Indien baut Schneller-Brüter-Technologie aus und trägt zur Wiederverwertung von Atommüll bei

Indien baut Schneller-Brüter-Technologie aus und trägt zur Wiederverwertung von Atommüll bei
Eine gigantische Atomanlage, die noch 2017 in Indien in Betrieb genommen werden soll, könnte zu einer der bedeutendsten Energiequellen des Landes werden. Der Schnelle Brüter wird einzigartig sein, da er mit speziellen Thoriumstäben betrieben werden soll.

Der 500-Megawatt-Reaktor befindet sich zurzeit noch in der Stadt Kalpakkam am Ufer des Golfs von Bengalen im Bau. Er ist Teil einer massiven dreiteiligen Strategie der indischen Regierung im Bereich der Kernenergie.

Schnelle Brüterreaktoren (FBR) unterscheiden sich von konventionellen Kernkraftwerken. Sie erzeugen mehr atomaren Brennstoff als sie bei ihrer Arbeit verbrauchen.

Diese Reaktoren sind eine Brücke in die Zukunft, denn sie können nahezu unbegrenzt Strom liefern", freut sich Michail Tschudakow, der stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).

Mehr Ausbeute - weniger Abfälle

"Schnelle Reaktoren können bis zu 70 Prozent mehr Energie gewinnen als herkömmliche Reaktoren und sind sicherer als traditionelle Reaktoren, während sie gleichzeitig die Menge an langlebigen radioaktiven Abfällen um ein Vielfaches reduzieren", sagte der Generaldirektor der IAEO Yukiya Amano.

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Die USA, Japan und Frankreich haben versucht, ihre eigenen schnellen Brütertechnologien zu entwickeln, waren aber bislang aus technischen und sicherheitstechnischen Gründen dabei nicht erfolgreich.

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Indiens Wirtschaftswachstum benötigt Unmengen an Elektrizität. Deshalb arbeitet die dortige Energiewirtschaft seit 27 Jahren an der Technologie der Schneller-Brüter-Reaktoren. Das Land hat sich mit dem staatlichen russischen Atomenergiekonzern Rosatom zusammengeschlossen, um Kernreaktoren der nächsten Generation zu entwickeln und am Forschungsprojekt für schnelle Brüterreaktoren teilzunehmen.

Russland forscht seit 1980 an der Brüter-Technologie

Der derzeit einzige kommerziell betriebene schnelle Brutreaktor der Welt befindet sich im Uralgebirge Russlands im Kernkraftwerk Belojarsk.

Russland betreibt seit 1980 einen schnellen Brüterreaktor namens BN 600 zu Forschungszwecken. Im Jahr 2016 nahm Rosatom den schnellen Brüterreaktor BN 800 kommerziell in Betrieb. Der Reaktor produziert ungefähr 800 Megawatt Strom zur Versorgung der Uralregion.

Russische schnelle Brüterreaktoren verwenden elementares Uran, während Indiens Reaktor Thoriumstäbe verwendet.

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Enorme Thoriumvorkommen in Indien

Indien hat mehr Thoriumreserven als jedes andere Land. Insgesamt befinden sich 25 Prozent der weltweiten Thoriumvorkommen auf indischem Territorium. Mit einer geschätzten weltweit verfügbaren Menge von 360.000 Tonnen überwiegen diese die Menge der natürlichen Uranvorkommen von 70.000 Tonnen bei weitem. Die Schaffung eines Netzes an Schnelle-Brüter-Reaktoren ist Indiens langfristiges Ziel. Das Land will damit einen Brennstoffkreislauf etablieren, um die reichlich vorhandenen Ressourcen auszuschöpfen.

Traditionell verwenden Kernreaktoren ein seltenes Uranisotop namens U-235, während die Mehrheit der U-238-Isotope ungenutzt bleibt. In schnellen Brutreaktoren können hochbeschleunigte Neuronen jedoch das bisher als atomarer Müll angesehene U-238 verwenden und dieses in verwertbaren Brennstoff umwandeln.

Zudem erzeugen die Brutreaktoren im Vergleich zu herkömmlichen Kernkraftwerken weniger Abfall und sind wesentlich sicherer als konventionelle Kernkraftwerke.