Rohingya (II) – US-Blockadeinstrument gegen Chinas Einfluss in Myanmar

Rohingya (II) – US-Blockadeinstrument gegen Chinas Einfluss in Myanmar
Ein ethnischer Rakhine hält selbstgebaute Waffen in den Händen, und entfernt sich von einem in Flammen stehenden Haus, welches bei Kämpfen zwischen buddhistischen Rakhine und den Rohingya-Muslimen in Brand geriet, Sittwe, Myanmar, 10. Juni 2012.
Was ist los in Myanmars Krisenprovinz Rakhine? Es wäre nicht das erste Mal, dass ausländische Mächte ethnische Spannungen zwischen militant-nationalistischen Buddhisten und der islamischen Rohingya-Minderheit für eigene, geostrategische Ziele missbrauchten.

von Rainer Rupp

Es ist erklärte US-Strategie, Chinas Aufstieg und Einfluss in Asien einzudämmen. Eine Umsetzung gigantischer geplanter Wirtschaftsprojekte der Volksrepublik gemeinsam mit Myanmar wäre für beide Länder sehr vorteilhaft. Das aber läuft den US-Plänen entgegen. Seit knapp einem Jahr machen islamistische Terroristen mit Unterstützung aus dem Ausland Myanmars Schlüsselprovinz unsicher. Das untergräbt eine Verwirklichung dieser Wirtschaftspläne. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

 Pro-Rohingysa Aktivisten in Paris

Der Krise in Myanmar findet hauptsächlich in der Provinz Rakhine statt, die sich entlang der Küste im Nordwesten des Landes unweit der Grenze zu Bangladesch erstreckt. Der ethnische und zugleich religiös verstärkte Konflikt zwischen einheimischen, durchaus gewaltbereiten Buddhisten und den zu einem guten Teil aus Bangladesch illegal eingewanderten Muslimen in Rakhine hat eine lange Vergangenheit. Aber erst im Laufe der vergangenen 12 Monate haben sich die Unruhen unter den islamischen Rohingya wieder zu einem regelrechten Guerillakrieg gewandelt, den vor allem kampferprobte, fanatisierte Islamisten anheizen. Diese mit Al-Kaida vernetzten Kämpfer kommen laut Berichten westlicher Nachrichtenagenturen wie Reuters mehrheitlich aus dem Ausland.

Der Vergleich mit Syrien ist dabei durchaus zulässig. Und wie in Syrien liegt auch hier der Verdacht nahe, dass das nötige Geld und die Waffen für den Dschihadistenkrieg in Myanmars Provinz Rakhine, wo die islamische Minderheit der Rohingya lebt, aus den üblichen dunklen Quellen in den arabischen Golfstaaten kommen. Wenn man aber wie schon die alten Römer die Frage "Cui bono?" stellt, also wem nützt dieser neue Konflikt in Myanmar, dann liegt die Antwort zweifelsfrei auf der anderen Seite des Atlantiks.

Rakhine als Alternative zur Straße von Malakka

Vorerst noch weitgehend unsichtbar stecken die USA hinter diesem Konflikt, denn sie haben am meisten davon zu gewinnen. Der selbst erklärte "unverzichtbare Staat" hat seit eh und je sehr starke, geostrategische Interessen in Südostasien und heute setzt er mehr denn je alles daran, den Aufstieg des als Rivalen gesehenen Chinas zu verhindern, in der Region und darüber hinaus. Diese Aufgabe aber wäre schwierig, wenn nicht gar unmöglich, wenn China mit seiner gigantischen Initiative "One Belt, One Road" (OBOR) auch in Myanmar Erfolg hätte.

Demonstranten gegen die Vertreibung der Rohingya-Muslime in Myanmar, Kalkutta, Indien 7. Dezember 2016.

Zwei Pipelines und eine abenteuerliche Schnellstraße durch das Himalaya-Gebirge sollen den Westen Chinas mit dem Golf von Bengalen verbinden. Eine Pipeline soll von einem Terminal im neuen Überseehafen Öl aus dem Mittleren Osten und eine zweite soll Gas aus Förderstätten vor der Küste Myanmars in den Westen Chinas pumpen. Das würde Chinas Energiesicherheit enorm verbessern, denn dadurch würden die Verbindungswege von Westchina zum Mittleren Osten und nach Europa nicht nur sehr viel kürzer, sondern auf diese Weise würde auch der maritime Engpass der "Straße von Malakka" umgangen.

Diese Straße von Malakka könnte im Krisenfall leicht von einer feindlichen Seemacht, z. B. den USA blockiert werden, wodurch China von Öl-Lieferungen aus dem Mittleren Osten abgeschnitten wäre. Dabei müssten die US-Amerikaner nicht einmal selbst als staatlicher Akteur in Erscheinung treten. Um die Straße von Malakka zu sperren, würde es genügen, dass "Piraten" an einigen kritischen Stellen Schiffe versenken und damit die Passage großer Tanker unmöglich machen. Würden die Chinesen den Amerikanern so etwas zutrauen? Ganz sicher! Und das ist entsprechend auch der Grund für den Tiefseehafen in Myanmar mit Verladestationen für Öl aus Iran und den arabischen Golfstaaten, für die Pipelines und die Schnellstraße nach Westchina.

Bedeutender Knotenpunkt für die Infrastruktur

Aus geologischen Gründen sollen all diese gigantischen Infrastrukturprojekte ausgerechnet in Myanmars von ethnischer Gewalt geschüttelten Krisenprovinz Rakhine verwirklicht werden. Es geht um viele Milliarden Dollar teure, von China finanzierte Investitionsprojekte und einige davon sind bereits im Gange. Mithilfe dieser Projekte will Peking einen bedeutenden Knotenpunkt eines grenzübergreifenden Verkehrsnetzes aus Pipeline, Straßen und Tiefseehafen schaffen. Zugleich soll in Rakhine neben dem Hafen eine Wirtschaftszone entstehen, die sowohl als Produktionsstätte als auch als Warenumschlagplatz dienen soll.

Unbezweifelbar würde die Durchführung der chinesischen OBOR-Initiative den Menschen in Myanmar den lang ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Ebenso sicher würde diese Entwicklung Myanmar, den Staat und dessen Bevölkerung, auf viele Jahrzehnte ökonomisch, politisch und militärisch fest mit China verbinden. Ein Stützpunkt der chinesischen Kriegsmarine in Myanmar zur Sicherung der strategischen Anlagen und Seewege wäre da nur folgerichtig.

Vor diesem Hintergrund ist es schlüssig, dass es durchaus im Interesse der USA ist, Chinas OBOR-Projekte in Myanmar zu torpedieren. Dass ausgerechnet die Krisenprovinz Rakhine in Chinas Plänen eine Schlüsselrolle spielt, dürfte Washington dabei sehr gelegen kommen. Es kommt deshalb sicher nicht von ungefähr, dass seit einem Jahr importierte islamistische Terroristen gemeinsam mit lokalen Dschihadisten in Rakhine für bürgerkriegsähnliche Zustände sorgen.

Wie bereits im ersten Teil dieser Miniserie ausgeführt, wäre es nicht das erste Mal, dass in Rakhine ausländische Mächte zusammen mit lokalen Kräften einen Stellvertreterkrieg führen würden. Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass die USA zusammen mit Saudi-Arabien islamistische Terroristen als Instrument zur Erreichung ihrer geostrategischen Ziele eingesetzt hätten. Mehr über die Kämpfe in Rakhine und die internationalen Vernetzungen der dortigen Terroristen gibt es im dritten Teil.