Bangladesch will Rohingya-Flüchtlinge auf nicht bewohnbare Insel verfrachten

Bangladesch will Rohingya-Flüchtlinge auf nicht bewohnbare Insel verfrachten
Rohingya-Flüchtlinge im Golf von Bengalen, Shah Porir Dwip, Bangladesch, 11. September 2017.
Die Regierung Bangladeschs fordert internationale Hilfe, um die Rohingya-Flüchtlinge auf einer Insel unterzubringen, die nicht bewohnbar ist und keinerlei Infrastruktur hat. Die Zuwanderung aus Myanmar schaffe im Land eine Krise, so die Regierung Bangladeschs.

Das Elend der Volksgruppe der Rohingya findet kein Ende. Myanmar will ihnen keine Bürgerrechte zugestehen, dort gelten sie als Staatenlose, die sich unrechtmäßig dort aufhalten. Infolge von Übergriffen radikaler Islamisten auf Polizei und Militär in Myanmar eskalierte die Lage und es kam zu einer Welle der Gewalt gegen die muslimische Minderheit.

Schutz suchen die Rohingya vor allem im benachbarten Bangladesch. Aber die dortige Führung will sich des Problems entledigen und die Menschen auf eine nicht bewohnbare Insel ohne Infrastruktur verfrachten, die während der Monsun-Zeit auch noch regelmäßig überschwemmt wird. Der Weg zurück nach Myanmar ist hingegen buchstäbllich vermint.

Kein Weg zurück nach Myanmar

Es gibt Berichte darüber, dass Militär und Milizen die Grenze mit Landminen versehen haben, um eine Wiederkehr der Rohingya zu verhindern. Die Regierung des ehemaligen Burma dementiert, hat aber wenig Macht gegenüber dem Sicherheitsapparat des Landes, der in den Händen des Militärs und der Milizen ist. 

Prothese eines Mannes in Yangon, Myanmar, 26. Mai 2016

An der Grenze zu Myanmar sind die UN-Flüchtlingsunterkünfte unterdessen überfüllt. Mehr als 300.000 Rohingya sind seit diesem April in das arme Land gekommen, um, wie sie sagen, Zuflucht vor Mord, Vergewaltigung und Folter zu finden. Für die Regierung Bangladeschs ist die ehemalige Thengar-Char-Insel, die jetzt den Namen Bhashan Char erhielt, eine mögliche Lösung für das Problem.

Die Insel hat jedoch nichts, was ein menschenwürdiges Leben erlaubt. Sie ist eine Bootsstunde von der nächsten bewohnten Insel entfernt und zwei Stunden von der größten Insel Bangladeschs, Hatiya. Den Plan, das Problem auf die Insel zu verlegen, gibt es schon seit 2015. Er wurde auf Eis gelegt, nachdem sich die Regierung Bangladeschs eingestehen musste, dass die Insel infolge der Überschwemmungen schier unbewohnbar ist. Jetzt aber, angesichts der Vielzahl weiterer Flüchtlinge, ist diese Lösung wieder en Vogue.

Premierministerin wirft Nachbarland "Gewissenlosigkeit" vor

Auch ein neues Camp nahe der Grenze soll Schutz für rund 250.000 geflüchtete Rohingya bieten. Trotz internationaler Proteste ist kein Ende der Gewalt gegen die Volksgruppe in Sicht. In der Presse wird bereits von einem Exodus der Rohingya gesprochen. Die Töne der Premierministerin Bangladeschs, Sheikh Hasina, klangen am Montag versöhnlich, als sie ein Flüchtlingscamp besuchte. Sie merkte an, dass es doch möglich sein müsse, 700.000 Flüchtlinge zu versorgen, wenn das Land sich um seine 160 Millionen Einwohner kümmern kann. Aber letztlich sieht das Land die Schuld für die Misere und die Zukunft der Flüchtlinge in Myanmar. Bangladesch fordert von Myanmar, Schutzzonen für die Rohingya einzurichten, um diesen zu ermöglichen, in ihre Heimat zurückkehren zu können. Die Regierung Myanmars bezeichnete sie als "gewissenlos": 

Hat die Regierung Myanmars kein Gewissen? Wie können sie Hunderttausende von Menschen wegen einiger weniger vertreiben?

Einige wenige bezieht sich auf die Radikalen unter den Rohingya - die infolge des zunehmenden Interesses Saudi-Arabiens und anderer wahhabitischer Länder an dem Konflikt an Rückendeckung gewinnen. Mit deren Gewalt begründen die Sicherheitskräfte Myanmars ihr eigenes gewaltsames Vorgehen.