Mord in aller Stille - Porträt eines japanischen Massenmörders

Mord in aller Stille - Porträt eines japanischen Massenmörders
Polizisten vor einem Apartmenthaus, in dem neun Leichen gefunden wurden, Präfektur Kanagawa, Japan, 31. Oktober 2017.
Takahiro Shiraishi (27) nahm neun jungen Menschen das Leben und zerstückelte diese in seinem Tokioter Badezimmer. Der Geständige galt als ruhiger Mensch. An Halloween machte die Polizei den grausigen Fund. Schon als Kind zeigte Shiraishi Auffälligkeiten.

Bekannte beschrieben Takahiro Shiraishi als stilles Kind, das sich leicht mit Nachbarn anfreundete. Ein ehemaliger Klassenkamerad beschrieb ihn als derartig unauffällig und unscheinbar, dass man ihn leicht übersehen konnte. Aus Spaß würgten einander Shirashi und seine Freunde. Einmal sei er selbst beim Würgespiel ohnmächtig geworden. Auch zwei seiner Opfer zeigten Würgemerkmale. Eines hatte gebrochene Halswirbelknochen. Die Polizisten entdeckten etwa 240 menschliche Knochenteile, zusammengepfercht im Kühlschrank und in Werkzeugkisten, getarnt durch Katzenstreu. 

Ermittlungen wegen Beteiligung an Zwangsprostitution

Nachdem Takahiro Shiraishi seine Schule beendet hatte, jobbte er zunächst in einem Supermarkt. Dann aber zog es ihn in das Nachtklubviertel Kabukicho, welches von Prostitution und Kriminalität geprägt ist. Seine Aufgabe war es, junge Frauen für die Nachtklubs anzuwerben. Im Februar wurde er verhaftet, weil er in die Zwangsprostitution einer jungen Frau involviert gewesen sein soll. Von da an eilte Shiraishi ein schlechter Ruf nach und auf Twitter verbreiteten sich Warnungen vor dem "gruseligen Anwerber". Über dieses Medium soll er auch aktiv nach Opfern gesucht haben. 

Im Vergleich zu den Taten von Elena Lobacheva wirken die Filme der

Ein Bild Takahiro Shiraishis aus dem japanischen Fernsehen: 

Der mutmaßliche Massenmörder lebte in einem der zahlreichen Vororte Tokios, in einer Einzimmerwohnung - eine unscheinbare Umgebung für einen unscheinbaren Mörder. Der Fall ist auch ein Sinnbild für die japanische Gesellschaft, in welcher der Einzelne schnell unsichtbar werden kann und aus der Gemeinschaft fällt, wenn er ohne Arbeit dasteht. Die meisten Selbstmorde bei Erwachsenen geschehen aus dem Gefühl, beruflich versagt zu haben. Der Selbstmord scheint tragbarer zu sein als das Stigma der Arbeitslosigkeit und des finanziellen Ruins. Die Warnhinweise aus der Kindheit Shiraishis blieben unbeachtet. In den japanischen Schulen zählen lediglich die Leistungsbeurteilungen.

"Professioneller Henker" warb um Suizidwillige

Er hatte eine enge Bindung an seinen Vater, der aber ebenfalls die Warnzeichen übersah, auch als sein Sohn ihm mitteilte, dass es ihm nicht gut ginge. Auf Twitter vermarktete er sich selbst als professionellen Henker. Er suchte aktiv nach Kontakten zu Frauen mit Selbstmordtendenzen, denen er den Schritt zum Selbstmord abnehmen wollte. Bei Vernehmungen wurde deutlich, dass er seine Opfer zeitnah nach der Begegnung tötete und dann deren Körper zerlegte. Für diese Arbeit brauchte er beim ersten Mal drei Tage, danach aber sei es ihm leicht von der Hand gegangen.