Tokio beginnt Japaner mental auf Nordkorea-Krieg vorzubereiten

Tokio beginnt Japaner mental auf Nordkorea-Krieg vorzubereiten
Anwohner Takikawas auf Hokkaido üben die Reaktion auf nordkoreanische Raketenangriffe, Japan, 1. September 2017.
Japans Kinder werden neben Erdbebendrills auch auf nordkoreanische Raketen vorbereitet. Die letzten Atombomben-Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki marschieren für den Frieden und ein Japan ohne Atomwaffen. Die Regierung glaubt an Erfolg durch Aufrüstung.

Der Krieg beginnt in den Köpfen. Das Hiroshima-Museum ist bis heute das meistbesuchte Japans und die weltberühmte Figur des Monsters Godzilla entstand aus einer Nuklearkatastrophe heraus. In der Vergangenheit kidnappte Nordkorea insgesamt 13 Japaner. Das Feindbild Nordkorea weiter auszubauen, um für mehr Aufrüstung zu werben, ist für die japanische Regierung deshalb nicht schwer. 

Feierlichkeiten zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim II Sung am 14. April 2017.

Die Japaner sind Drills von Kindesbeinen an gewöhnt. Diese finden regelmäßig statt, um das Verhalten bei Erdbeben zu erproben. Jetzt aber wird eine neue Gefahr heraufbeschworen: Japan als potenzielle Zielscheibe Nordkoreas. In den japanischen Kindergärten proben die Jüngsten deshalb auch ihre Reaktionen im Falle eines nordkoreanischen Raketenangriffs.

Nordkorea droht Japan mit Angriff

Ein Frühwarnsystem weckte die schlafenden Bürger auf der nördlichen Insel Hokkaido, als am 15. September eine Rakete aus Nordkorea über ihre Köpfe hinwegflog und östlich der Insel ins Meer stürzte. Textnachrichten der Regierung folgten, kurzzeitig setzten die örtlichen Behörden auch den öffentlichen Nahverkehr aus. Am 14. September verkündete Pjöngjang öffentlich: 

Die vier Inseln des [japanischen] Archipels sollten durch eine Nuklearbombe Juches in der See versenkt werden.

"Juche" beschreibt die Leitlinie des nordkoreanischen Langzeitpräsidenten Kim Il-sung, die auf die Selbstbestimmung eines sozialistisch geprägten Staates setzt. 

Japanischer Drill in einer Grundschule in der Präfektur Ishikawa:

Die japanische Regierung hat die Schulen dazu angehalten, Übungen in Anbetracht der drohenden Gefahr aus Nordkorea abzuhalten, um die Gefahrenlage als so real in den Köpfen der Menschen zu verankern wie die Erdbebenrisiken Japans. Im kommenden Jahr will die Fischereibehörde Japans ihr eigenes Alarmsystem installieren.

Überlebende mahnen zur Deeskalation

Unterdessen werden die Erinnerungen an die Atombomben von Nagasaki und Hiroshima wieder wach. Die Überlebenden aber, als Hibakusha bezeichnet (Überlebende des grossen Feuers), mahnen die japanische Regierung, sich nicht in einen Krieg treiben zu lassen.

Am 20. September demonstrierten sie in Tokio und forderten die japanische Regierung auf, das Abkommen vom Juli zum Nuklearwaffenverbot zu unterzeichnen. Die japanische Regierung entzog sich bisher einer Unterfertigung. Der 88 Jahre alte Mikros Iwasa, Berater der Organisation Nihon Hidankyo (Zusammenschluss der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki), sagte: 

Die japanische Regierung sollte sich der Realität des Schadens stellen, der durch Atombomben verursacht wurde und eine Politik von jenem Standpunkt aus vertreten, dass jede Art des Leids durch solche Waffen vermieden werden soll, damit es keine Hibakusha mehr gibt.  

Iwasa war 16 Jahre alt, als eine Atombombe auf seine Heimat Hiroshima fiel.