Der Kampf gegen das säkulare Leben in Malaysia - Islamistische Gruppen prägen das öffentliche Leben

Der Kampf gegen das säkulare Leben in Malaysia - Islamistische Gruppen prägen das öffentliche Leben
Eine Demonstrantin plädiert für die Übernahme strenger islamischer Gesetze in Padang Merbok in Kuala Lumpur, Malaysia, 18. Februar 2017.
Internationale Pop-Stars und Veranstaltungen bleiben Malaysia immer öfter fern. Zuletzt wurde auch ein Bierfest abgesagt. Islamistische Gruppen machen Druck auf die Regierung, noch mehr Elemente der Scharia in die weltliche Gesetzgebung zu integrieren.

Organisatoren von Konzerten und internationalen Veranstaltungen prangern an, dass die Stimmung gegenüber weltlichen Einflüssen aus dem Westen im größtenteils sunnitischen Malaysia immer feindseliger wird. Die US-Sängerin Beyoncé sagte einen Auftritt in Malaysia ab, da ihr die Veranstalter Vorschriften zu Kostümen und Tanz machen wollten. Ein Kesha-Auftritt wurde 2013 ganz verboten. Selena Gomez sang in einer leeren Halle, als im vergangenen Jahr vor der Konzerthalle Islamisten protestierten und ihre Fans fernhielten. Qisthina Razin, eine Repräsentantin der malaysischen Veranstaltungsorganisation, erklärt: 

Man muss sehr vorsichtig sein, welche Art von Auftritten man bucht, um sicherzugehen, allen Regeln zu entsprechen. Und auch dann besteht keine Garantie, dass die Behörden eine Erlaubnis geben. 

Der in westlichen Ländern bekannte Mega-Hit "Despacito" durfte in Malaysia nicht gespielt werden - er galt als obszön -, und der Disney-Film "Die Schöne und das Biest" wurde erst spät und in einer nachbearbeiteten Fassung veröffentlicht. Es stand zur Debatte, diesen wegen einer homosexuell konnotierten Szene ganz verbieten zu lassen.

Auch Bierfeste stehen zunehmend in Frage

Jüngst wurde auch das "Better Beer Festival 2017" nach Protesten der Pan-Malaysian islamischen Partei (PAS) untersagt. Diese hatte angeprangert, hierdurch würde die Hauptstadt zu einem der größten "Zentren des Lasters" avancieren. Das Festival erfreute sich großer Beliebtheit und wurde bereits fünfmal abgehalten. Fraglich ist nun auch, ob das malaysische Oktoberfest trotz des Drucks durch die Islamisten stattfinden kann. 

Regierungstruppen finden bei Anhängern der Maute-Gruppe am 19. Juni 2017 insgesamt elf Kilogramm hochreines Methamphetamin und eine IS-Flagge.

Ein UN-Bericht warnt vor einem Trend in Malaysia, der der kulturell vielfältigen Geschichte des Landes nicht mehr gerecht werde und Minderheiten unterdrücke. Rund 40 Prozent der Bevölkerung Malaysias ist nicht muslimisch. Dieser Teil besteht aus Christen, Buddhisten und Hindus.

Großdemonstrationen für stärkere Scharia-Orientierung

Karima Bennoune von der UNO sorgt sich auf Grund einer offenbar zunehmenden islamistischen Einfärbung politischer Entscheidungen in Malaysia - gestützt durch die Involvierung religiöser Institutionen. Im Norden des Landes, in Kelantan, regiert die PAS. Hier werden Frauen aus der Öffentlichkeit gedrängt und Auftritte von weiblichen Künstlern eingeschränkt. Hier kündigte die PAS zudem an, das öffentliche Auspeitschen für Scharia-Gesetzesbrecher einzuführen. Auch Alkoholkonsum und außerehelicher Geschlechtsverkehr werden mit der Peitsche bestraft. 

Im Februar marschierten in Kuala Lumpur 20.000 Demonstranten auf, um die Regierung zu schärferen, Islam-konformen Gesetzen zu bewegen. Die PAS brachte sie in Bussen aus dem Norden in die Hauptstadt. Malaysias Premierminister Najib Razak will mehr fundamentalistische Elemente in seine Politik übernehmen, um sich die Stimmen aus den ländlichen Gebieten zu sichern. Gegenüber US-Präsident Donald Trump hatte er angekündigt, einen moderaten Islam zu vertreten und der Terrormiliz "Islamischer Staat" den Kampf anzusagen.