IS rekrutiert Kämpfer für die Philippinen – Fokus nicht mehr auf Syrien oder Irak

IS rekrutiert Kämpfer für die Philippinen – Fokus nicht mehr auf Syrien oder Irak
Regierungstruppen finden bei Anhängern der Maute-Gruppe am 19. Juni 2017 insgesamt elf Kilogramm hochreines Methamphetamin und eine IS-Flagge.
Im Irak und in Syrien ist die Terrormiliz "Islamischer Staat" auf dem Rückzug - sie hat sich aber offenbar bereits ein neues Operationsgebiet auserkoren: die Philippinen. Darauf deuten auch jüngst veröffentlichte Rekrutierungsvideos hin.

In einem IS-Video ergeht an potenzielle Kämpfer, die sich der Terrormiliz anschließen wollen, die Aufforderung, nicht nach Syrien oder in den Irak zu gehen – sondern auf die Philippinen. Diese Änderung der Rekrutierungsstrategie lässt vermuten, dass die Terrororganisation im Nahen Osten deutlich an Einfluss verliert.

Das Video ist sieben Minuten lang. Der IS hat es am 23. auf offiziellen Kanälen veröffentlicht. Mehrere Kämpfer aus den südlichen Philippinen kommen darin zu Wort, es sind aber auch Bilder von Kämpfen mit Regierungstruppen in der Nähe der Stadt Marawi und die Schändung einer Katholischen Kirche zu sehen. Junge Männer stecken die Kirche in Brand und zerstören ein großes Kruzifix sowie mehrere Marienstatuen.

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"Kommt her in das Land des Dschihad"

Einer der Kämpfer, der sich als "Abul-Jaman aus Marawi"  bezeichnet, fordert Muslime "in Ostasien, speziell in Indonesien, Malaysia, Brunei, Thailand und Singapur", dazu auf, an der Seite jener Extremistenverbände auf den Philippinen zu kämpfen, die Verbindungen zum IS haben.

Dieses Video ist mächtig und bewegend. Es wird die Gemüter erhitzen und IS-Anhänger in Malaysia, Indonesien und ganz Südostasien dazu begeistern, auf die südlichen Philippinen zu gehen, um dort Dschihad zu führen", erklärte Ayob Khan Mydin Pitchay, der Anti-Terror-Chef der Königlichen Malaysischen Polizei.

US-Geheimdienstinformationen zufolge betrachtet der IS die südphilippinischen Inseln, auf denen bereits seit Jahrzehnten ein Konflikt schwelt, als geeignetsten Ort für seine Kämpfer, um die geschwächte Organisation zu regenerieren. Videos und Inhalte auf sozialen Medien veröffentlicht der IS mittlerweile sowohl auf Englisch als auch in lokal gesprochenen Sprachen, um noch mehr Mitglieder anzuwerben.

US-Außenminister Rex Tillerson erwähnte bereits in seiner Pressekonferenz am 1. April, der US-Geheimdienst sei darüber informiert, dass sich auf den Philippinen auch IS-Kämpfer aus anderen Nationen befinden:

Wir sehen bereits IS-Elemente auf den Philippinen, die, wie Sie sicher wissen, dort Fuß fassen. […] Einige dieser Kämpfer sind aus Syrien und dem Irak auf die Philippinen gegangen. Wir sind im Gespräch mit den Regierungen der Philippinnen, Indonesiens, Malaysias, Singapurs und Australiens, um mit ihnen als Partner diese Bedrohung zu erkennen und um zu versuchen, mit dieser Bedrohung fertigzuwerden.