Raketenabwehrsystem mit Nebenwirkungen: Südkoreanische Firmen müssen in China schließen

Raketenabwehrsystem mit Nebenwirkungen: Südkoreanische Firmen müssen in China schließen
Geschlossenes Lotte-Einkaufszentrum in Hangzhou, Provinz Zhejiang, China, 5. März 2017.
Die Ausweitung des THAAD-Systems in Südkorea treibt einen Keil zwischen die Handelspartner Seoul und Peking und Firmen in den Ruin. Der Preis für die Sicherheit gegen den Norden steigt mit jedem Tag. Lotte und E-Mart müssen in China ihre Geschäfte aufgeben.

Kim Jong-uns Streitkräfte sollen bereits neue Raketen in Stellung gebracht haben, um einen weiteren Test durchzuführen. Die bislang letzte Rakete flog über die nördliche Hauptinsel Japans hinweg. Anwohner wurden durch Sirenen und ein japanisches Warnsystem geweckt. Für die Regierung Japans eine Bestätigung, dass sich das Land gegen die Bedrohung aus Nordkorea rüsten muss. Im Gespräch ist ein Raketenabwehrsystem, wie es schon in Südkorea aufgestellt wurde. Die Aufstellung des THAAD-Systems führte dort aber zu unerwünschten Nebenwirkungen und trifft südkoreanische Firmen hart. 

Im Februar hatte ein Landtausch durch die südkoreanische Regierung stattgefunden. Auf einem Golfplatz, damals im Besitz des südkoreanischen Konzerns Lotte, stationierten die USA anschließend das erste THAAD-System. Was darauf folgte, war ein wirtschaftlicher Boykott der Firma Lotte durch die chinesische Regierung. China ließ Geschäfte des Unternehmens durchsuchen, um angebliche Fehler in der Buchführung aufzudecken, oder ging gegen diese unter dem Vorwand vor, dass die Geschäfte keinen ausreichenden Brandschutz aufweisen. Einige mussten schließen. Mittlerweile hat das Unternehmen nach Millionenverlusten damit begonnen, Geschäfte in China zu verkaufen. 

Der Samsung-Erbe Lee Jae-yong wird vor einer Gerichtsanhörung im Jae-yong-Gericht von Journalisten bedrängt; Seoul, Südkorea, 18. Januar 2017.

Lotte muss in China auf Notreserven zurückgreifen

Goldman Sachs soll nun den Verkauf der Einrichtungen abwickeln. Rund 80 Prozent der insgesamt 112 Lotte-Mart-Geschäfte in China sind seit mehr als sechs Monaten geschlossen. Wieviele Geschäfte verkauft werden, ist vom Verlauf der Verhandlungen abhängig. Seit März hat Lotte aus seinen Notreserven 318 Millionen US-Dollar in China investiert. Bislang konnte Lotte seinen chinesischen Angestellten auch noch Löhne zahlen. Lotte gehört zu den großen Familienunternehmen Südkoreas, die auch als Chaebols bekannt sind und im Land sehr viel Einfluss auf Medien und Politik haben. Ein weiterer Chaebol ist Samsung. Südkorea wird auf Grund der Bedeutung des Konzerns oft auch als Samsung-Republik bezeichnet.

China glaubt, dass THAAD auch zu Spionagezwecken zum Einsatz kommen könnte und dadurch die Sicherheitsinteressen Pekings und der Region bedroht. 

Eine Demonstration gegen THAAD in Seoul, Südkorea, 27. April 2017

Drastischer Verkaufsrückgang auch für Hyundai

Auch E-Mart, die führende Supermarktkette Südkoreas, ist dabei, sich vom chinesischen Markt zu verabschieden. Das Geschäft in der Volksrepublik hat sich zu einem Verlustgeschäft entwickelt, was sich durch THAAD noch weiter verschlimmern wird. Derzeit führt die Konzernführung Gespräche mit der thailändischen Chargen-Pkphand-Gruppe, die auch noch weitere Supermarktketten in China betreibt. Hyundai Motors bekam die diplomatische Krise ebenfalls zu spüren. Von Januar bis Juli verkaufte Hyundai 351.292 Autos, 41 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Da waren es noch 592.785 Fahrzeuge.

Die chinesische Regierung hatte ihre Landsleute zudem angewiesen, von Reisen nach Südkorea abzusehen. Die kaufkräftigen Chinesen fehlen seither im Stadtbild von Seoul. Ein beliebtes Reiseziel war auch der Duty-Free-Laden von Lotte in Seoul. Peking forderte von den Chinesen jedoch einen Boykott des THAAD-Geschäfts Lotte, welches die Aufstellung des Raketenabwehrsystems möglich machte. Die Kosten für das THAAD-System bezifferte US-Präsident Donald Trump auf eine Milliarde US-Dollar. Diese forderte er auch bereits von der südkoreanischen Regierung ein. Seoul aber lehnte eine Kostenübernahme ab. Eine solche sei nicht abgesprochen worden.