Indien: Al-Kaida versucht unter Rohingya-Flüchtlingen Nachwuchs zu rekrutieren

Indien: Al-Kaida versucht unter Rohingya-Flüchtlingen Nachwuchs zu rekrutieren
Demonstranten gegen die Vertreibung der Rohingya-Muslime in Myanmar, Kalkutta, Indien 7. Dezember 2016.
Indiens Regierung sieht in den Rohingya-Flüchtlingen eine Gefahr für die innere Sicherheit. Unter ihnen seien Terroristen. Ein Rekrutierer für Al-Kaida mit britischem Pass wurde nun verhaftet. Der Exodus der Rohingya verschärft innenpolitische Spannungen.

Neue Satellitenbilder zeigen die Zerstörung von Dörfern der muslimischen Rohingya-Minderheit in Myanmar. In den vergangenen Wochen flohen mehr als 400.000 Rohingya vor einer Welle der Gewalt ins benachbarte Bangladesch. Soldaten und marodierende Banden radikaler Buddhisten sollen mindestens 214 muslimische Dörfer niedergebrannt haben.

Medien sprechen von einem Exodus der Rohingya, die in Myanmar keine Rechte besitzen und als staatenlos gelten. Die indische Regierung sieht in den muslimischen Flüchtlingen ein Sicherheitsproblem und fühlt sich durch die jüngste Festnahme eines Al-Kaida-Mannes bestätigt, der sich das Leid der Flüchtlinge zunutze machte. 

Von Aleppo nach Neu Delhi: Stationen eines dschihadistischen Reisekaders

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi hatten Sicherheitskräfte einen Mann britischer Abstammung verhaftet, der als Rekrutierer für Al-Kaida gilt und Rohingya-Flüchtlinge radikalisieren wollte. Saimun Rahman selbst stammt aus Bangladesch und versuchte in Delhi, Mizoram und Manipur Kämpfer für den Glaubenskrieg in Indien und Myanmar zu rekrutieren. Er hatte für die Al-Nusra-Front in Aleppo gekämpft, bevor ihm Al-Kaida die Aufgabe übertrug, in Bangladesch Militante für den terroristischen Kampf zu rekrutieren. 

 Pro-Rohingysa Aktivisten in Paris

Für die Kommunikation mit den Führern Al-Kaidas nutzte der Reisekader die App "Protective Text". In Verhören gab er an, bereits 12 Flüchtlinge des Stammes der Rohingya, die in Kashmir, Bihar und Hzaribagh lebten, rekrutiert zu haben. Er nutzte eine falsche Identität. Zwei Monate lang beobachteten ihn Beamte einer speziellen indischen Anti-Terrorismus-Einheit, bevor sie zugriffen.

Jugendliche sollen Racheakte in Myanmar verüben

Verhöre sollen nun offenlegen, wie sich die Arbeit Al-Kaidas in Indien gestaltet. Rahman versuchte erst, die Beamten auf eine falsche Fährte zu bringen und gab eine andere Identität an. Diese Darstellung hielt er aber nicht lange den gegenläufigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden stand. Rahmans Aufgabe war es, in Indien Geld zu beschaffen und an Jugendliche mittels Schilderungen über das Schicksal der Rohingya zu appellieren. Diese sollten über den Nordosten nach Myanmar einreisen und dort Rache üben. Dabei hielt Rahman sich unter anderem in Koranschulen in Kishanganj, Hazaribagh und Delhi auf, um bedürftige Jugendliche für den Terror zu gewinnen. Auch soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp und Telegram dienten der Rekrutierung. 

Die neue Gewaltwelle gegen die Rohingya in Myanmar eskalierte nach einem Übergriff auf Sicherheitskräfte durch eine militante Gruppe innerhalb der Rohingya-Gemeinde. Zeid Ra'ad Al Hussein, Hochkommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen, bezeichnete die Gräueltaten gegen die Rohingya als ein "Beispiel wie aus dem Bilderbuch für ethnische Säuberung".