Indischer Armeechef: Müssen uns auf einen Zweifrontenkrieg mit China und Pakistan vorbereiten

Indischer Armeechef: Müssen uns auf einen Zweifrontenkrieg mit China und Pakistan vorbereiten
Indische Grenztruppen in Panzgam, Distrikt Kaschmir Kupwara.
Der Generalstabschef der indischen Armee, General Bipin Rawat, warnte davor, dass sein Land in einen Zweifrontenkrieg mit China und Pakistan geraten könnte. Peking würde indische Territorien übernehmen und Pakistan einen Stellvertreterkrieg in Indien führen.

Auf einem Seminar der Denkfabrik "Centre for Land Warfare Studies" in Neu Delhi behauptete Rawat, dass China eine "Salamitaktik" anwende, was die Übernahme indischen Territoriums anbelange. Zudem teste China die Zurückhaltung Indiens. Dies würde sich "graduell zu einem Konflikt" entwickeln. Grund für die Warnungen sind die jüngst erst wieder eskalierten Spannungen rund um die Grenzziehung im Himalaya-Gebiet, insbesondere nahe dem Doklam-Plateau.

Das Gebiet befindet sich im indisch-bhutanisch-chinesischen Dreiländereck. Auslöser war Chinas Bau einer Straße in der umstrittenen Region. Die chinesische Volksarmee hatte eine bestehende Verbindung in den vergangenen Wochen in Richtung indischer Grenze verlängert. Die indische Führung schickte daraufhin Truppen in das Gebiet, um den Straßenausbau zu verhindern.

Indien agiert als Schutzmacht Bhutans

Symbolbild - Indische Truppen bei Armeeparade in Neu-Delhi, Januar 2011

Das chinesische Außenministerium erklärte später, das Gebiet, in dem die Straße gebaut wird, sei wieder unter der Kontrolle der chinesischen Truppen. China hatte Indien mehrmals dazu aufgerufen, seine Truppen von chinesischem Territorium abzuziehen und keine Spannungen zu provozieren. Indien und China hatten sich nach einer zwei Monate anhaltenden Konfrontation in der Grenzregion auf einen "beschleunigten" Truppenabzug geeinigt.

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Tatsächlich hat Indien selbst auch keine Ansprüche auf die abgelegene Bergregion, der Grenzstreit um Doklam ist ein Konflikt zwischen China und Bhutan. Doch Indien agiert als Verbündeter Bhutans. Das Außenministerium Bhutans legte die Gründe für den Konflikt aus seiner Sicht in einer Erklärung von Ende Juni dar. Dieser Darstellung zufolge begann das chinesische Militär am 16. Juni mit einer Verlängerung einer Straße in Doklam, einer Region, auf die sowohl die Volksrepublik als auch Bhutan Anspruch erheben. Damit habe China laut Bhutan gegen Verträge von 1988 und 1998 verstoßen, die einen friedlichen Status Quo vorsahen.

Doklam-Konflikt derzeit gefährlicher als jener um Kaschmir

Als Reaktion auf die chinesische Expansion schickte Indien am 18. Juni Soldaten in das Gebiet seines Verbündeten und stoppte den Bau der Straße – vorerst ohne Schusswechsel. Seither jedoch stehen einander die beiden Nuklearmächte gegenüber, nur durch wenige hundert Meter getrennt. Alle Verhandlungen scheiterten: Bhutan selbst will zurück zum Status Quo. China beharrt jedoch darauf, es handle sich um chinesisches Territorium.

Tatsächlich sind die Grenzstreitigkeiten in der Region zahlreich, nicht zuletzt der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und dem chinesischen Verbündeten Pakistan schwelt bereits seit Jahrzehnten. Doch Experten halten derzeit vor allem die Situation in Doklam für brandgefährlich. Es geht nicht nur um eine abgelegene Bergregion, sondern auch um den Anspruch von China und Indien auf Vorherrschaft in Süd- und Südostasien.

Indische Soldaten in der Kaschmir-Region, 27. April 2017.

Rawat sagte während des Seminars zudem, dass die Grenzstreitigkeiten mit China Pakistan helfen könnten, welches einen Stellvertreterkrieg gegen Indien führe.

Wegen dieses Stellvertreterkriegs ist immer ein Spielraum für einen Konflikt mit unserem westlichen Nachbarn",

so Rawat. Er beklagte sich des Weiteren über die pakistanische Propaganda, die behaupten würde, Indien wolle das Land in Stücke schlagen. Auch den Atomwaffen in der Region sprach Rawat letztendlich keine abschreckende Wirkung zu:

Atomwaffen sind Waffen der Abschreckung. Ja, sind sie. Aber davon auszugehen, dass sie vom Krieg abschrecken oder Nationen daran hindern können, in den Krieg zu ziehen, könnte in unserem Kontext verfehlt sein.

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