flugzeug der japanischen Marine US-2, hergestellt von ShinMaywa Industries, 4. November 2013.
Die japanische Regierung will erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder eigene Streitkräfte für die amphibische Kriegsführung aufbauen. Eine Einheit davon soll an die Seegrenze zu China verlegt werden. Kritiker befürchten einen Rüstungswettlauf.

Japan plant die Stationierung einer eigenen amphibischen Kampftruppe auf der US-Militärbasis in Okinawa, nahe der Seegrenze zu China. Die Landungstruppe, die ihr Training durch das U.S. Marine Corps erhalten wird, soll Japans Militärpotenzial angesichts der anhaltenden Auseinandersetzung mit China um die umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer stärken.   

Seit seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg verfügte Japan über keine speziellen Amphibienstreitkräfte mehr. Jedoch strebt Tokio unter dem jüngst im Amt bestätigten Premierminister Shinzo Abe eine immer aktivere militärische Position an und änderte sogar bereits die Verfassung, um Auslandseinsätze zum Schutz eigener Verbündeter zu ermöglichen. Die nun eingeplanten speziellen Marinestreitkräfte sind demnach Teil der Transformation der Armee. Die neue 2.000 Mann starke Angriffsbrigade wird eine Einheit der Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte (JGSDF) und somit Japans Analogie zu einer ähnlichen Einheit der US-Armee darstellen, berichtet die Zeitung Asahi Shimbun mit Verweis auf japanische Regierungskreise.

Soldaten essen Eis in Pjöngjang, Nordkorea, 16. April 2017.

Japanische Marinesoldaten sollen nach Guam verlegte US-amerikanische ersetzen

Der primäre Stützpunkt der amphibischen Kampfgruppe, die 2018 gebildet werden soll, ist nach dem Willen der Regierung das Camp Ainoura in der Präfektur Nagasaki. Allerdings rechnen die japanischen Behörden auch mit der Möglichkeit, in den 2020er Jahren zirka 600 neue Marinesoldaten auf der US-Marinebasis Camp Hansen zu platzieren. Zu diesem Zeitpunkt sollen die USA etwa ein Fünftel der 19.000 derzeit dort stationierten Militärs nach Guam disponiert haben.

Die Stationierung der japanischen Marine in Okinawa bringt diese näher an die Senkaku-Inseln (chinesisch: Diaoyu) im Ostchinesischen Meer. Neben Taiwan beanspruchen hauptsächlich China und Japan diese Inselgruppe für sich. Sie wäre zugleich ein offensichtliches Ziel für die japanischen amphibischen Kampftruppen.

China schickt wiederum regelmäßig Seepatrouillen in die Nähe der unbewohnten, aber an potenziellen Energieträgern reichen Inselgruppe, die seit 1972 von Japan verwaltet wird. Im Jahr 1969 identifizierte die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen im Umfeld der Senkaku-Inseln bedeutende potenzielle Öl- und Gasreserven.

China sieht starkes Militär als Garant des eigenen Überlebens

Pekings militärische Aufrüstung ist angeblich der Hauptgrund hinter den japanischen Ausbauplänen. Nach dem Bericht des Stockholm International Peace Research Institute für 2016 betrugen Chinas Militärausgaben 215 Billionen US-Dollar, was fast das Fünffache dessen ist, was Japan für sein Militär ausgibt (46 Billionen US-Dollar). China hat auch bereits seinen zweiten Flugzeugträger zu Wasser gelassen und plant den Bau eines dritten. Das Land entwickelte auch das Tarnkappenflugzeug Chengdu J-20 und den Kampfjet der neuen Generation des Typs Shenyang J-16. Die Volksrepublik ist außerdem mit 2.500 Militärs der aktivste Mitgestalter von UNO-Friedensmissionen.  

Kritiker meinen, dass Chinas Aufstieg als Militärmacht ein Wettrüsten in Asien auslösen wird. Peking rechtfertigt seine Maßnahmen hingegen als notwendigen Selbstschutz. Trotz seiner 30 Jahre langen Aufrüstung bleibt sein Militärbudget bloß bei einem Drittel jenes Washingtons. Ein Experte von der Shanghai University of Political Science and Law, Ni Lexiong, unterstrich, dass China während des so genannten Jahrhunderts der Erniedrigung seit Mitte des 19. Jahrhunderts fast jeden Krieg verlor, den es führte und oft gezwungen war, große Zugeständnisse zu machen. Die Anhänger der Modernisierung der chinesischen Armee weisen häufig auf die berühmte Aussage von Mao Zedong hin: "Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen."