China treibt Erdgasnachfrage voran - Kohle adé?

China treibt Erdgasnachfrage voran - Kohle adé?
In den vergangenen 20 Jahren war die Volksrepublik China der wichtigste Treiber des Wachstums der globalen Erdölnachfrage. In den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten wird das Reich der Mitte voraussichtlich auch bei der globalen Erdgasnachfrage nachziehen.

Zwischen 2040 und 2050 könnten die Festlandchinesen sogar die USA als größten Erdgasverbraucher hinter sich lassen.

Das Wachstum der Wirtschafts- und Industrieproduktion sowie die Bemühungen um eine Verringerung der Umweltverschmutzung werden laut Analysten und internationalen Prognosen in den nächsten Jahrzehnten zu steigender Erdgasnachfrage vonseiten Chinas führen.

Mehr lesen:Gazprom verkündet: Großer Teil der russischen Gaspipeline nach China fertiggestellt

"Goldenes Zeitalter" des chinesischen Gasmarktes

Die neueste Prognose hinsichtlich der bevorstehenden führenden Rolle der Volksrepublik auf dem weltweiten Erdgasmarkt stammt von Sanford C. Bernstein & Co. Der Analyst des Unternehmens, Neil Beveridge, wusste Anfang dieser Woche in einer Forschungsnotiz folgendes zu berichten:

Chinas Gasmarkt ist in ein neues Goldenes Zeitalter eingetreten. [...] Das Wachstum des Jahres 2017 hat sich gegenüber 2016 deutlich verbessert, da sich die Politik der Regierung zur Ankurbelung des Wachstum der Gasnachfrage allmählich auszahlt.

Es sei wahrscheinlich, dass der Gasverbrauch Chinas von 206 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2016 auf 300 Milliarden Kubikmeter in 2020 ansteigen wird und bis 2040 die Marke von 600 Milliarden Kubikmetern erreichen wird. Auf diese Weise werde China laut Bernstein & Co. die USA beim Erdgasverbrauch überholen und zum größten Kraftstoffverbraucher der Welt werden.  

Mehr zum Thema:Größter Offshore-Windpark in China in Betrieb genommen [VIDEO]

Das größte Risiko für den zu erwartenden Anstieg der Erdgasnachfrage besteht darin, dass der Einsatz der erneuerbaren Energien stärker als bisher prognostiziert ansteigen und damit den Zeitraum, in dem das Erdgas als "Überbrückungskraftstoff" zwischen Kohle und sauberer Energie dienen soll, verkürzen könnte. Die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines solchen Szenarios erscheint derzeit jedoch als überschaubar.

China bis 2022 selbst viertgrößter Erdgasproduzent

Auch andere Analysten sehen Chinas Erdgasperspektiven positiv.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht bis 2022 einen jährlichen Anstieg des weltweiten Gasbedarfs um 1,6 Prozent, wobei alleine die Volksrepublik China 40 Prozent zu diesem Wachstums beiträgt. Der Verbrauch in China wird laut dem IEA-Bericht "Gas 2017" bis 2022 voraussichtlich auf fast 340 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Etwa 140 Milliarden davon werden durch Importe bereitgestellt. Im Vorjahr waren es noch 70 Milliarden Kubikmeter.

Hinzu kommt, dass den Prognosen zufolge die chinesische Inlandsproduktion bis 2022 von rund 65 auf 200 Milliarden Kubikmeter zunehmen wird, was einem jährlichen Wachstum von 6,6 Prozent entspricht. Bewahrheiten sich die Voraussagen, wird das Land bis 2022 selbst zum viertgrößten Erdgasproduzenten der Welt.

Mehr zum Thema:Weltgrößter schwimmender Solarpark in China am Netz [VIDEO]

Mehrere Faktoren entscheiden über Marktentwicklung

China stellt bereits jetzt die Weichen für einen kommenden Boom des Erdgasimports: Die Importe erreichen Rekordzahlen, während Peking gleichzeitig seine Agenda im Bereich der sauberen Energie vorantreibt. Dieser zufolge will das Land im Jahr 2020 bereits zehn Prozent seines Energiebedarf mit Erdgas decken. Im Jahr 2015 waren es erst 5,9 Prozent.

Fast jeder Experte rechnet damit, dass China für den Erdgasmarkt zu dem wird, was es bereits heute für den Erdölmarkt ist: der führende Verbraucher mit dem größten Nachfragewachstum. Ob diese Projektionen sich verwirklichen, hängt vom chinesischen Wirtschaftswachstum, der Urbanisierung, der Energiepolitik, der globalen Gasversorgung und nicht zuletzt vom Tempo der Entwicklung effizienterer Erneuerbarer Energien sowie Speicherlösungen ab.